Die vor einigen Jahrzehnten gestohlenen Figuren eines Altars sind zurück in Kempen.

Die vor einigen Jahrzehnten gestohlenen Figuren eines Altars sind zurück in Kempen.
Endlich wieder in Kempen: Dieses Motiv des Schnitzaltars in der Propsteikirche zeigt die sogenannte Beschneidung Christi.

Endlich wieder in Kempen: Dieses Motiv des Schnitzaltars in der Propsteikirche zeigt die sogenannte Beschneidung Christi.

Restauratorin Stefanie Korr, Kulturamtsleiterin Elisabeth Friese, Bistums-Experte Thomas Scholz und Propst Thomas Eicker (v.l.) präsentierten der Presse gestern den nun wieder vollständigen Altar.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Endlich wieder in Kempen: Dieses Motiv des Schnitzaltars in der Propsteikirche zeigt die sogenannte Beschneidung Christi.

Kempen. Eine schöne Bescherung – knapp drei Wochen vor dem Weihnachtsfest: Gestern kamen die gestohlenen Figuren aus dem Kreuzaltar der Propsteikirche rund 50 Jahre nach ihrem Verschwinden wieder an ihren angestammten Platz. Propst Thomas Eicker, Kulturamtsleiterin Elisabeth Friese, der Leiter der Kommission für kirchliche Kunst des Bistums Aachen, Michael Scholz, und die Restauratorin Stefanie Korr aus Aachen stellten den nun wieder vollständigen Antwerpener Schnitzaltar von 1510 vor. Am Sonntag wird er der Kirchengemeinde präsentiert.

Die Geschichte, die dahintersteckt, ist spannend. Anfang der 70er Jahre waren die Figuren aus der Propsteikirche gestohlen worden. Zusammen mit anderen gestohlenen Kunstwerken wurden sie dann im vergangenen Jahr in einer Reisetasche im Kloster Maria Laach von Mönchen gefunden. Diese verständigten die Polizei. Landes- und Bundeskriminalamt wurden ebenso eingeschaltet wie ein Kunstexperte des Bistums Münster, der herausfand: Fünf der Figuren stammen aus Kempen. Wo die Kunstwerke in den vergangenen 50 Jahren geblieben sind, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Restauratorin Stefanie Korr geht aber davon aus, dass sie keineswegs versteckt, sondern irgendwo aufgestellt waren. Eine charakteristische Staubschicht verrät dies. Dass die Figuren in der Tasche über die Mauer des Klosters geworfen wurden, wie zunächst angenommen, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Schäden, die darauf hinwiesen, gab es nicht. Die Figuren seien gut aufgehoben gewesen.

Korr musste dennoch an einigen Stellen ausbessern, kitten und retuschieren. Zudem mussten die Figuren gereinigt werden. Dafür fuhr sie mit den Stücken nach Kempen, um den direkten Vergleich zum restlichen Altar zu haben, der um einiges sauberer war.

„Restauratoren ergänzen nicht gern“, sagt die Expertin, weil Ergänzungen immer auch ein Stück Interpretation seien. Aber ein Element ist doch wieder hinzugekommen: ein kleiner Stecken, der das Steckenpferd in der Hand eines kleinen Jungen wieder erkennbar werden lässt. Der Junge gehört zur „heiligen Sippe“, also der großen Familie samt Großmutter Anna und Mutter Maria, Cousins, Cousinen und anderen Verwandten Jesu.

Aus den drei Bildern in der unteren Reihe des Kreuzaltares, die die Beschneidung Christi, die heilige Sippe und das Begräbnis Mariens zeigen, waren insgesamt fünf Figuren- bzw. Figurengruppen gestohlen worden. Nun wurden sie wieder in den großen Kreuzaltar eingefügt – diesmal allerdings eingeschraubt.

„Ein schöner Anblick, dass es sich so komplettiert“, freute sich Michael Scholz vom Bistum Aachen. Bisher waren die gestohlenen Figuren durch Repliken ersetzt worden, die der Bildhauer Wilhelm Hable aus Meerbusch angefertigt hatte. Diese seien – auch wenn sie sehr anspruchsvoll gearbeitet sind – doch plumper. „Die Originale sind deutlich graziler“, so Scholz.

Die Nachbildungen sollen nun bald in der stadthistorischen Abteilung des Kramer-Museums zu sehen sein. Mit ihnen soll die Geschichte rund um den Diebstahl dargestellt werden, so Kulturamtsleiterin Friese.

Spenden von drei Privatpersonen und des Kempener Geschichts- und Museumsvereins haben die Restaurierung, deren Kosten sich in einem „mittleren vierstelligen Bereich“ bewegen, möglich gemacht.

Propst Eicker freut sich, dass die Figuren wieder zurückgekehrt sind und am Sonntag der Gemeinde gezeigt werden können. Dann ist aber erst einmal wieder Verzicht angesagt. „Im Advent und in der Fastenzeit sind die Altäre geschlossen, sozusagen als ein Fasten für die Augen“, erklärt Eicker. Früher wurden die prächtigen Altäre nur zu Hochfesten geöffnet, so zum Beispiel heute zum Hochfest Maria Empfängnis oder zu Wallfahrten – als ein Fest für die Augen der Menschen.

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