Wendelin Haverkamp bereitet in der Grefrather Buchhandlung einen vergnüglichen Abend.

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Gut gelaunt an einem vergnüglichen Abend: Wendelin Haverkamp bei seinem Gastspiel in der Grefrather Buchhandlung.

Gut gelaunt an einem vergnüglichen Abend: Wendelin Haverkamp bei seinem Gastspiel in der Grefrather Buchhandlung.

Kurt Lübke

Gut gelaunt an einem vergnüglichen Abend: Wendelin Haverkamp bei seinem Gastspiel in der Grefrather Buchhandlung.

Grefrath. Den Kerl gibt es seit Jahrzehnten- und er ist einfach nicht totzukriegen. Ganz im Gegenteil. Er scheint im Laufe der Zeit immer besser zu werden. Und aktuell ist er wie eh und je. Die Rede ist von Anton Hinlegen. Und von Wendelin Haverkamp. Der eine ist Lehrkörper am Karl-Heinz-Plum-Guminasium, der andere sein "Erfinder", der Kabarettist, Autor und Musiker aus Aachen. Gemeinsam sorgten sie für einen wunderbaren Abend in der Grefrather Buchhandlung: Bei der jüngsten Ausgabe der "Kultur am Montag" stellten sie das neue Büchlein "Wenn der Edukator erzählt, Teil II" vor.

Durchdringend der Monsignore, glockenhell das Fräulein

Haverkamps Gastspiel bei den Buchhändlern Karl Gross und Regina Ringpfeil- bereits das fünfte in sechs Jahren- bescherte auch den beiden Veranstaltern neue Dimensionen. "Wir haben auf 95 Plätze hochgeschraubt", erklärte Gross die heimelige Enge. Und er hätte noch deutlich mehr Karten verkaufen können, so groß ist die Schar der treuen Hinlegen-Haverkamp-Fans.

Die hat den Kabarettisten auch dazu bewogen, weitere der insgesamt etwa 350 Geschichten aus dem Karl-Heinz-Plum-Guminasium, die ursprünglich fürs Radio geschaffen wurden, in gedruckter Form zu neuer Lebendigkeit zu verhelfen. Dabei ist es nur das halbe Vergnügen, die Texte selber zu lesen.

Wirklicher Genuss kommt erst auf, wenn Haverkamp sie liest. Da werden die Figuren prall und bunt, gewinnen auf wunderbare Weise an Dimensionalität, werden fast greifbar. So zum Beispiel, wenn das glockenhelle Stimmchen von Fräulein Müller-Siebenknick erklingt. Oder das durchdringende Organ von Monsignore Stramm ertönt. Oder all die anderen Charaktere mit ihren knarzenden, murmelnden oder näselnden Stimmen.

Bei all den Geschichten zwischen Lehrerzimmer und der Stammkneipe "Goldener Schlüssel", zwischen Lyrik-Workshops und mündlicher Prüfung, Elternsprech- und Wandertag hat das Publikum in der Grefrather Buchhandlung einen Heidenspaß. Immer wieder gibt es Szenenapplaus, nehmen textsichere Zeitgenossen den nächsten Gag flüsternd vorweg. Und auch Haverkamp scheint sich prächtig zu amüsieren. Immer wieder scheint der 61-Jährige sich nur mühsam beherrschen und ein prustendes Lachen zurückhalten zu können.

Wendelin Haverkamp "Wenn der Edukator erzählt, Band II - Geschichten von Anton Hinlegen", Einhard Verlag (Aachen), 8,95Euro.

Im Mittelpunkt steht- wie im ersten Band- der pädagogische Wahnsinn am Karl-Heinz-Plum-Guminasium. Zu den Klassikern gehören Texte wie Prüfungskommission, Elternsprechtag und Bundesjugendspiele.

Der Lehrer Anton Hinlegen und seine Kollegen wie Monsignore Stramm, Fräulein Müller-Siebenknick, Kreuzbein, Bodenreck und andere entstanden seit Anfang der 1980er-Jahren. Sie laufen im Radio (WDR, Saaländischer Rundfunk) und sind fester Bestandteil von Haverkamps Bühnenprogramm.

Beim letzten Stück vor den beiden Zugaben, beweisen Hinlegen und Haverkamp, dass sie immer besser werden. Die "Bundesjugendspiele", einer der Klassiker im Repertoire, sorgen schon bei der bloßen Ankündigung für Applaus. Und der will natürlich auch nicht so schnell verebben, nachdem Anton seinem Nachnamen alle Ehre gemacht hat. So ist das eben, wenn der Edukator erzählt...

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