Am Samstag wurde der neue Mittelpunkt des Gotteshauses geweiht. Gestaltet wurde er von Manfred Messing.

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Weihbischof Karl Borsch zündet die Kerzen auf dem neuen Altar an. Das war der bewegendste Moment am Samstag bei der Altarweihe in der Propsteikirche.

Weihbischof Karl Borsch zündet die Kerzen auf dem neuen Altar an. Das war der bewegendste Moment am Samstag bei der Altarweihe in der Propsteikirche.

Friedhelm Reimann

Weihbischof Karl Borsch zündet die Kerzen auf dem neuen Altar an. Das war der bewegendste Moment am Samstag bei der Altarweihe in der Propsteikirche.

Kempen. "In seiner Schlichtheit sammelt er uns." So beschrieb Weihbischof Karl Borsch den neuen Altar der Propsteikirche. Am Samstagabend weihte der Geistliche aus Aachen den grauen Granit-Würfel, der den neuen Mittelpunkt der Kirche und der katholischen Gemeinde St.Mariae Geburt darstellt. Über 400 Christen erlebten in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Gotteshaus einen bewegenden zweieinhalbstündigen Festgottesdienst.

Nach einstündiger Vorbereitung ging Borsch schließlich kurz nach 18 Uhr an die Weihe des vom Kempener Bildhauer Manfred Messing geschaffenen Blocks. Nach christlichem Ritus salbte Borsch den Altar mit Chrisam, verbrannte darauf Weihrauch und entzündete Lichter. Viele hatten Gänsehaut, einige weinten sogar.

"Stein und Vision, Himmel und Erde, Gott und die Welt: Der Altar hält alles zusammen."

Karl Borsch, Weihbischof

Die Kirche war komplett abgedunkelt, Cäcilia-Chor und Orgel stimmten leise das "Veni Sancte Spititus" an. Bevor Borsch die erste Eucharistiefeier auf dem Altar zelebrierte, sang der Gospel-Chor "Shine your light".

Zu Beginn der Messe hatte Propst Thomas Eicker auf die Bedeutung des Altars als Christus-Symbol in schwierigen Zeiten erinnert. "Die Struktur der Kirche verändert sich dramatisch. Da ist es wichtig, dass wir einen solchen Mittelpunkt haben." Eicker begrüßte Weihbischof Borsch herzlich, den gebürtigen St.Huberter und Thomaeer, der in der Propsteikirche schon so viele Schulgottesdienste erlebt hat.

Bei dem jeweils 105 Zentimeter großen Würfel, der 3,5 Tonnen wiegt, handelt es sich um schwedischen Granit.

Der Block besteht aus drei Teilen. Horizontal eingemeißelt und vergoldet binden sich Lebenslinien. Die Spalten sind fünf Millimeter breit. Oben sind fünf Kreuze eingemeißelt.

Manfred Messing (44) ist vielfach ausgezeichneter Bildhauer aus Kempen. Erst vor einigen Tagen hat er aus der Hand des Ministerpräsidenten NRW den Bundespreis für die Denkmalpflege erhalten. Hier hat er sich um das Erbe der jüdischen Friedhöfe am Niederrhein verdient gemacht.

Altar und Ambo (das Lesepult, an dem das Wort Gottes verkündet wird) bezahlt ein anonymer Stifter. Die Kosten für die Bodensanierung in Höhe von rund 30000 Euro trägt der Kirchbauverein.

Der letzte Altar, der in Kempen geweiht wurde, war am 3. März 1990 der Rückriem-Altar in St.Josef (Kamperlings). Der Altar von Christ-König (Hagelkreuz) ist 1993 im Zuge der Einweihung dieses Gotteshauses seiner Bestimmung übergeben worden.

Borsch erklärte die religiösen Ursprünge des Altars und die Umsetzung sowie den mehrere Jahre dauernden Prozess für St.Marien. "Die Steine dieser 800 Jahre alten Kirche schaffen eine Atmosphäre, die jeder spürt." Der neue Altar im Schnittpunkt der drei Bild-Altäre und exakt unter dem Vierungs-Gewölbe sei nun der natürliche Mittelpunkt.

Mutter Teresa war 1982 zu Gast in der Propsteikirche

Borsch erinnerte auch daran, wie Mutter Teresa 1982 in der Propsteikirche unmittelbar an der Altar-Stätte gestanden und gesagt hat: "Keiner darf so aus der Kirche raus, wie er reingekommen ist." So solle man auch den Mittelpunkt verstehen. Borsch: "Stein und Vision, Himmel und Erde, Gott und die Welt: Der Altar hält alles zusammen."

Zum Schluss bedankte sich Johannes Leenen, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, bei allen, die den Altar ermöglicht hatten, unter anderem dem Propst, dem Künstler Messing, dem Kirchbauverein und dem Stifter, der ungenannt bleiben möchte.

Trotz der langen Zeremonie suchten hinterher viele im Chorumgang noch bei Brot und Wein das Gespräch. "So einen Gottesdienst habe ich noch nie erlebt", sagte Kantor Theo Dahmen, dessen Chöre Cäcilia und Good-News einen würdigen musikalischen Rahmen geschaffen hatten. "Man ist stolz, dabei gewesen zu sein", zeigte sich auch Vize-Bürgermeister Otto Birkmann beeindruckt.

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