Grüne und SPD luden zum Thema „Schule mit Zukunft“. Im Vortrag wurde gemeinsamer Unterricht bis zur 10 empfohlen.

Kempen. "Schule mit Zukunft", wie diese aussehen könnte, darüber diskutierten Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Sören Link, für die SPD im Schulausschuss des Landtags sowie Landesschülersprecher René Heesen auf Einladung von Kempener Grünen und SPD im Haus Wiesengrund.

Dr. Ernst Rösner vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung verdeutlichte mit seinem Vortrag, dass das Schulwesen auf demographischen Wandel reagieren muss. Weniger Kinder bedeute auch: "Jedes Kind kann nur eine Schule besuchen." Der Elternwunsch bestimme über den Bestand von Schulen - Hauptschule sowie Realschule seien dabei langfristig die Verlierer, so der Erziehungswissenschaftler.

Das läge allerdings nicht daran, dass dort kein guter Unterricht gemacht werde. Er lobte das Engagement der Lehrer dort. Eltern wünschten jedoch, dass ihre Kinder einen besseren Abschluss machten als sie selbst. Das sei oft ausschlaggebend für die Schulwahl.

"Nicht das Kind muss zur Schulform passen, sondern umgekehrt."

Sigrid Beer, Grüne

Sein Vorschlag ist eine Schule für alle bis Ende der Sekundarstufe eins, dem zehnten Schuljahr. Wichtig dabei ist, dass Kinder gemeinsam zunächst eine Grundqualifikation erhalten, die sie zum Abitur bringen könnte oder zu anderen Abschlüssen. Die Erfahrung habe gezeigt, so der Erziehungswissenschaftler, dass viele Kinder oft erst in späteren Jahren den Weg zur richtigen Schulform fänden.

René Heesen, Landesschülersprecher, wünschte sich Chancengleichheit in der Schule. Berufe, die man früher mit mittleren Abschlüssen erlernen konnte, würden heute nur noch für Abiturienten angeboten. Dazu sagte Sören Link: "Qualität in der Schule muss in die Breite gehen, das ist auch ein Stück Wohlstandsbewahrung." Und Sigrid Beer ergänzte: "Nicht das Kind muss zur Schulform passen, sondern umgekehrt."

Eltern sollten umfassend über Schulformen informiert werden

Wichtig war Heesen zudem, dass Schule soziale Kompetenz mit integrativen Konzepten fördern müsse. Dem stimmte auch Beer zu. Rösner wusste aus Erfahrung, dass "Kinder untereinander profitieren können".

Alle Teilnehmer des Podiums lehnten die Schulempfehlungen für Viert-Klässler ab. "Das ist unheimlicher Druck für die Lehrer", sagte Beer. Udo Kadagies (Freie Wähler Kempen) schloss sich für seine Partei der von SPD und Grünen gewünschte Elternbefragung zum Thema an.

Wie passt Elternbefragung zu den kommunalen Schulentwicklungsplänen wollte die Landtagsabgeordnete Monika Ruff-Händelkes (SPD) wissen. Rösner erklärte, dass dies durchaus passe. Allerdings setze das voraus, dass Eltern der dritten und vierten Schuljahre vorher umfassend über alternative Schulformen informiert würden.

Bis auf die CDU waren alle Parteien bei der Diskussion im Publikum zu finden. Gefehlt haben auch die Schulleiter. Alle erhielten eine Einladung, die Georg Kaiser, Leiter der Johannes-Hubertus-Schule in St.Hubert, im Namen all seiner Kollegen ablehnte. Gäste im Publikum waren Jugendamtsleiter Klaus Balsam und seine Stellvertreterin Heike Badberg sowie Schulverwaltungsamtsleiterin Elfi Böhm.

Im Schulausschuss am Montag haben SPD und Grüne eine Elternbefragung zu alternativen Schulformen angeregt.

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