In der Köhlerhalle feiern mehr als 2500 Narren eine ausgelassene „Statt-Zug-Party“. Auch in der Altstadt ließen sich die meisten Teilnehmer und Besucher den Zugausfall nicht anmerken.

In der Köhlerhalle feiern mehr als 2500 Narren eine ausgelassene „Statt-Zug-Party“. Auch in der Altstadt ließen sich die meisten Teilnehmer und Besucher den Zugausfall nicht anmerken.
Mehr als 2500 Narren erlebten eine fröhliche Party in der Köhlerhalle. Alle

Mehr als 2500 Narren erlebten eine fröhliche Party in der Köhlerhalle. Alle

Auch ohne Zug hatten alle Narren ihren Spaß. Zum Beispiel Eltern und Schüler des Thomaeums (l.), die Gruppe „Vollidioten im Einsatz a.D.“ (Mitte) und die Jecken in der Kneipe „Treppchen“ an der Ellenstraße.

Friedhelm Reimann, Bild 1 von 2

Mehr als 2500 Narren erlebten eine fröhliche Party in der Köhlerhalle. Alle

Kempen. Diesen Rosenmontag werden die Kempener Jecken nicht so schnell vergessen. Morgens macht die Hiobsbotschaft die Runde: Der Zug fällt aus. Doch die Schockstarre währt nur kurz. Schon vormittags ist in der Altstadt ein spontanes buntes Treiben zu beobachten. Die Mädels vom Kegelclub „Pudel-Rudel & Friends“ aus Kempen wären eigentlich mit der Zugnummer 57 gezogen. „Nun ziehen wir halt spontan alleine“, sagt Richarda lachend. Fröhlich singend ziehen die Mädels unter dem Motto „Vollidioten im Einsatz a.D.“ durch die Altstadt, Ziel: Köhlerhalle.

Dass der KKV auf die Zugabsage reagiert und die Köhlerhalle für eine „Statt-Zug-Party“ bereits um 12 Uhr geöffnet hat, hat sich in der Altstadt schnell rumgesprochen. Auch die „Kempener Karnevalsfreunde 2013“ haben dieses Ziel ausgegeben. Mit 25 Erwachsenen und zehn Kindern wollten sie als „Kempener Straßenkarneval“ mitziehen. „Für die meisten Kinder ist es der erste Karneval, die finden das so auch spannend“, lacht „Am Stadtgarten-Stefan“.

Das Treppchen platzt schon früh aus allen Nähten

Gegen 11 Uhr platzt das „Treppchen“ schon aus allen Nähten. Prinzengardisten, Blumenkinder und Leoparden schunkeln gemeinsam, ein Ritter tanzt auf dem Tisch. Die Stimmung ist großartig. „Wir lassen uns die Laune nicht vom Wetter vermiesen“, sagt Petra Weimer. Ihre Begleiter nicken energisch.

Gegen 12.30 Uhr macht Petrus dann einmal ernst und schickt einen kräftigen Regenguss. In Sekundenschnelle weichen die vielen Jecken, die in der Altstadt unterwegs sind, auf Kneipen und überdachte Flächen aus. Unter das Vordach bei Mode Möller am Studentenacker haben sich Peter Nieskes & Friends geflüchtet. Das Motto „disco“ ist nicht zu übersehen. Die 25 Leute starke Gruppe ist in silberne Glitzeroutfits gekleidet, aus dem Wagen tönen Tanzklassiker.

Währenddessen hat sich eine Gruppe Minions in das „Ercklentz“ an der Judenstraße geflüchtet, um die gelben Gesichter vor dem Regen zu retten. Sobald sie eintreten, schlägt ihnen ein kräftiges „Helau!“ entgegen.

Bastel-AG des Thomaeum schmeißt sich dennoch in Schale

Auch die Schüler des Thomaeum wollen sich nicht unterkriegen lassen. Kurz nachdem die Bastelarbeiten für St. Martin beendet waren, hatte sich die knapp 40 Schüler starke Bastel-AG dem Karnevals-Projekt gewidmet. Unter dem Motto: „Eis und Schnee – coole Schule“ wollten sie mit insgesamt 98 Kindern und 30 Erwachsenen mitziehen. Nach der Zugabsage war schnell ein Plan B gefunden: Zunächst präsentiert sich die gesamte Gruppe samt kunstvollem Wagen auf dem Schulhof des Gymnasiums. Dann geht es gemeinsam Richtung Köhlerhalle.

„Die detailreichen Kostüme wären wohl nicht alle sturmfest gewesen“, vermutet Jürgen Hemkemeyer, der die Bastel-AG betreut. Die Enttäuschung ist den Schülern schon anzusehen. Rebecca und Annalena aus der 7 a waren schon beim St. Martins-Zug mit dabei und hatten sich auf Rosenmontag sehr gefreut. Doch schon der kräftigere Wind des Vormittags setzt den zarten Flügeln von Eisfee Annalena zu.

In der Köhlerhalle ist die Stimmung der Jecken großartig

In der Köhlerhalle ist von schlechter Stimmung nichts zu spüren. „Wir sind direkt um kurz nach 12 Uhr hierhergekommen und die Stimmung war direkt gut“, berichtet Nadine Meier. Die 24-Jährige ist mit zwei Freundinnen dort. „Natürlich ist es schade, dass der Zug nicht stattfinden konnte. Aber wir lassen uns die Laune nicht verderben“, ergänzt Steffi Lauer. Um halb vier nachmittags bevölkern mehr als 2500 Narren die Halle. Die Stimmung ist sehr gut, die Auftritte der Prinzengarde und Funken werden bejubelt. „Der erste Schock ist überwunden, jetzt machen wir das Beste aus dem Tag und feiern zusammen“, findet KKV-Präsident Heinz Börsch versöhnende Worte, denen sich die Jecken und Prinz Rainer I. nur anschließen können.

Auch die Prämierung der Zugteilnehmer wurde spontan umgestaltet. „Statt fünf Wagen und fünf Fußgruppen haben wir nun acht Fußgruppen ausgezeichnet“, informiert Jury-Mitglied Heinz Kox (siehe Kasten).

Bis in den Abend hinein feiern die Jecken in der Köhlerhalle, Sturmwarnung hin – Sturmwarnung her.

Mehr Fotos gibt es im Internet unter:

wz.de/niederrhein

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