Ein Unternehmen aus Norddeutschland bildet nun auch in Kempen spezielle Assistenten für alte Menschen aus.

Ein Unternehmen aus Norddeutschland bildet nun auch in Kempen spezielle Assistenten für alte Menschen aus.
Beim Plöner Modell geht es um eine Begleitung von Senioren im Alltag.

Beim Plöner Modell geht es um eine Begleitung von Senioren im Alltag.

Martin Hänisch

Beim Plöner Modell geht es um eine Begleitung von Senioren im Alltag.

Kempen. Für die öffentliche Hand ist der demografische Wandel mit großen Herausforderungen und hohen Kosten verbunden. Für Unternehmer bietet die immer älter werdende Gesellschaft aber auch einen interessanten Markt, um Geld zu verdienen. 2006 hat sich Ute Büchmann mit der Idee einer Senioren-Assistenz in Norddeutschland selbstständig gemacht. Inzwischen hat sie ein bundesweites Ausbildungs-Netzwerk auf die Beine gestellt. Mit Standorten in Nürnberg, Hamburg, Berlin, Kiel – und Kempen.

Von der Thomasstadt aus hat das Unternehmen „Senioren-Assistenz/Plöner Modell“ den Markt in NRW im Blick. Beim Plöner Modell handelt es sich nach Angaben von Büchmann nicht um ein Pflegemodell. „Wir bilden Menschen aus, die Senioren in ihrem Alltag professionell begleiten wollen“, sagt die Unternehmerin. Dazu gehört das gemeinsame Einkaufen genauso wie ein Spielenachmittag oder die Unterstützung bei Arztbesuchen und Behördengängen.

„Es geht vor allem darum, dass Menschen nicht alleine sind.“
Ute Büchmann, Leiterin Senioren-Assistenz/Plöner Modell

Das Angebot eines Senioren-Assistenten sei nicht nur für pflegebedürftige Menschen interessant. „Es geht vor allem darum, dass Menschen nicht alleine sind. Dass sie zum Beispiel einen Gesprächspartner haben“, sagt Ute Büchmann. Sollte ein alter Mensch pflegebedürftig sein, sei das Plöner Modell eine ideale Ergänzung.

Seit 2006 hat Ute Büchmann nach eigenen Angaben rund 1000 Begleiter und Begleiterinnen ausgebildet, wobei der Frauenanteil hoch ist: „Neun von zehn Teilnehmern sind Frauen.“

Zum Kreis der Teilnehmer gehörten größtenteils Arbeitnehmer, die ihren bisherigen Beruf verlassen möchten. „Nach unseren Erhebungen verfügen rund 40 Prozent der ausgebildeten Senioren-Assistenten über eine Ausbildung als Büro-, Bank- oder Versicherungslaufleute“, berichtet Büchmann. Weitere 20 Prozent kämen aus den Bereichen Technik und Soziales sowie aus Lehr- und Verwaltungsberufen. Ein weiteres Drittel kommt laut Büchmann aus den „klassischen Gesundheitsberufen“. „Oft sind Kandidaten dabei, die mit ihrem Beruf nicht mehr zufrieden sind.“

Ehrenamt In Kempen gibt es das Netzwerk „So-Net“, das ebenfalls Seniorenbegleiter ausbildet – allerdings auf ehrenamtlicher Basis. Die evangelische Kirchengemeinde und die Stadt Kempen engagieren sich in der Ausbildung.

Ergänzung Nach Meinung von Ute Büchmann ergänzen sich kommerzielle und ehrenamtliche Anbieter. Es sei keine Konkurrenz. Der Markt für die Betreuung und Begleitung von älteren Menschen werde in den nächsten Jahren weiter wachsen.

Die Ausbildung und anschließende Selbstständigkeit als Senioren-Begleiter biete eine flexible Arbeitsmöglichkeit. „Zum Beispiel für Frauen, die nach der Kindererziehung wieder arbeiten wollen“, so Büchmann.

Das Seminar kostet rund 1800 Euro

Ein Seminar des bundesweit tätigen Unternehmens kosten nach Angaben der Inhaberin rund 1800 Euro. Dazu gehöre auch eine Betreuung nach dem Seminar – also während der Teilnehmer schon selbstständig seine Dienste anbietet oder als Angestellter tätig ist.

Nach Angaben von Ute Büchmann kosten die Dienste eines Senioren-Assistenten zwischen 25 und 30 Euro pro Stunde. Pflegeversicherung und Krankenkassen übernehmen die Kosten in NRW bislang nicht. Auf Landesebene liefen dazu Verhandlungen. Insofern müssten Senioren die Kosten selbst tragen.

Dies sei auch ein Punkt, der für den Standort Niederrhein – und damit Kempen – spricht. Die Bevölkerung in der Region verfüge über die entsprechenden Mittel. Dazu passt eine Statistik, die auch den Hospital-Betreiber Artemed aus Bayern in die Thomasstadt gelockt hat: 18 Prozent der Kempener seien privat krankenversichert. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liege bei neun Prozent.

Zu den Kunden von Senioren-Assistenten gehören vor allem Angehörige. So ist Ute Büchmann übrigens auf die Idee zum Plöner Modell gekommen: „Ich habe so ein Angebot für meinen Vater gesucht. Und dabei festgestellt, dass es so etwas noch nicht gibt.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer