Die Frau (63) hatte den 88-jährigen Tönisberger ein halbes Jahr vor dessen Tod geheiratet.

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Auf dem Friedhof in Tönisberg ist der Leichnam des 88-Jährigen exhumiert worden.

Auf dem Friedhof in Tönisberg ist der Leichnam des 88-Jährigen exhumiert worden.

Friedhelm Reimann

Auf dem Friedhof in Tönisberg ist der Leichnam des 88-Jährigen exhumiert worden.

Tönisberg/ Krefeld. Die Polizei ermittelt im Zusammenhang mit der Exhumierung eines vor zwei Jahren gestorbenen 88-jährigen Tönisbergers gegen eine Krefelderin (63), die den Mann in einem Seniorenheim betreute und wenige Monate vor dessen Tod geheiratet hat. Oberstaatsanwalt Hans Dieter Menden wollte sich zu den Ermittlungen auch am Dienstag nicht äußern, sagte aber, es habe bisher keine Festnahme gegeben.

Die WZ hatte exklusiv berichtet, dass der Leichnam des am 18. August 2008 gestorbenen Mannes vergangene Woche Dienstag auf dem Friedhof in Tönisberg exhumiert worden war. Da noch aufwändige feingewebliche Untersuchungen durchgeführt werden, lässt ein Ergebnis der Ermittlungen vorerst auf sich warten. Die Leiche ist inzwischen wieder auf dem Friedhof in Tönisberg beigesetzt worden.

"Schon einen Tag nach dem Tod hat die Frau Witwenrente beantragt."

Sohn des Verstorbenen

Sohn und Tochter des Seniors waren kurz vor der Exhumierung durch einen entsprechenden Gerichtsbeschluss darüber informiert worden, dass ihr Vater obduziert werden soll, da der Verdacht auf eine nicht-natürliche Todesursache besteht. Das weckte schlimme Erinnerungen an die letzten Lebensmonate des Mannes. Sechs Monate, bevor der 88-Jährigen starb, hatte er ohne Wissen der Familie eine Pflegehilfskraft aus seinem Seniorenheim geheiratet.

Der Sohn sagt, ihm sei von Anfang an klar gewesen, dass ausschließlich finanzielle Interessen eine Rolle spielten. Dies habe sich auch gleich nach dem Tod des Vaters gezeigt: "Schon einen Tag später hat die Frau Witwenrente beantragt. Fünf Tage danach haben wir Post von ihrem Anwalt bekommen, alles offenzulegen, damit ihr Erbteil bestimmt werden kann", so der Sohn im WZ-Gespräch. Sie erhält später immerhin ihren Pflichtteil - rund 17.000 Euro.

88-Jähriger soll einen Streit mit der Frau gehabt haben

Von jeher merkwürdig vorgekommen waren ihm die Umstände des Ablebens. Nachdem sein Vater und er sich aufgrund der Blitz-Hochzeit und der Einflussnahme der neuen Frau ein gutes halbes Jahr nicht gesehen hatten, war der Sohn drei Tage vor dem Tod des 88-Jährigen noch einmal im Heim.

Die jetzt verdächtigte Pflegerin und Ehefrau des gestorbenen 88-Jährigen hatte einen Tag nach dessen Tod eine Hinterbliebenenrente beantragt. Die Rentenversicherung lehnte dies ab, weil die Ehe unter einem Jahr Dauer bestand. Daraufhin klagte die Frau. Doch das Sozialgericht wies die Klage ab.

Die Richter meinten, der überwiegende, wenn nicht alleinige Zweck der Heirat sei es gewesen, finanzielle Ansprüche zu erwerben. Es wurden unlautere Motive gesehen.

Eine Mitarbeiterin hatte ihn angerufen und von einem Gesprächswunsch des Vaters berichtet. "Er erzählte mir von einem Streit mit seiner Frau. Daraufhin habe ich ihm geraten, sich zu trennen oder scheiden zu lassen."

Das war an einem Freitag. Was am darauffolgenden Montag geschah, habe die Pflegerin und Ehefrau später vor Zeugen - auch aus der Familie - erzählt: In einem Fahrzeug des Seniorenheims habe sich die 63-Jährige nachmittags mit dem im Rollstuhl sitzenden 88-Jährigen zum Friedhof nach Tönisberg fahren lassen, wo der Mann zum Grab seiner früheren Frau wollte. Dort sei er gestorben. Die Pflegerin habe ihn zurück in den Wagen gebracht. Der ahnungslose Fahrer soll sie zum Seniorenheim nach Krefeld gefahren haben, wo die Frau den toten Mann bis in sein Zimmer in der vierten Etage gebracht hätte.

Erst dann habe sie Kollegen informiert und einen Arzt angerufen. Der wiederum sei erst nach Praxisschluss gekommen und bescheinigte einen natürlichen Tod, wobei als Sterbeort das Heim angegeben worden ist.

Da die 63-Jährige mit Rentenansprüchen scheiterte und klagte (siehe Infokasten), befasste sich das Sozialgericht mit dem Fall. Die Richter äußerten sich sehr deutlich dazu, dass die Frau nur aufs Geld aus gewesen sei.

So habe sie schon zu Lebzeiten des Mannes gegen dessen Willen Gelder vom Konto abgehoben. Es habe auch den Versuch gegeben, bei einer Notarin das Testament zu ihren Gunsten ändern zu lassen. Dies sei aber am Widerstand der Notarin gescheitert.

Der Grund, warum der 88-Jährige sie geheiratet habe, sei ihre Zusage gewesen, ihn aus dem Heim zu sich nach Hause zu holen. Die Frau habe auch nicht darlegen können, warum sie nie mit ihrem Ehemann zusammengewohnt habe, obwohl dies sein eindeutiger Wunsch gewesen sei, so die Richter.

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