Wolfsburg hat die Verträge mit kleineren Händlern aufgelöst. Wingen muss sich jetzt neue Partner suchen. Der Service für VW-Kunden wird schlechter.

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Der Werkstattbetrieb bei Wingen bleibt in Betrieb. Allerdings laufen sowohl der Servicevertrag als auch der Neuwagen-Verkauf nicht mehr unter dem großen Volkswagen-Dach.

Der Werkstattbetrieb bei Wingen bleibt in Betrieb. Allerdings laufen sowohl der Servicevertrag als auch der Neuwagen-Verkauf nicht mehr unter dem großen Volkswagen-Dach.

Friedhelm Reimann

Der Werkstattbetrieb bei Wingen bleibt in Betrieb. Allerdings laufen sowohl der Servicevertrag als auch der Neuwagen-Verkauf nicht mehr unter dem großen Volkswagen-Dach.

Kempen. Wo sonst auf 800Quadratmetern 18 bis 24 Fahrzeuge stehen, haben vier Neuwagen den Schauraum an der Hülser Straße 110 ganz für sich. Volkswagen hat die Verträge mit dem Kempener Familienunternehmen Wingen gekündigt. Aus VW Wingen wird Autohaus Wingen, aus der exklusiven Markenwerkstatt eine freie, und die Neuwagen kommen demnächst von allen Fabrikaten.

"Wir haben gekämpft, den Servicevertrag zu halten."

Josef Wingen, Geschäftsführer

Auch das runde Logo ist am Gebäude nicht mehr zu sehen, nur das Skoda-Zeichen prangt noch an der Fassade. Grund für die Vertragsauflösung sind neue Leitlinien des Konzerns. Was in Wolfsburg Vertriebsoptimierung genannt wird, bedeutet für kleine Vertriebspartner das Ende - und für VW-Kunden längere Anfahrtswege.

Nur noch Autohäuser, die 500 Neuwagen im Jahr verkaufen, bleiben im Geschäft, um die qualitativen Standards zu halten, die VW vorgibt. "Mit kleinem Personalstamm ist das ab 2010 nicht mehr drin", sagt Josef Wingen, Geschäftsführer. Erst 2005 mussten sich die Kempener von Audi trennen.

Seit knapp sechs Jahrzehnten war Wingen Vertragshändler von Europas größtem Autohersteller VW. "Nach 56 Jahren ist das eine enorme Umstellung." Der Enkel des Werkstatt-Gründers bedauert den Rückzug des Wolfsburger Automobilriesen. "Wir haben gekämpft, den Servicevertrag zu halten, um unsere Kunden zu versorgen. Aber VW hat sich dagegen entschieden", sagt Wingen. Die Verhandlungen waren bereits vor Weihnachten beendet.

"Zuerst ging es nur um den Neuwagenverkauf, dann auch um den Servicevertrag mit VW." Beides ist nun passé. "Das ist bitter für uns und die Mitarbeiter."

"Wir haben noch den gültigen Skoda-Vertrag und suchen uns jetzt Kooperationspartner." Das Ziel ist, mit der elfköpfigen Mannschaft weiterhin Neuwagen anzubieten. "Die Bandbreite wird größer und im Servicebereich schließen wir uns der freien Werkstattkette ,Automeister’ an - so können wir weiterhin Original-Ersatzteile anbieten."

Bei Service-Wartungen und Verschleißreparaturen könne er den Kempenern also weiterhin behilflich sein. Ebenso besteht weiterhin die Mobilitätsgarantie. Zudem stecke Wingen Verhandlungen mit zwei potenziellen Partnern, im Februar rechnet Wingen mit Ergebnissen.

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