Der erfolgreiche Illustrator aus St. Hubert, vielen Menschen als „Moses“ bekannt, musste mit 15 Jahren die Schule verlassen. 55 Jahre später blickt er zurück.

erinnerungen
Jürgen Pankarz heute – vor dem von ihm geschaffenen Plakat für den Kreis Viersen. Seit 1969 ist er freiberuflicher Grafiker und Illustrator.

Jürgen Pankarz heute – vor dem von ihm geschaffenen Plakat für den Kreis Viersen. Seit 1969 ist er freiberuflicher Grafiker und Illustrator.

Jürgen Pankarz früher – als Schüler.

Manfred Baum, Bild 1 von 2

Jürgen Pankarz heute – vor dem von ihm geschaffenen Plakat für den Kreis Viersen. Seit 1969 ist er freiberuflicher Grafiker und Illustrator.

St. Hubert. „Der Träumer am Tisch“. So hieße des Männeken, das Jürgen „Moses“ Pankarz zeichnen würde, wenn man ihn aufforderte, seine Duisburger Schulzeit zu skizzieren. Der Träumer Pankarz hatte da seine glücklichen, „wunderbaren“ Volksschuljahre Anfang der 50er Jahre in Lübeck bereits hinter sich.

Damals, sagt der St. Huberter, sei er ein guter Schüler gewesen, einer mit dem Blick für die hübsche, schicke Lehrerin mit dem 50er-Jahre-Styling und dem Blick auf die Zonengrenze, das Niemandsland, das gleich hinter seinem Schulhof am Schlagbaum begann. „Mein Betragen war sehr gut. Ich hatte prima Kopfnoten“, erinnert sich Pankarz.

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Jürgen Pankarz heute – vor dem von ihm geschaffenen Plakat für den Kreis Viersen. Seit 1969 ist er freiberuflicher Grafiker und Illustrator.

Jürgen Pankarz heute – vor dem von ihm geschaffenen Plakat für den Kreis Viersen. Seit 1969 ist er freiberuflicher Grafiker und Illustrator.

Jürgen Pankarz früher – als Schüler.

Archiv/privat, Bild 1 von 2

Jürgen Pankarz früher – als Schüler.

Im Jahr 1953 zog die Familie nach Duisburg um. Der Vater, ein Beamter, hatte sich bei der Verwaltung in der Stadt beworben, in der immer noch nur jedes dritte Haus stand. „Für mich war das ein Kulturschock“, sagt der heute 71-Jährige.  „In Duisburg bekam ich die Gegnerschaft der Katholiken zu spüren.“ In dieser Zeit wurde der erste Tadel ins Klassenbuch geschrieben: „Jürgen träumt.“

„Mein Vater war sehr ehrgeizig. Ich war der Jüngste, sollte die akademische Laufbahn einschlagen. Er wollte, dass ich aufs Gymnasium gehe.“ Durch die erste Aufnahmeprüfung war „Moses“ Pankarz noch durchgefallen. Dann wurde er doch noch Schüler des Steinbad-Gymnasiums. „In Kunst hatte ich eine Eins. Und überall dort gute Noten, wo ich etwas zeichnerisch darstellen konnte. Erdkunde, Religion. Biologie.“

Zwei Fächer aber „gingen gar nicht: Latein und Mathematik“. Pankarz blieb zweimal sitzen, musste mit 15 Jahren die Schule verlassen. „Ich habe mich wirklich verweigert“, sagt er – der Schule, Lehrern ohne pädagogische Qualifikation und dem Ehrgeiz des Vaters.

Es gibt Menschen, die sagen: „Ich bin gerne zur Schule gegangen.“ Andere erinnern sich ganz und gar nicht wehmütig an diese Jahre. Wir haben Menschen, bekannte Gesichter ihrer Stadt, nach ihrer Schulzeit befragt. Es sind Menschen, die mit ihren Aufgaben und Berufen hohe Aufmerksamkeit erzielen. Jürgen „Moses“ Pankarz aus St. Hubert, der Zeichner der Männekes und weit über Kempens Grenzen hinaus bekannte Illustrator, macht heute den Anfang.

Jürgen Moses Pankarz wurde 1943 in der Nähe von Posen geboren. Er wuchs in Schweden, Lübeck und Duisburg auf. Nach einer Ausbildung als Trickfilmzeichner arbeitete er sieben Jahre in einer Essener Werbeagentur. Seit 1969 ist er freiberuflicher Grafiker und Illustrator.

1989 gründete er den Verlag „Edition moses“ – heute „moses-Verlag“ in Kempen. „Männekes malen“ nennt er seine Tätigkeit. Seine unverwechselbaren Gestalten finden sich auf zahlreichen Platten- und CD-Covern, Plakaten, Kinderspielen, Puzzles und natürlich in Büchern für Kinder und Erwachsene.

„Mein Kunstlehrer war traurig. Er sagte: ,Immer müssen meine besten Schüler gehen.’“ Schon damals habe er Männekes gemalt, erinnert sich der Illustrator, der heute auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken kann.

Einmal aus der Schule, sei er, sagt Pankarz, „erleichtert, ja erlöst“ gewesen. Er machte ein Volontariat bei den Fotowerkstätten in Duisburg, eine Lehre als Grafik- beziehungsweise Trickfilmzeichner.

„Von da an ging es mir richtig gut. Mein Talent war mein Rettungsanker.“ Ein guter Lehrer zeichne sich durch Einfühlungsvermögen, Fantasie und Begeisterungsfähigkeit aus. Das Gymnasium, das er erlebt habe, sei „eine Schule für kleine Erwachsene gewesen“.

Heute, mit sieben Jahrzehnten Lebensweisheit, sagt Jürgen „Moses“ Pankarz voller Überzeugung: „Schule hat kein Monopol auf Bildung.“ Und während der St. Huberter das ruhig, fast melancholisch sagt, sitzt er da, den Kopf auf einen Ellbogen gestützt und schaut zum Fenster raus. Der Träumer am Tisch.

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