Weder eine Auflösung noch die Fusion mit einem anderen Klub werden gewünscht.

Grefrath. Steht der vergreisende Heimatverein vor dem Aus oder werden binnen Jahresfrist Überlebensmöglichkeiten gefunden? Vorsitzender Herbert Küsters (72) wollte bei der Hauptversammlung im Lokal "Alt-Grefrath" am Freitagabend nach 16 Jahren seinen Abschied nehmen, doch er bleibt ein weiteres Jahr im Amt - ein Nachfolger fand sich nicht. Damit war die erste von drei Möglichkeiten, die Küsters sah, erstmal vom Tisch.

Möglichkeit zwei: Der Verein sucht "den Zusammenschluss mit Vereinen, die eine ähnlich gelagerte Zielsetzung haben", wie Küsters vorsichtig umschrieb.

Dass da vor "Älter werden in Grefrath" der prosperierende Oedter Heimatverein die erste Adresse ist, wurde in der Versammlung deutlich gesagt. Möglichkeit drei: Der Verein, der 2008 sein 75-jähriges Bestehen feierte, beendet seine Existenz - eine kulturtreibende Grefrather Institution wäre ausgelöscht.

Und schon dachte Küsters an ein Denkmal für die ehemalige Schule, das man als letzten Gruß des Vereins an der gleichnamigen Straße schaffen könne - dank "zufriedenstellender" Finanzlage, von der Harald Maiwald berichtete.

"Du kriegst einfach keine jungen Leute in den Heimatverein."

Helmut Lindackers

Der erstaunte Kurt Kleinbylen unter Beifall von einem Großteil der 44 von 248 Mitgliedern: "Ich halte die Anregung, den Heimatverein aufzulösen für vollkommen absurd." Kleinbylens Frage: "Liegt die Misere am Verein oder der Bevölkerung?"

Einen reichhaltigen Veranstaltungs-Kaldender legte der Vorstand für 2009/ 10 vor, mit Wanderungen, Fahrten und Besichtigungen.

Das Freilichtmuseum sei "ein Diamant für Grefrath", lobte Martin Rosenow. "Wir sollten uns als Heimatverein mehr einbringen." Entschieden wurde, dass dazu das Gespräch mit Dorenburg-Leiter Heinz-Peter Mielke gesucht werden soll.

Laut Küsters "macht es keinen Sinn mehr, junge Leute gewinnen zu wollen". Alle Versuche seien gescheitert. Helmut Lindackers bestätigte im WZ-Gespräch: "Du kriegst einfach keine jungen Leute in den Heimatverein".

Küsters attestierte seinen Vorgängern "gravierende Fehler, an denen wir heute noch leiden". Offenes Geheimnis ist, dass der Verein einst als elitär galt. "Frauen wollte man nicht", bestätigte Küsters, "bestimmte Personen(-Gruppen) auch nicht."

Dem setzte er sein Selbstverständis entgegen: "Der Verein ist nicht elitär, sondern für die ganze Gemeinde da." Er unterstrich, es habe noch keinerlei Gespräche in Sachen Zusammenschluss mit anderen Vereinen gegeben. "Wir müssen eine Lösung finden", forderte er. Ansonsten schiebe man das Problem nur vor sich her.

"Wir können nicht mehr - aus Altersgründen", sinnierte Bernd Wahl. Er forderte, Politik und Verwaltung müssten ihre "schützende Hand" aufhalten und Vorschläge machen, wie geholfen werden könne. Damit traf Wahl aber nicht nur auf Zustimmung.

Unter Beifall attestierte Schriftführer Martin Rosenow seinem Vorsitzenden, er habe "gute, beste Arbeit geleistet" und bat, Küsters möge seine Amtszeit erst nächstes Jahr beenden. In dieser Zeit sollen Lösungen gefunden werden. Küsters versicherte, dazu werde es "Gespräche in allen Richtungen geben."

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