Bei der Bundestagswahl spielte die NPD keine Rolle. Doch unter Schülern bekam die Partei bei Probe-Wahlen viel Zustimmung.

Krempen/Nettetal. Zwei Tage nach der Bundestagswahl ist die NPD mit ihren Parolen und dem unerträglichen Begriff "Ausländer-Rückführungsbeauftragter" kein aktuelles Thema. Auch weil sie im Kreis Viersen gerade mal 0,9 Prozent erreicht hat.

"Schulen müssen sich mit der Gefahr von Rechts auseinandersetzen."

Klaus-Peter Hufer, NPD-Experte

Doch wie wird das in Zukunft aussehen? Angesichts der Schülerwahl-Ergebnisse in Kempen und Lobberich, warnt der Dozent der Uni Duisburg-Essen und anerkannte NPD-Experte Klaus-Peter Hufer davor, die Gefahr von rechts zu unterschätzen. "Das Thema muss offensiv angesprochen werden", sagt er.

Wie die WZ berichtete, hatte die NPD bei der fiktiven deutschlandweiten Wahl "U18" in Kempen 5 Prozent erreicht und war bei der Schülerwahl am Werner-Jaeger-Gymnasium in Lobberich auf 3,6 Prozent gekommen.

Unter jungen Menschen sei die Gefahr der Zustimmungsbereitschaft zur NPD groß, sagt Hufer. "Das liegt an den perfiden Methoden der Partei, die mit verallgemeinerten Aussagen arbeitet". Und genau die seien auf den ersten Blick oft nicht als rechtsextrem zu erkennen.

"Die Partei gibt sich globalisierungskritisch, vertritt sozial weit gehende Thesen und spricht sich für eine Erhöhung des Hartz IV-Satzes aus." Dass das nur für Deutsche gelten solle, werde allerdings verschwiegen, sagt Hufer.

Ergebnisse von rund vier Prozent Zustimmung zur NPD unter Schülern sei ein Punkt, dass der nicht totgeschwiegen werden dürfe. "Schulen müssen sich damit auseinandersetzen, dass die Gefahr nicht mehr nur von prügelnden Neonazis auf der Straße ausgehe, sondern auch von geistigen Brandstiftern und ihren Rekrutierungsversuchen", sagt Uni-Dozent Klaus-Peter Hufer.

Rechte Parteien treten heute ganz anders an Jugendliche heran

Dass Rechte ihr Aktionsfeld deutlich erweitert haben, berichtet auch Achim Stockschläger. Er ist Politikwissenschaftler und Dozent der Friedrich-Naumann-Stiftung mit dem Spezialgebiet rechte Musik. "Die NPD hat aus den 90er Jahren gelernt. Sie tritt heute ganz anders an Jugendliche heran als früher. Sozusagen als Extremisten in der Mitte. Vor allem über die Punk- und Pop-Musik",sagt Stockschläger und nennt Bands wie Zillertaler Türkenjäger, Lanzer, Weiße Wölfe oder Oidoxie.

"So lange es den Jugendlichen gut geht, bleiben sie auch unanfällig, aber wenn sich ihre Situation verschlechtert, steigt die Anfälligkeit für einfache Lösungen und Parolen", sagt Stockschläger.

Daher spreche die NPD gezielt die Jugendlichen an, die "keine feste, geschlossene rechte Ideologie haben", weiß Hufer. Das seien seiner Erfahrung nach meistens Schüler um die 13 Jahre. Und: "Je weniger Freizeitangebote es gibt, desto größer ist rechte Gefahr."

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