Die Sequoiafarm wird zur Freiluft-Galerie: Elf Nettetaler Künstler zeigen mitten im Wald moderne Objekte zum Thema „im Wind“.

wza_1043x1500_511686.jpeg
Christine Wingels und ihre „Himmelsleiter“ in der Sequoifarm in Kaldenkirchen.

Christine Wingels und ihre „Himmelsleiter“ in der Sequoifarm in Kaldenkirchen.

Christine Wingels und ihre „Himmelsleiter“ in der Sequoifarm in Kaldenkirchen.

Kaldenkirchen. Die Dämonen kommen gleich am Anfang. Links hinterm Eingang schweben sie, Köpfe ohne Leib, blau, einäugig, grinsende Schlünde. Abbilder der Wesen des Waldes: Hier wackeln Gesichter überm Wasser, hier verweht der Wind den Vogel im Käfig zur Illusion. „Im Wind“ heißt die Ausstellung von elf Nettetaler Künstlern. Sie ist seit Fronleichnam in der Sequoiafarm im Grenzwald zu sehen.

Es ist die Würde des Waldes, die ehrfürchtig staunen lässt, da Mammutbäume scheinbar sich in der Höhe auflösen, die Stille selbst das Kichern des Grünspechts erstickt. Dazwischen Segeltücher, Plastikscheiben, Spiegel, Drähte – moderne Kunst in uralter Natur: Passt das?

„Wir haben in zwei Monaten versucht, unser Thema umzusetzen, im Wind eben.“

„Dieser Wald lebt, wie er lebt, was hier lebt, das habe ich dargestellt“, meint Salvatore Minten. So gab er Dämonen blaue Gestalt, schuf unsichtbare Geschöpfe sichtbar neu. Hier, wo das Dach des Waldes an den Himmel stößt, hat die unendliche Höhe tief unten ihren endlichen Ursprung: „Himmel auf Erden“ nennt Barbara Schmitz-Becker ihr Spiegelobjekt auf der Hecke. Wer sich drüber beugt, versperrt die Sicht nach oben – der Mensch stört, sieht er nur sich selbst, nur sein Spiegelbild.

Der nüchterne Boden der Tatsachen hat sein mystisches Gegenstück – die Himmelsleiter „Stairway zu heaven“: Bunte Stoffstufen führen ins Reich der Wolken. Leichtigkeit des Höhenflugs, schier unmöglich der Abstieg: Von hinten droht die Himmelsleiter dunkelblau wie die Tiefe des Meeres. Zwischen den Bäumen die Kunstwerke, sie fliegen, schweben, drehen sich, flattern, wackeln, biegen sich – im Wind.

„Wir haben in zwei Monaten versucht, unser Thema umzusetzen, im Wind eben“, sagt Christine Wingels. Sie und ihre Künstlerkollegen wollen so ausbrechen aus der starren begrenzten Welt der Galeriewände des traditionellen Nettetaler Ausstellungszyklus „Kunstszene“.

Die Ausstellung „Im Wind“ ist bis zum 28. Juni samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr zu besichtigen in der Sequoiafarm (Buschstraße 98 in Kaldenkirchen), einem alten Baumforschungspark im Grenzwald am Galgenvenn (Ausflugslokal, Spielplatz, Parkplatz). Führungen durch beteiligte Künstler, Eintritt frei.

Elf Nettetaler zeigen in der Ausstellung „Im Wind“ rund 40 neue Werke: Mariele Heinen, Marianna Kalkhof, Manfred Mangold, Brigitte Minten-Rathner, Salvatore Minten, Barbara Schmitz-Becker, Klaus Schmitz-Becker, Ursula Streich, Christine Wingels, Erhard Wingels, Christa Wolff.

Wirkt der Wald bei Wolken bedrohlich und bei Sonne erhaben, so spiegelt auch die Kunst scheinbare Widersprüche. Hintergründig-spaßig das Thema Vogelschuss – ernst das Objekt zum Holocaust. Die Mystik des Waldes nimmt Gestalt an in Installationen aus Schafswolle und Federn, in Ölgemälden, Skulpturen, Tüchern, Drähten... Kunst im Wald, das passt. Und am Ende, rechts vorm Ausgang, grinsen die Dämonen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer