Volker Rübo steht nicht der Sinn nach einer Stichwahl. Der Bürgermeister blickt im Interview mit der WZ zurück und in die Zukunft.

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Volker Rübo (l.) sprach im heimischen Wohnzimmer mit WZ-Redakteur Tobias Klingen.

Volker Rübo (l.) sprach im heimischen Wohnzimmer mit WZ-Redakteur Tobias Klingen.

Reimann

Volker Rübo (l.) sprach im heimischen Wohnzimmer mit WZ-Redakteur Tobias Klingen.

WZ: Herr Rübo, haben Sie schon Pläne für den 15. Juni?

Volker Rübo: Ich würde gerne am 15. Juni eine Radtour machen. Ganz unbeschwert durch die Landschaft fahren – als Bürgermeister von Kempen.

WZ: Mit einer möglichen Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters möchten Sie an diesem Termin also nichts mehr zu tun haben?

Rübo: Genau. Ich hoffe einfach, dass das am 25. Mai für mich positiv ausgehen wird. Wobei man sagen muss, dass das bei sechs Gegenkandidaten schwer wird.

WZ: Sie sind seit 2009 Bürgermeister. Was muss man aus Ihrer Sicht für den Job mitbringen?

Volker Rübo wurde am 10. Mai 1959 in Kleve geboren. Seit 1993 wohnt er in Kempen. Heute lebt er mit seiner Frau an der Josefine-Förster-Straße. Das Paar hat zwei Töchter.

Rübo hat Jura in Köln und Bonn studiert – mit Abschluss des 2. Staatsexamens. Dann folgte zunächst das Referendariat bei der Stadt Kleve (1987 bis 1990). Die weiteren Stationen: Rechtsamt Göttingen (1990), Kämmerer und Dezernent beim Kreis Viersen (1991-1996), Erster Beigeordneter der Stadt Kempen (1996-2009), Bürgermeister (seit Oktober 2009).

In der CDU ist Rübo seit 1992. 2009 trat er für die Partei als Bürgermeisterkandidat an und wurde zum Nachfolger von Karl Hensel gewählt. Rübo holte gegen Andreas Gareißen (SPD) und Joachim Straeten (Grüne) 62,08 Prozent der Stimmen.

Der Bürgermeister ist leidenschaftlicher Hobby-Fotograf. Zudem fährt er gerne Fahr- und Motorrad. Beim Lesen kann er entspannen.

Rübo: Zum Amt gehört mehr als das reine Repräsentieren. Ich habe eine Verantwortung für 580 Menschen, die für die Stadt Kempen arbeiten. Dann kommen weitere Aufgaben dazu: Zum Beispiel die als Vorstand der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist und der Vorstandsposten im Aufsichtsrat der Stadtwerke. Als Bürgermeister hat man komplexe Aufgaben mit großer Verantwortung für das Wohl unserer 35 000 Bürgerinnen und Bürger.

WZ: In Ihrer Amtszeit seit 2009 ist einiges umgesetzt worden. Zum Beispiel hat Tönisberg wieder einen Supermarkt, der Kunstrasen in Kempen ist auf den Weg gebracht worden, in St. Hubert ist ein Haus mit Pflegeplätzen in Planung. Sind Sie mit sich zufrieden?

Rübo: Wir haben in den letzten fünf Jahren viele Projekte unter schwierigsten Rahmenbedingungen umgesetzt. Ich glaube, das kann sich sehen lassen. Das hat Kempen ein ganzes Stück nach vorn gebracht. Wir haben viel geschafft. Ich sage ausdrücklich „Wir“, weil das in der Verwaltung eine gute Teamarbeit ist.

„Mir liegt daran, dass die Verwaltung bürgernah arbeitet.“

WZ: Vor allem SPD und FDP sagen aber, dass das Team der Verwaltung mal auf seine Strukturen hin überprüft werden sollte. Wie stehen Sie dazu?

Rübo: Seit Jahren wird im Rathaus über jede Personalie intensiv gesprochen. Wenn jemand in Pension geht, beraten wir, was wir neu strukturieren können. Zum Beispiel haben wir im Jugendamt gemeinsam mit der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) einen Workshop durchgeführt. Diesen Weg möchte ich weitergehen. Die GPA wird dieses Jahr kommen, schaut sich verschiedene Bereiche an. Da wird es Ansätze geben, bei denen wir hinterfragen müssen, ob wir richtig aufgestellt sind. Ansonsten entwickelt sich die Verwaltung kontinuierlich weiter – mit allen motivierten Mitarbeitern. Mir liegt daran, dass die Verwaltung bürgernah arbeitet. Ein externes Beratungsunternehmen kostet viel Geld und sorgt nur für Unruhe.

„In die Zukunft gedacht, möchte ich gerne den Kempener Westen überplanen.“

WZ: Haben Sie konkrete Pläne, die Sie in den kommenden Jahren umsetzen wollen?

Rübo: Wir müssen uns sicher das Wohnen in Kempen anschauen. Viele Menschen möchten hier leben, es gibt kaum Leerstände. Und die Mieten sind entsprechend anspruchsvoll. Da müssen wir schauen, dass wir uns wieder mehr dem Geschosswohnungsbau widmen. Da werden wir auch in den Baugebieten entsprechendes ausweisen. Wir werden versuchen, bezahlbaren und auch öffentlich geförderten Wohnraum verstärkt zu schaffen. Insgesamt müssen wir die guten Strukturen in Kempen weiterentwickeln. In allen Bereichen: Betreuungsplätze für Kinder, Pflege, Förderung der Wirtschaft mit Gewerbegebieten.

WZ: Gibt es denn auch ein Großprojekt, dass Sie gerne angehen würden?

Rübo: In die Zukunft gedacht, möchte ich gerne den Kempener Westen überplanen. Dort die Bau- und Wohnungssituation für die nächsten 20 Jahre zu entwickeln, ist eine große Herausforderung. Da könnte man Spuren hinterlassen.

WZ: Die Kempener interessiert sehr, was am Königshütte-See geplant ist.

Rübo: Es ist eigentlich sehr klar, was ich mir da vorstelle. Der Segel- und Surfclub hat dort eine Zukunft. Ich möchte dort zudem ein öffentlich zugängliches Naherholungsgebiet entwickeln. Und dann sollte auch ein Bereich für den Naturschutz entstehen. Ob es dort auch ein Hotel geben wird, ist Sache des Eigentümers. Ein Hotel wäre eine Bereicherung, auf die wir aber keinen Einfluss haben.

„Die Vision, dass 2,2 Millionen Menschen in NRW darauf warten, auf dem Tönisberger Zechengelände eine Veranstaltung zu besuchen, ist abenteuerlich.“

WZ: Und was passiert mit der Burg?

Rübo: Da gehen wir mit dem Kreis ohne festgelegte Meinung in die Machbarkeitsstudie – ergebnisoffen. Da brauchen wir externen Sachverstand und wir müssen sensibel mit dem Wahrzeichen unserer Stadt umgehen. Ich hüte mich davor, jetzt eine feste Meinung zu äußern.

WZ: Sie haben sich gegen den Denkmalschutz für die Tönisberger Zeche ausgesprochen. Wird Sie das im Bergdorf Stimmen kosten?

Rübo: Ich kann mir vorstellen, dass das bei einigen Menschen in Tönisberg dazu führt, dass sie denken: „Das ist nicht das, was wir uns von Herrn Rübo erwartet haben“. Ich kann auch nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die dem Zechenturm eine große Bedeutung beimessen. Wir haben aber eine Gesamtverantwortung. Und wir kommen zum Ergebnis, dass die Zeche nicht die Qualität für ein Denkmal hat. Da sind wir konsequent geblieben. Wir hätten auch den leichteren Weg gehen können: Die Zeche wird auf Empfehlung in die Denkmalliste eingetragen. Und dann? Dann wird sie wieder ausgetragen und abgerissen, weil keine Nutzung gefunden wird. Das ist kein fairer Umgang. Wir als Verwaltung halten Konflikte aus, weil wir davon überzeugt sind. Die Vision, dass 2,2 Millionen Menschen in NRW darauf warten, auf dem Tönisberger Zechengelände eine Veranstaltung zu besuchen, ist abenteuerlich.

WZ: Kommen wir zum Schluss zum Wahlergebnis. 2009 haben Sie 62,08 Prozent geholt. Wie sieht es 2014 aus? Trauen Sie sich eine Prognose zu?

Rübo: Ich will mich da nicht festlegen. Mein Wunschergebnis ist, dass ich 50 plus X erreiche.

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