In 54 Potraits zeigen zugewanderte Mitbürger, wo in Kempen es ihnen am besten gefällt.

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Dicht gedrängt nehmen die Besucher im Rathausfoyer die Portraits ihrer ausländischen Mitbürger in Augenschein.

Dicht gedrängt nehmen die Besucher im Rathausfoyer die Portraits ihrer ausländischen Mitbürger in Augenschein.

Dicht gedrängt nehmen die Besucher im Rathausfoyer die Portraits ihrer ausländischen Mitbürger in Augenschein.

Kempen. Eine bunte Menschenmenge drängte sich am Sonntagmorgen im Rathausfoyer. "So voll ist es hier selten", kommentierte Bürgermeister Karl Hensel die große Resonanz, die die Vernissage der Ausstellung "Mein Platz in Kempen" bei den Thomasstädtern gefunden hat.

Dabei waren nicht nur "typisch Kemp’sche" Gesichter zu sehen, sondern vor allem solche, hinter denen sich ein "Migrationshintergrund" vermuten lässt. Unter den Zuschauern und auf den ausgestellten Plakatwänden sah man Menschen mit den unterschiedlichsten Herkunftsorten - von Vietnam bis zum Kongo, von Südamerika bis Russland.

54 Kempener mit ausländischen Wurzeln haben sich in den vergangenen Monaten von Mitgliedern des FotoForums Kempen fotografieren und interviewen lassen, um zu demonstrieren, dass Kempen ein multikulturelles Städtchen ist.

Das eigene Haus, aber auch öffentliche Plätze sind "Heimat"

Ein gewisses Staunen darüber konnten die Besucher der Ausstellung nicht verhehlen: Während sie zur deutsch-tamilischen Musik von Ludger Damm, Lutz Caspers, Shan Devakurupan und Sven Rossenbach an den Fotos vorbeiflanierten, hieß es neben "ganz toll" und "beeindruckend" auch: "Schon lustig, wohin es Leute verschlägt."

Auf den durch Zitate der Abgelichteten ergänzten Fotos sind neben den Menschen ihre Lieblingsorte in Kempen zu sehen. Oft ist dies einfach das eigene Haus, das als neue Heimat wahrgenommen wird. Doch auch die Burg, der eigene Arbeitsplatz oder andere mehr oder weniger prominente Kempener Orte werden von Zugewanderten als "mein Platz in Kempen" wahrgenommen.

Wer die Ausstellung in den nächsten Wochen besuchen wird, dem werden einige bekannte Gesichter auffallen. Als Gastronomen, Einzelhändler, Mitschüler und Mitsportler sind viele der Fotografierten fest im gesellschaftlichen Leben verankert.

Doch auch Menschen, die im Alltag möglicherweise nicht wahrgenommen werden, haben die 12 Fotografen mit der Kamera sichtbar gemacht, haben sie in Asylbewerberheimen und landestypisch eingerichteten Wohnzimmern fotografiert.

"Wir sind nicht nur gesichtslose Ausländer - wir sind Menschen mit einem Gesicht und einem Hintergrund", erklärte Alice Poeira, weshalb das Multikulturelle Forum die Ausstellung unterstützt hat. "Wir wollten keine klischeehaften Darstellungen und erst recht kein Pseudo-Integrationsprojekt."

"Nur Fotos haben für dieses Vorhaben nicht ausgereicht", unterstrich Paul Maaßen, Fotograf und Kopf des FotoForums. Erstmals habe man daher neben den Gesichtern der Porträtierten auch ihre Lebensgeschichte zum Thema gemacht und sie in abgedruckten Zitaten selbst zu Wort kommen lassen.

Die Ausstellung wird auch außerhalb Kempens gezeigt

Demnach appellierte auch Landrat Peter Ottmann, sich auf die Geschichte der zugewanderten Mitbürger einzulassen und Vorurteile abzubauen. Dazu sollen die Fotos demnächst auch im Viersener Kreishaus gezeigt werden.

Kempen könnte ein Vorbild für andere Städte und Gemeinden sein, fand auch Karl-Heinz Florenz, Europaparlamentarier für den Niederrhein. Er lud die Ausstellung in die ständige Vertretung des Landes NRW in Brüssel ein, womit er spontanen Applaus erntete.

In Kempen ist "Mein Platz in Kempen" noch bis zum 30. April zu den Öffnungszeiten des Rathauses sowie an den Wochenenden und feiertags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Finissage ist am 23. April um 19 Uhr.

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