Nach der Graffiti-Attacke verlief der erste Schultag nach den Ferien ohne Zwischenfälle.

Kempen. Friedlich verlief gestern der erste Schultag nach den Weihnachtsferien am Thomaeum. Nach den Schmierereien in der Nacht zu Heiligabend (die WZ berichtete) hatten Schulleitung und Polizei zunächst das Schlimmste befürchtet.

Die Graffiti gingen weit über das Maß der üblichen Kritzeleien hinaus: Zwei Jugendliche hatten mit ihren Spraydosen namentlich einigen Lehrern- darunter Schulleiter Edmund Kaum(58)- den Tod gewünscht und den gestrigen 7.Januar als "Tag der Abrechnung" angekündigt.

"Es besteht keine akute Gefahr."

Edmund Kaum, Schulleiter

Nach umfangreichen Ermittlungen konnte die Kripo das Duo vor einigen Tagen stellen. Es handelt sich um einen 16-Jährigen, der am Thomaeum die 10.Klasse besucht, sowie einen 17-Jährigen, der das Gymnasium vor anderthalb Jahren verlassen hat.

"Es besteht keine akute Gefahr", versicherte Mittwochmittag Thomaeum-Schulleiter Kaum auf WZ-Nachfrage. Weil es seit Anfang der Woche Anfragen von besorgten Eltern gegeben habe, hat Kaum auf der Homepage der Schule ausführlich Stellung bezogen zu dem Fall.

Der Direktor zitiert auch die Polizei: "Die Ermittlungen haben keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, dass an der Schule eine Gewalttat oder ein Amoklauf stattfinden sollte." Dennoch hatten einige Eltern ihre Kinder gestern sicherheitshalber zu Hause gelassen.

Tradition Das Thomaeum ist das älteste Gymnasium Kempens und wurde 1659 gegründet.

Thomas Die Schule ist benannt nach Thomas a Kempis (1380-1471), dem Kempener Kirchenlehrer und Verfasser der "Nachfolge Christi".

Größe Momentan besuchen 935Schüler das Thomaeum. Sie werden von rund 60Lehrern unterrichtet. Direktor ist seit achteinhalb Jahren Edmund Kaum (Foto).

Sitz Vor seinem heutigen Standort "Am Gymnasium 4" befand sich das Thomaeum in Burse, Franziskanerkloster und Burg. Seit 1925 ist es am heutigen Standort, wo zuvor das Königliche Lehrerseminar war.

Absolventen Thomaeer sind Persönlichkeiten wie der Augenarzt Albert Mooren, der Sprachforscher Werner Jaeger, der Schriftsteller Herbert Sleegers, der Weihbischof Karl Borsch oder der Pianist Tobias Koch.

Auch die Polizei zeigte am Thomaeum Präsenz. Der Bezirksbeamte Norbert Wans führte viele Gespräche mit Schülern, Lehrern und Eltern.

Mittags bat Kaum die Thomaeum-Pädagogen zu einer Dienstbesprechung ins Lehrerzimmer und berichtete über den Vorfall. Zuvor hatte ein Gespräch mit dem Schülersprecher Dominik Holzaht-Grimme stattgefunden.

Bei den beiden Jugendlichen gilt der 17-Jährige- er soll der Anstifter gewesen sein- als polizeibekannt. Der 16-Jährige hat zwar keine Polizeiakte, ist aber am Thomaeum seit Jahren auffällig. Die Schulkonferenz entscheidet jetzt, ob der Zehntklässler von der Schule verwiesen wird. Es wäre der erste Schulverweis in der Ära Kaum, der seit Sommer 2001 das Thomaeum leitet. Gegen beide Jugendlichen wird ein polizeiliches Strafverfahren eingeleitet.

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