Im Lobbericher Amtsgericht erhält Manfred Schmacks aus Kaldenkirchen den Zuschlag für das historische Gebäude.

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Was Manfred Schmacks mit der 1883 errichteten Backesmühle und dem erst wenige Jahre alten Anbau macht, ist noch unklar.

Was Manfred Schmacks mit der 1883 errichteten Backesmühle und dem erst wenige Jahre alten Anbau macht, ist noch unklar.

Kurt Lübke

Was Manfred Schmacks mit der 1883 errichteten Backesmühle und dem erst wenige Jahre alten Anbau macht, ist noch unklar.

Kaldenkirchen/Lobberich. Es war exakt fünf vor zwölf, als Rechtspfleger Günther Hainke dem hartnäckigsten Bieter den Zuschlag erteilt. Nach weiteren 15 Minuten waren im Lobbericher Amtsgericht alle Formalitäten geklärt, so dass Hainke feststellte: "Herr Manfred Schmacks, Sie sind der neue Eigentümer des Objekts." Damit übergab der Rechtspfleger dem Kaldenkirchener die Schlüssel für die historische Backesmühle direkt neben dem Lokal "Zur Mühle", unweit der Kölner Straße. Eines der prägnantesten Bauwerke Kaldenkirchens hatte damit am Ende der gestrigen Zwangsversteigerung einen neuen Besitzer.

"Okay, du hast gewonnen, ich gebe auf."

Helmut Stroemer, Bauunternehmer, am Ende der Versteigerung

Zwei Dutzend Männer hatten sich am Vormittag im großen Saal des Amtsgerichts an der Steegerstraße in Lobberich versammelt. Darunter waren Bauunternehmer, Makler und Immobilienkaufleute aus der Region. "Schnäppchenjäger sind auch dabei", flüsterte ein Zuschauer.

Punkt 11 Uhr eröffnete der Rechtspfleger das Verfahren. Zunächst erläuterte er Details zum Versteigerungsobjekt. Eingetragene Grundschuld 230 000 Euro, plus die Kosten des Verfahrens und Grunderwerbsteuer. Gläubiger: Versicherung Deutscher Herold und Deutsche Bank. Ein Gutachten hatte das Objekt auf 168 000 Euro geschätzt, somit betrug das Mindestgebot 117 000 Euro.

Um 11.12 Uhr begann die auf 30 Minuten festgesetzte Gebotszeit. Bis 11.30 Uhr blieb es still. Dann bot Helmut Stroemer (Bauunternehmer aus Hinsbeck/Schaag) 150 000 Euro. Die Versteigerung kam in Gang, zwei Wettbewerber boten mit. In kleinen Schritten ging es weiter: 152 500 Euro, 153 000 Euro, 155 000 Euro und 28 weitere Gebote. Als Schmacks schließlich 187 500 Euro geboten hatte, meinte Strömer: "Okay, du hast gewonnen. Ich gebe auf."

Und was wird nun aus der Backesmühle? Manfred Schmacks antwortet zurückhaltend: "Darüber werde ich noch nachdenken. Alle Optionen sind offen, auch die Nutzung als Wohnhaus."

Ursprünglich war es eine Wind-, später eine Dampfmühle. 1838 wurde sie von Gottfried Gisbert Backes gebaut. 1887 gab es zwei Tote, als ein Dampfkessel explodierte. 1903 brannte das komplette Holzwerk der mittlerweile von Wilhelm Bartholomei betriebenen Mühle ab. Seitdem ist sie ohne Flügel.

Zuletzt gehörte die Backesmühle Sascha Lappen "DJ Sash" aus Lobberich, der vor zehn Jahren kurz in Kaldenkirchen-Bruch wohnte. Er betrieb das Abschreibungsobjekt zuletzt mit Thomas Lüdtke aus Wassenberg.

Nachdem 1999 das Wohnhaus abgerissen wurde, gab es einen modernen Anbau. Zudem wurde die Mühle renoviert und über eine Nutzung als Hotel nachgedacht, bevor Sascha Lappen verkündete, im März 2007 in der Backesmühle ein Restaurant mit Cocktail-Bar und Kochschule eröffnen zu wollen.

Planungsrecht und Anlieger-Beschwerden schreckten Pächter ab. Die Nachbarschaft befürchtete Belästigungen durch zu viel Betrieb. Zudem gab es Probleme mit Parkplätzen. Alle Versuche das Objekt zu verkaufen oder zu vermieten, scheiterten. Es kam zu Differenzen zwischen den Eigentümern und schließlich zur Zwangsversteigerung.

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