Acht Zehntklässler wehren sich gegen Vorurteile gegenüber der Hauptschule. Allen gemeinsam - und ihrem Schulleiter Hubert Kalla - ist der Unmut, dass die Hauptschule an sich einen schlechten Ruf hat.

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Acht Martin-Schüler und Schulleiter Hubert Kalla (hinten r.) im Gespräch mit den WZ-Redakteuren Barbara Leesemann (r.) und Axel Küppers (l.).

Acht Martin-Schüler und Schulleiter Hubert Kalla (hinten r.) im Gespräch mit den WZ-Redakteuren Barbara Leesemann (r.) und Axel Küppers (l.).

Friedhelm Reimann

Acht Martin-Schüler und Schulleiter Hubert Kalla (hinten r.) im Gespräch mit den WZ-Redakteuren Barbara Leesemann (r.) und Axel Küppers (l.).

Kempen. Sie stehen kurz vor ihrem Abschluss, wollen weiter zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen: Die acht Schüler der Martin-Schule, die im Gespräch mit unserer Redaktion für die Hauptschule eine Lanze brechen wollen. Alle Acht machen ihren Realschul-Abschluss.

Allen gemeinsam - und ihrem Schulleiter Hubert Kalla - ist der Unmut, dass die Hauptschule an sich einen schlechten Ruf hat. "Völlig zu Unrecht", wie die Jugendlichen meinen und an den Beispielen ihrer eigenen Erfahrungen erläutern.

Der 16-jährige Jerome Becker besuchte zunächst die Realschule, bis er nach der achten Klassen wechselte. "Meine Noten waren schlecht und ich war nur frustriert." Das änderte sich auf der Hauptschule relativ schnell. Der Kempener sagt: "Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht und bekomme jetzt sogar meinen Realschulabschluss."

"Auch wir sind Schüler wie jeder andere, ganz normale Menschen."

Maiko Stenzel, 16 Jahre

"Ein typischer Fall von Spätzünder", sagt Kalla. Er kennt viele solcher Fälle: Bereits im Laufe der fünften Klasse kommen acht bis zwölf Schüler jährlich von der Real- zur Hauptschule.

Und wo diese Jugendlichen ihren Realschulabschluss gemacht haben, sei nach seiner Erfahrungen den meisten Betrieben egal. Kalla: "Die Ausbilder sehen eher danach, ob der Jugendliche in ihren Betrieb passt und welchen persönlichen Eindruck er macht."

Zurzeit besuchen 500 Kinder und Jugendliche die Martin-Schule. Davon gehen 42 in die beiden fünften Klassen. 40Lehrer unterrichten an der Hauptschule. Es gibt zwei Gebäude, das 81Jahre alte Am Gymnasium24 und die Nebenstelle (56Jahre alt) an der Fröbelstraße4. Da die Schule nach und nach in den Ganztag geht, soll bis Januar 2011 auf dem Hof des Hauptgebäudes eine Mensa gebaut werden.

Es gibt zwei Gebäude, das 81Jahre alte Am Gymnasium24 und die Nebenstelle (56Jahre alt) an der Fröbelstraße4. Da die Schule nach und nach in den Ganztag geht, soll bis Januar 2011 auf dem Hof des Hauptgebäudes eine Mensa gebaut werden.

1989 wurde die Schule nach Martin von Tours benannt.

Steffen Hey (15) möchte zunächst sein Fachabitur machen. Im Anschluss strebt er eine Ausbildung bei der Volksbank an. "Ich habe dort zwei Praktika gemacht und nach Aussagen meiner Betreuer mehr überzeugt als die Realschüler, die ebenfalls dort hospitierten." Der junge Mann aus Kempen ist überzeugt, dass die zwei Praktika ihm viel gebracht haben: "An den anderen Schulen gibt es nur eins."

Für Maiko Stenzel und seine Eltern stand nach der Grundschule die Frage Real- oder Hauptschule an. "Ich habe mich für die Martin-Schule entschieden, damit ich bessere Zeugnisse bekomme. Ich habe keine Klasse wiederholt und möchte jetzt Konditor werden", sagt der 16-jährige Kempener.

Bei der 16-jährigen Alana Horst aus St. Hubert war die ganze Familie auf der Hauptschule. Eine Schwester ist Erzieherin, ein Bruder Lagerist und ein anderer Schreiner. "Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht. Und nach dem Abschluss gehe ich weiter zur Schule."

Saskia Dams hatte zunächst Bedenken, auf die Martin-Schule zu gehen: "Wegen der Vorurteile". Doch jetzt, so die 15-Jährige, habe sie mehr Selbsbewusstsein und sei stolz, diese Schule besucht zu haben. Die Kempenerin wird später die Hauswirtschaftsschule besuchen.

Auch die 15-jährige Franziska Konings hat im Vorfeld Schlechtes über die Schule gehört. Jetzt ist sie aber glücklich, sich für die Haupt- und nicht die Gesamtschule entschieden zu haben. "Ich bin sehr gefördert worden. Vor allem in der Zeit, als ich wegen meiner Krebserkrankung nicht zur Schule gehen konnte." "Drei Lehrer haben in den Hauptfächern Hausunterricht erteilt, ohne nach einem Stundenausgleich zu fragen", sagt Schuleiter Kalla. Franziskas Berufswunsch ist Tierpflegerin.

Tobias Kleinen aus St. Hubert hat sogar schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Bei einem Praktikum bei Cargill in Krefeld konnte er sich beweisen. Und nun wird der 15-Jährige Lebensmitteltechniker.

Ekaterina Gacuk hatte gehört, dass man in der Hauptschule "in die Toilette gesteckt" wird. Deshalb hatte die 15-jährige Kempenerin zunächst Angst, die Martin-Schule zu besuchen. "Aber ich habe schon am ersten Tag eine Freundin gefunden und meine Noten sind besser geworden." Sie möchte Veranstaltungskauffrau werden. Bei einem Praktikum bei der Firma M-Production in der Altstadt konnte sie sich von dem Beruf bereits ein Bild machen.

Steffen untermauert sein gutes Bild von der Hauptschule: "In all den Jahren habe ich keine körperlichen Auseinandersetzungen erlebt." Deshalb verstehen die Jugendlichen nicht, dass der Ruf dieser Schulform so schlecht ist. "Auch wir sind Schüler wie jeder andere, ganz normale Menschen", sagt Maiko.

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