Der Artistenfamilie Köllner fehlt es jetzt an allem. Zu allem Elend ist jetzt auch das Heizöl zur Neige gegangen.

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Der Schnee ist weg, die Sorgen bleiben: Die Zirkusfamilie Köllner (von links: Joachim, Ladiana, Armando, Sascha und Ramona) überwintert am Sporthotel. Lama „Hansi möchte vor Kälte schier in die Luft gehen.

Der Schnee ist weg, die Sorgen bleiben: Die Zirkusfamilie Köllner (von links: Joachim, Ladiana, Armando, Sascha und Ramona) überwintert am Sporthotel. Lama „Hansi möchte vor Kälte schier in die Luft gehen.

Kurt Lübke

Der Schnee ist weg, die Sorgen bleiben: Die Zirkusfamilie Köllner (von links: Joachim, Ladiana, Armando, Sascha und Ramona) überwintert am Sporthotel. Lama „Hansi möchte vor Kälte schier in die Luft gehen.

Kempen. Die bunten Wohnwagen hinter der Köhlerhalle sind schon vielen Kempenern aufgefallen. Dort überwintert die Zirkusfamilie Köllner. Da sie in der kalten Jahreszeit keine Vorstellungen geben kann, überbrückt sie die Wintermonate stets mit den Rücklagen aus dem Sommer. Doch eine Pechsträhne veranlasst die Familie nun zu einem Hilferuf.

Vor anderthalb Jahren hatte Mutter Ramona einen schweren Unfall in der Manege. Außen- und Innenmeniskus waren gerissen. "Dadurch bin ich lange ausgefallen, und wir sind nur ein ganz kleiner Betrieb, das konnten wir nicht auffangen im Programm."

Durch den Unfall konnte die Familie nur vier Monate lang Aufführungen geben. "Wir haben einige Tiere verkaufen müssen, um uns zu retten", berichtet Joachim Köllner. Kamele, Pferde und Lamas musste der Zirkus abgeben.

Als es gerade wieder bergauf ging, kam der nächste Rückschlag. Ramona Köllner musste sich wieder in ärztliche Behandlung begeben. "Deswegen sind wir auch schon so lange in Kempen, ich kann ja nicht alle zwei Wochen den Arzt wechseln."

"Die Stadt ist uns schon sehr entgegengekommen."

Ramona Köllner, Zirkus-Sprecherin

Bisher kam die Familie mit dem Kindergeld für Ladiana, Armando und Sascha und dem Arbeitsunfähigkeitsgeld für Ramona über die Runden. Doch seit Ende Dezember gibt es keine Zahlung mehr für die Verletzung. Durch die Minusgrade können die Köllners auch nicht in die Stadt, um Futter für ihre Tiere zu sammeln. Vier Ponys, ein Lama, sechs Ziegen, vier Hunde, Enten und Gänse wollen versorgt sein.

"Die Stadt ist uns schon sehr entgegengekommen", betont Ramona Köllner. So muss der Zirkus keine Platzmiete bezahlen. Auch die Nachbarn helfen häufig aus. Trotzdem reicht es im Moment hinten und vorne nicht. Jetzt sind auch noch die Batterien der Lkw kaputt gegangen, und es fehlen sechs Laster-Reifen. Auch das Heizöl geht zu Neige, aber es fehlt das Geld für neuen Brennstoff.

"Wir sind wirklich für jede Hilfe dankbar, auch Futter für die Tiere oder Lebensmittel", wendet sich die Familie an die Kempener. Ein Ballen Heu kostet 45, Stroh 25 Euro und reicht für drei bis vier Tage. "Aber woher soll ich das Geld nehmen bei 450 Euro Kindergeld im Monat?", fragt sich Ramona Köllner. "Wir müssen ja auch noch irgendwie Strom und Wasser bezahlen."

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