Anny Hartmann serviert ein politisches Programm im St. Huberter Forum.

Kabarett
Anny Hartmann spricht über Geheimdienste und die Energiewende bei der Bahn.

Anny Hartmann spricht über Geheimdienste und die Energiewende bei der Bahn.

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Anny Hartmann spricht über Geheimdienste und die Energiewende bei der Bahn.

St. Hubert. Das bunte Kleid und der kokette Knicks sind nur Fassade. In Anny Hartmanns Bauch hat sich Wut angestaut, und die muss raus. Die Kölner Kabarettistin eröffnete die neue Saison im zur Kleinkunstkneipe umgestalteten Forum St. Hubert.

Vor ausverkauftem Haus gab sie ihr Programm „Ist das Politik, oder kann das weg?“. Ob es einen Tag nach der Wahl nicht zu spät für politisches Kabarett sei, will sie wissen. Wer ihr antwortet, bekommt Schokolade zugeworfen. Der süße Schmelz lenkt ab von der „Welt, in der Emotionslosigkeit als Qualität angesehen ist“, wie Hartmann „Mutti Merkel“ beschreibt.

Die Kabarettistin muss Vergleich mit Mentor Pispers nicht scheuen

Die Kölnerin lehrt uns, worüber es sich aufzuregen lohnt – und worüber nicht: „80 Prozent der Telefonate, die ein Geheimdienst abhört, taugen doch eh nur als Dialogbuch für Daniela Katzenberger.“ Hartmann serviert uns Aufreger und unfassbare Fakten, die wir bislang übersahen: „Dafür bin ich ja da“, sagt sie und lächelt.

So spricht nur ein scharfzüngiges Teufelchen, das „im Körper einer untersetzten Kabarettistin gefangen“ ist. Sie tritt für die Homo-Ehe ein („Wo ist denn das Problem?“), vergleicht die Energiewende mit der Bahn („Beide sind schlechter als ihr Ruf“) und witzelt über die Baustelle Berliner Flughafen: „Der soll jetzt abschnittsweise eröffnet werden. Tolle Idee – fangen wir mit dem Gepäckband an. Der Flug geht dann, wenn die Klamotten wieder in Mode sind.“ Ein Land, dessen Vermögenssteuer aktuell ein Volumen von 11,5 Milliarden Euro hätte, verarmt dank gut getarnter Lügen, so Hartmann, weiter. Den Vergleich mit ihrem Mentor und Förderer Volker Pispers muss Anny Hartmann nicht scheuen. kr

Anny Hartmann studierte Volkswirtschaftslehre und arbeitete in der Finanzwirtschaft, bevor es sie auf die Bühne zog – zuerst komisch, dann politisch.

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