Bei bestem Wetter war die Altstadt gestern und Samstag proppevoll. Überall roch es sehr verlockend.

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Gisela Schlösser aus St.Hubert zeigte ihre bunte Metallkunst.

Gisela Schlösser aus St.Hubert zeigte ihre bunte Metallkunst.

Tim Holzmann war mit seiner „Kunst aus Metall“ aus Unna zum Historischen Handwerkermarkt nach Kempen gekommen.

Gisela Schlösser aus St.Hubert zeigte ihre bunte Metallkunst.

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Gisela Schlösser aus St.Hubert zeigte ihre bunte Metallkunst.

Kempen. Wer hätte gedacht, dass das Mittelalter so gut duftet? Nicht nur, dass es auf dem Buttermarkt nahe der Räucherei und der Bäckerei verlockend roch. Immer der Nase nach ging es bis hinters Kuhtor stadtauswärts, wo der Parfumeur Matthias Ney seinen Stand aufgebaut hatte. Ganz schön sinnlich ging es an diesem Wochenende auf dem Historischen Handwerkermarkt in der Kempener Altstadt zu. Und das sonnige Herbstwetter lockte Samstag und Sonntag die Massen in die Innenstadt.

"Parfum ist französisch und heißt übersetzt soviel wie ,durch den Rauch’."

Matthias Ney, Duft-Experte

Bereits am spanischen Hofe kannte man den betörenden Duft des Hibiskus: "Das ist das älteste Parfum der Welt, die Spanier entdeckten es bei den Inka und Maja", weiß Matthias Ney. Er verkauft 14000 Duftrichtungen, darunter 300 Sorten Weihrauch.

"Parfum ist französisch und heißt übersetzt soviel wie ,durch den Rauch’", erzählt der Mann mit dem moosgrünen Filzhut. Folglich sei schon ein Lagerfeuer parfümiert: Hölzer, Harze und Pflanzen gehen auf in Rauch. Besonders stolz ist der Parfumeur und Biochemiker auf sein preisgekröntes Lindenblütenöl.

Eintauchen in die Welt von Klarinette und Co.

Dann erklärt er noch die vier Geruchsnoten eines jeden Duftes: "Zuerst verfliegt der erste Alkohol, das ist die Kopfnote. Nach zehn Minuten folgt die Herznote, nach 40 Minuten kommt die Basisnote heraus. Nach einer Stunde bleibt der Fond bis zur nächsten Wäsche auf der Haut."

In die Welt der Klarinettenklänge tauchte man gegenüber beim Flötenbauer Tupian. Nussbaum- und Birnenholz ist bei der Chalumeau, der Vorgängerin der heutigen Klarinette, gefragt. Auch in Hameln - beim bekannten Rattenfänger - wäre das Instrument gut angekommen, auf der Kempener Kuhstraße gab es lediglich ein "Mäuse-Roulette" eines Gauklers zu bestaunen. Der verteilte als Preis Edelsteine des ewigen Glücks und kannte tolle Zaubertricks.

"Der ist scharf wie die Hölle."

Markus Seitz, Obstler

"Ein Ansturm ohne Ende." So beschrieb Rolf Beckers, 2. Vorsitzender des Werberings, gestern die Situation. Schon mittags habe es keine Parkplätze mehr gegeben. "Auffällig war, dass sehr viele auswärtige Besucher hier waren", sagt Beckers. "Darunter auch viele Holländer."

"Auch Kleinigkeiten haben ihren Zinn" hieß es bei Zinngießer Michael List aus Köln. Er unterhielt ein kleines Holzkohlefeuer und wartete auf 230 Grad Celsius: Bei dieser Temperatur nämlich schmilzt Zinn. In Form gegossen, entstehen Fantasyfiguren, Reiter und Pferde, Hunde und Heilige. Nie aus der Mode kommen wohl Pilgerzeichen in Münzenform.

Für Vatertag und Co. hatte Stellmacher Erwin Neth das passende Accessoire in Form einer Bierkarre mit Platz für elf Bier- und acht Schnapsgläser plus Flaschen. Nebenan ging Besuchern von Laternenbauer Frank Thieme ein Licht auf, als er über die Geschichte der Laterne parlierte.

Für sein mittelalterliches Mundwerk ist Obstler Markus Seitz bekannt: Er machte "begehrliche Blicke" aus, umwarb 24 Sorten wie das Drachenglut oder den Höllenmet: "Der ist scharf wie die Hölle", sagte er und ließ probieren. Das passende Geschmeide fürs Fräulein hatte Christa Wawer parat: Die Essenerin fertigt Schmuck-Unikate aus altem Besteck. "Klasse" fand das Sabine Spires aus St. Hubert.

Und war der Schreibblock voll, half Buchbinderin Andrea Rahm aus Krefeld mit einer handgefertigten Kladde weiter. Und wieder zog der Räucherduft über den Buttermarkt - so gut duftet das Mittelalter.

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