Jugendliche haben zusammen mit drei demenzkranken Senioren über sechs Monate Kunstwerke erstellt.

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Alle Werke werden im September in einer Vernissage in Krefeld ausgestellt.

Alle Werke werden im September in einer Vernissage in Krefeld ausgestellt.

Friedhelm Reimann

Alle Werke werden im September in einer Vernissage in Krefeld ausgestellt.

Kempen. Das Ergebnis ist bunt, teils großformatig und kunstvoll: Rund 40 Bilder entstanden bei dem ersten generationsübergreifenden Kunst-/Demenzprojekt im offenen Atelier des Jugendzentrums Kom’ma am Oedter Pfad.

Drei an Demenz erkrankte Senioren und drei Jugendliche machten in den vergangenen sechs Monaten gemeinsame Sache und trafen sich 24Mal wöchentlich zum gemeinsamen kreativen Gestalten.

Die Kunstwerke sind eine andere Darstellungsform von Demenz

Die Idee dahinter erklärt Renate Wiemes, Pflegedienstleiterin bei der Krefelder DAK-Schwesternschaft: "Die Kranken werden bislang fast überall aus der Gesellschaft herausgezogen. Wir wollen Demenz anders darstellen, möchten Betroffenen und Angehörigen neue Chancen aufzeigen."

Kunsttherapeutin Doris Pieper-Norlander, die Jugendlichen seit acht Jahren Kunstkurse im Kom’ma anbietet, übernahm gerne die Leitung der Gruppe. "Am Anfang war ich unsicher, ob es klappt. Doch dann haben sich alle sehr gut aufeinander eingelassen, es war eine unglaublich intensive Zeit", resümiert sie.

"Bei Erkrankten wird immer erst festgestellt, was sie nicht mehr können."

Dirk Bahnen, Berater und Fachkrankenpfleger

Der Krefelder Fachkrankenpfleger und Berater für Pflege, Dirk Bahnen, war Mitinitiator des Projektes. Er weiß: "Bei Erkrankten wird immer erst festgestellt, was sie nicht mehr können. Dieser defizitäre Ansatz stärkt natürlich nicht das Selbstwertgefühl der Patienten. Das wollten wir mit dem Projekt ändern."

Der Erfolg gibt ihm Recht: "Mein Mann fühlt sich hier richtig angenommen", verrät die Ehefrau eines an Demenz Erkrankten. Eine andere ergänzt: "Hier finden unsere Männer innere Ruhe, sind wie beseelt nach dem Malen."

Jugendliche loben entspannte Atmosphäre

Für Tobias (12), Janine und Johannes (beide 15) war der Kurs eine ganz besondere Erfahrung: "Zuerst dachte ich, es gibt Verständigungsprobleme oder Konflikte", gibt Johannes offen zu. Doch dann sei schnell ein "richtiges Miteinander" entstanden. Auch die Jugendlichen waren dabei nach eigener Aussage "total entspannt". Und sie lernten noch etwas: "Die Senioren haben Sachen erzählt, die in keinem Geschichtsbuch stehen", sagt Tobias.

Am 21. September ist die Vernissage aller Werke im Krefelder Südbahnhof. Das zweite Projekt steht bereits an: Ein Tangokurs für Menschen mit und ohne Demenz. "Da sind wir sehr gespannt drauf", blickt Renate Wiemes in die Zukunft.

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