Die Volksbank Kempen-Grefrath ist in Krisenzeiten ein „sicherer Anlage-Hafen“. Die Kundeneinlagen stiegen 2008 um zehn Prozent.

Kempen/Grefrath. Das Jahr 2008 gehörte in der 125-jährigen Geschichte der Volksbank Kempen-Grefrath zu den bewegendsten. Die Bankenkrise schlug mit voller Wucht zu. "So etwas hat unser Sektor noch nicht erlebt. Keiner wusste so richtig, wo er dran war", erinnert sich der Vorstandsvorsitzende Josef Stieger (Foto) an die besonders turbulenten Zeiten im Herbst.

Die Volksbank gehe aber gestärkt aus dem Krisenjahr hervor. "In den Krisenzeiten sind die Leute mit ihrem Geld zu uns gekommen, weil sie bei uns mehr Vertrauen haben als bei den Geschäftsbanken."

In Zahlen ausgedrückt bedeutete das einen Zuwachs der Bilanzsumme um acht Prozent auf 300 Millionen Euro. Die Kundeneinlagen erhöhten sich um zehn Prozent auf 195 Millionen Euro. Beim Festgeld gab es einen Anstieg um 41 Prozent auf 68 Millionen Euro.

"Besonders im Oktober hatten wir sagenhafte Zuwächse zu verzeichnen. Das war der höchste Zufluss von privaten Spargeldern in der Nachkriegsgeschichte." Die Leute seien mit Geldkoffern in die Geschäftsstelle gekommen. "Ich erinnere mich an einen Mann, der mit 100 000 Euro in bar hereinspazierte", so Stieger.

Die vom Mittelstand gefürchtete Kreditklemme sieht der Vorsitzende bei der Volksbank nicht: "Bei uns hat sich an den Vergabekriterien nichts geändert. Das liegt daran, dass wir schon immer genauestens geprüft haben." Einige Geschäftsbanken hielten sich mit der Kreditvergabe zurück. "Unsere Bereitschaft, vernünftige Investitionen zu finanzieren, ist auf unverändert hohem Niveau." Den Rückgang der bilanzwirksamen Forderungen an Kunden im Kreditgeschäft um zwei Prozent auf 174 Millionen Euro begründet Sieger so: "Viele Unternehmer waren vorsichtig. Sie haben 2008 eher Sondertilgungen gemacht als neu zu investieren."

"Das nächste Jahr wird schwerer als 2008."

Für Schlagzeilen sorgte die gescheiterte Fusion mit der Krefelder Volksbank. Nach positiven Sondierungsgesprächen im November waren die Mitglieder beider Häuser vier Wochen später gegen die Fusion. "Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass beide Häuser für sich gut aufgestellt sind. Das soll auch auf lange Sicht so bleiben", sagt Stieger.

Der Vorsitzende sieht die Volksbank für 2009 gerüstet. "Das nächste Jahr wird schwerer als 2008. Trotzdem sind wir als Nischen-Bank für den Mittelstand - beispielsweise Einzelhändler - gut aufgestellt."

Die Wirtschaftskrise werde vor allem das produzierende Gewerbe noch härter treffen. Dazu reiche ein Blick nach Grefrath, wo allein durch die drohende Insolvenz bei Henniges mehr als 800 Jobs auf dem Spiel stehen.

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