Die teils desolaten Ruhestätten wurden restauriert und das Gelände verschönert.

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Manfred Messing (r.) stellte Donnerstag die Restaurierungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof in Kempen vor. Bürgermeister Karl Hensel (l.) , Wilfried Johnen (2.v.r.), Geschäftsführer des Landesverbandes, und Karl-Josef Schaaff vom Kempener Denkmalsamt zeigen sich beeindruckt.

Manfred Messing (r.) stellte Donnerstag die Restaurierungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof in Kempen vor. Bürgermeister Karl Hensel (l.) , Wilfried Johnen (2.v.r.), Geschäftsführer des Landesverbandes, und Karl-Josef Schaaff vom Kempener Denkmalsamt zeigen sich beeindruckt.

Friedhelm Reimann

Manfred Messing (r.) stellte Donnerstag die Restaurierungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof in Kempen vor. Bürgermeister Karl Hensel (l.) , Wilfried Johnen (2.v.r.), Geschäftsführer des Landesverbandes, und Karl-Josef Schaaff vom Kempener Denkmalsamt zeigen sich beeindruckt.

Kempen. Der jüdische Friedhof kann sich nun der Zukunft stellen: Nachdem der Kempener Steinmetz Manfred Messing die Grabmale am Grünkesweg monatelang saniert hatte, präsentierte er am Donnerstag seine Arbeit.

"Wenn ich an den ersten Termin hier zurückdenke, kommt mir der desolate Zustand wieder in Erinnerung", erzählt Wilfried Johnen, Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

"Einige Grabsteine hätten sicher die nächsten Jahre wegen Frost- und Wasserschäden nicht überstanden - kaum zu glauben, dass das Ganze erst ein Jahr her ist."

Auch der Eingangsbereich wurde umgestaltet

Alles hat nun seine Ordnung: Grabmäler wurden behutsam und im Sinne des Judentums gereinigt und gesichert. "Viele Platten waren stark mit Moosen bewachsen, das musste erst weg", berichtet Messing. "Wir haben aber keine ästhetischen Veränderungen vorgenommen, sondern es dabei belassen, wenn der Zahn der Zeit schon genagt hatte."

Durch Abklopfen erfuhren der Steinmetz und seine Mitarbeiter, ob der Stein in Ordnung war oder sich Hohlräume darin befanden. "Wir haben die Inschriften nicht nachgeschliffen- das ist nicht im Sinne der jüdischen Kultur."

Der jüdische Friedhof am Grünkesweg wurde 1809 von der Gemeinde Schmalbroich gekauft. Genutzt wurde er von 1845 bis 1944. Auf dem 2100-qm-Gelände befinden sich 98 Gräber und Gedenkstätten. 18 stammen aus Oedt, als 1968 der dortige jüdische Friedhof nach Kempen verlegt wurde. Anfang der 1970er-Jahre wurde das in der NS-Zeit stark in Mitleidenschaft gezogene Areal von der Stadt wieder hergerichtet. Seit 2003 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.

Die jüdische Tradition sieht keine Grabpflege vor. Statt Blumen hinterlassen Besucher kleine Steine auf den Grabmalen. Zudem sollen die Gräber unangetastet bleiben. Es wird nur in unberührter Erde beigesetzt.

Auch die Standsicherheit der massigen Objekte war ein Thema: "Früher war es zu gefährlich, Leute hier durch zu führen, da es stets eine Umfall-Gefahr gab", erzählt Messing. Das ist nicht mehr der Fall.

"Uns war es ein Anliegen, dass wir hier ein Stück dessen erhalten, was Kempener Geschichte ist", sagt Bürgermeister Karl Hensel. Ihm sei es wichtig, das Vergangene auch den kommenden Generationen zu vermitteln - "gerade jetzt, wo wir uns in einem gesellschaftlichen Umbruchprozess befinden".

Neben den Grabstätten wurde auch der Rest des Geländes verbessert. Der Eingangsbereich ist mit einem kleinen Platz, Stufen und einer Pflegezufahrt umgestaltet worden. Zudem wird der Friedhof nun von Stabgitterzäunen gesäumt.

Am Eingang erklärt eine Tafel den geschichtlichen Hintergrund. Die Kosten der Grabsteinkonservierung betragen 25000 Euro. 60 Prozent davon kommen vom Land NRW. Für die Umgestaltung des Eingangs zahlte die Stadt 40000 Euro.

Ulrich Stevens, Hauptkonservator vom Amt für Denkmalpflege Rheinland, vergleicht seine Eindrücke mit einem Foto von 2005. "Die Sanierung ist gut gelungen - man kann sagen, dass die Spuren der Geschichte nicht beseitigt worden sind."

Bis die Kempener sich dort umsehen können, dauert es noch: Am Tag des offenen Friedhofs, 23. August, an dem auch das 200-jährige Bestehen der Ruhestätte gefeiert wird, öffnen sich die Pforten. Manfred Messing wird dann über den Friedhof führen, Vertreter vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden sind für Gespräche bereit und die Stadt wird in einer Ausstellung über die Sanierung informieren.

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