Die Viehmarkt-Baustelle sorgt für ein Rattenproblem in der Altstadt. Die meisten Bürger sehen dieses Problem bei einer WZ-Umfrage nicht so dramatisch.

Die Viehmarkt-Baustelle sorgt für ein Rattenproblem in der Altstadt. Die meisten Bürger sehen dieses Problem bei einer WZ-Umfrage nicht so dramatisch.
Die WZ-Mitarbeiter Daniel Boss (r.) und Tobias Klingen (2.v.r.) diskutierten gestern mit Passanten über das Rattenproblem in der Altstadt.

Die WZ-Mitarbeiter Daniel Boss (r.) und Tobias Klingen (2.v.r.) diskutierten gestern mit Passanten über das Rattenproblem in der Altstadt.

Kurt Lübke

Die WZ-Mitarbeiter Daniel Boss (r.) und Tobias Klingen (2.v.r.) diskutierten gestern mit Passanten über das Rattenproblem in der Altstadt.

Der Kempener Heinz-Peter Seidel muss bis in seine Kindheit zurückgehen, um von Begegnungen mit Ratten zu berichten. „Wir lebten damals auf einem kleinen Bauernhof und hatten Kaninchen“, erzählt er. Durch deren Futter wurden auch die ungeliebten Nagetiere angelockt. „Mein Vater hat dann Fallen aufgestellt“, erinnert sich Seidel. Aber Ratten mitten in Kempen? „Das ist heute das erste Mal, dass ich davon höre“, so der Marktbesucher.

Um die Belästigung durch Ratten in der Altstadt ging es am Freitag bei der „Redaktion vor Ort“ auf dem Buttermarkt. Wie zuvor von der WZ berichtet, haben Stadt und Schädlingsbekämpfer derzeit deutlich mehr mit Ratten zu tun als sonst üblich. Hauptgrund ist die Kanalbaustelle am Viehmarkt: Die kleinen Nager werden aufgescheucht. Die Schädlingsbekämpfer gehen mit „Giftköder-Boxen“ gegen die Ratten vor. Was sagen die Kempener dazu?

Sie halte Giftköder für gefährlich – „wegen der Kinder“, sagt Rita Horster. Das sagen auch weitere Passanten, die ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen wollen. Eine Ratte gesehen – sozusagen live und in Farbe – hat aber keiner der gestern Befragten. Die Fachfirma SPS hatte mit Blick auf die Giftköder gegenüber der WZ erklärt, dass die Köder-Boxen verschlossen seien. Andere Tiere oder gar Kinder könnten nicht an das Gift gelangen. Lediglich die Ratten würden in die Box kriechen, weil sie so neugierig seien.

Ekel nicht unbedingt, von Freude kann aber auch keine Rede sein

Ekel vor diesen Tieren empfinde sie nicht, sagt Sabine Kuschfeldt, die aus Hannover zu Besuch in der Thomasstadt ist. „Ich habe nur Angst, dass sie mich beißen.“ Das Ehepaar Hartmut und Renate Ebel, das im Blumenviertel wohnt, wäre „nicht erfreut, wenn wir diese Tiere als Gäste hätten“.

„Die Leute schmeißen überall Nahrung für Ratten bin“, lautet die Meinung von Werner Kesternich. Er spricht sich für das Aufstellen von Gift-Boxen aus.

Verwaltung und Politik würden zu wenig gegen das Problem tun

Ein Kempener, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, sagte, dass es das Rattenproblem in der Altstadt schon seit Jahren gebe. Daher sehe er keinen konkreten Zusammenhang zur Viehmarkt-Baustelle. „Manch einem Spaziergänger kommt am Moorenring schon mal eine Ratte entgegen“, so der Kempener. Die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik wüssten das schon lange – „und keiner tut was“.

Ein Lob für die Stadtmitarbeiter hat Jutta Blum im Zusammenhang mit einem Rattenproblem. „Auch wir waren davon betroffen und binnen weniger Tage war die Firma, die für die Stadtverwaltung tätig ist, vor Ort und hat die Köderboxen aufgestellt“, schreibt Blum per E-Mail an die Redaktion. „Nach zwei Tagen waren hier keine Ratten mehr zu sehen.“ In der Bekämpfung der Ratten mit Gift sieht sie keine Alternative. „Eine sanfte Methode gibt es für dieses Problem ja offensichtlich nicht und der Schutz der menschlichen Gesundheit geht eben vor.“

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