Der Kempener Rüdiger Ziesemann baut seit 25 Jahren in seinem eigenen Unternehmen Bässe und Gitarren. In der Nische ist er zufrieden.

Der Kempener Rüdiger Ziesemann baut seit 25 Jahren in seinem eigenen Unternehmen Bässe und Gitarren. In der Nische ist er zufrieden.
Bassbauer Rüdiger Ziesemann (2.v.l.) probt mit seinen Bandkollegen Hans-Willy Mühlenhaus (l.), Thorsten Thulke und Markus Kosche (r.) in St. Hubert.

Bassbauer Rüdiger Ziesemann (2.v.l.) probt mit seinen Bandkollegen Hans-Willy Mühlenhaus (l.), Thorsten Thulke und Markus Kosche (r.) in St. Hubert.

Kurt Lübke

Bassbauer Rüdiger Ziesemann (2.v.l.) probt mit seinen Bandkollegen Hans-Willy Mühlenhaus (l.), Thorsten Thulke und Markus Kosche (r.) in St. Hubert.

Kempen/Hüls. Jeden Mittwoch probt die niederrheinische Bluesband „Cakes“ in einem alten Bauernhof in St. Hubert. Mit dabei ist auch Rüdiger Ziesemann. Der Bassist hat seine Leidenschaft vor vielen Jahren zum Beruf gemacht. Seine kleine Firma Bass-Line in Hüls fertigt handgemachte Instrumente auf Kundenwunsch. „Wir bieten ausschließlich Gitarren auf Massivholzbasis, die elektrisch verstärkt werden“, erklärt der 60-Jährige. Den Großteil der Aufträge – der Firmenname verrät es – machen die Bässe aus. Die Modelle heißen „Buster“, „Athlet“, „Worp“ oder „Viper“. Bestellt werden sie von Privatleuten und Profimusikern. „Pur“-Bassist Joe Crawford beispielsweise hat schon vier Bässe aus Hüls. Der Handwerker verspricht: „Jeder Bass-Line-Bass ist ein Unikat.“ Und in jedem Instrument stecken mindestens 20 Arbeitsstunden. Das hat seinen Preis: Los geht’s bei etwa 1800 Euro.

Schreiner-Ausbildung bei Angenheister in Kempen

Rüdiger Ziesemann ist Niederrheiner durch und durch. Er stammt aus Kempen, wuchs an der Hugo-Herfeldt-Straße auf. Nach dem Abitur am Gymnasium Thomaeum fing er ein Studium der Elektrotechnik an – und schmiss es bereits nach einem Jahr wieder. „Das war nicht das Richtige“, sagt er. Mit seiner zweiten Berufswahl traf er aber dann ins Schwarze. Er machte eine Lehre bei der Schreinerei Angenheister, die heute an der Verbindungsstraße sitzt. Und so begann seine ungewöhnliche Karriere. Denn der begeisterte Hobbymusiker fertigte nicht nur Tische und Stühle, sondern auch seinen allerersten Bass. Den besitzt er bis heute, auch wenn er ihn nicht mehr spielt.

Gründung von Bass-Line war eine Herzensentscheidung

Eigentlich hätte er gerne noch seinen Instrumentenbauer gemacht, scheute aber die zweite Ausbildung. Und er brauchte sie auch nicht: „Durch meinen Meistertitel hatte ich ja bereits den Fuß im Handwerk.“ Was er für das Bassbauen speziell an Know-how und Fertigkeiten benötigte, brachte er sich selbst bei. Eine Weile betrieb der Schreiner das Bass-Geschäft nebenbei, bis er vor 25 Jahren eine „Herzensentscheidung“ traf, wie er es nennt. Er gründete Bass-Line und fand damit eine Nische.

Bei Workshops kann man dem Meister über die Schulter schauen

Seine Werkstatt und der angeschlossene Laden liegen zwar ziemlich versteckt in Hüls, doch dank Mund-zu-Mund-Propaganda und nicht zuletzt mit Hilfe der Sozialen Medien erreicht er die Aufmerksamkeit, die er für sein Geschäft benötigt. In seinem Online-Shop finden Bassspieler Zubehör, außerdem bietet er Werkstatt-Workshops unter den Titeln „Pimp Your Bass“ und „Build Your Bass“ an. Laien können dann dem Meister über die Schulter gucken und auch selbst Hand anlegen.

Wer live erleben möchte, wie ein Bass vom Niederrhein klingt, kann am 9. Dezember in den Irish Pub „The Whistle“ an den Rand der Kempener Altstadt kommen: Rüdiger Ziesemann spielt dann ab 20 Uhr mit den „Cakes“ an der St. Huberter Straße 20.

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