Seit 1987 begleitet der Kempener Walter Simon Kranke und Behinderte auf ihrer Wallfahrt ins französische Lourdes.

Seit 1987 begleitet der Kempener Walter Simon Kranke und Behinderte auf ihrer Wallfahrt ins französische Lourdes.
Walter Simon (oben r.) begleitet seit Jahrzehnten Behinderte auf der Reise nach Lourdes.

Walter Simon (oben r.) begleitet seit Jahrzehnten Behinderte auf der Reise nach Lourdes.

Zur Grotte, in der Maria einem Mädchen erschienen sein soll, pilgern Millionen Menschen pro Jahr.

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Walter Simon (oben r.) begleitet seit Jahrzehnten Behinderte auf der Reise nach Lourdes.

Kempen. Wenn Walter Simon über seine Wallfahrten nach Lourdes spricht, bekommt man schnell das Gefühl, selbst ein Teil dieser Reisen gewesen zu sein. „Das schönste ist für mich immer wieder das Gemeinschaftsgefühl vor Ort. Das Erleben mit dem Team“, sagt der Kempener, der in diesem Jahr zum 23. Mal die Stadt in den französischen Pyrenäen besucht hat, in der die Gottesmutter Maria 1858 einem 14-jährigen Mädchen erschienen sein soll. Bei einer dieser Erscheinungen soll der Legende nach eine Grotte freigelegt worden sein, aus deren Quelle heilendes Wasser entspringt.

Angeblich heilendes Wasser steht nicht im Vordergrund

Der Wirbel um das angeblich heilende Wasser in Lourdes ist aber nicht der Antrieb für Walter Simon, immer wieder dorthin zu fahren. „Mir geht es darum, den Menschen zu helfen, die sich nach dieser Lourdes–Erfahrung sehnen“, sagt der 70-Jährige. Und so macht er sich Jahr für Jahr mit einem Sonderzug auf nach Lordes. In diesem Zug sitzen Kranke und Menschen mit Behinderung. Organisiert wird die Herbstwallfahrt Mitte September vom Malteser Krankendienst der Diözese Essen in Verbindung mit einem Reisebüro. „Insgesamt waren in diesem Jahr 400 Leute im Zug. 300 Pilger, 40 Behinderte und Kranke sowie 40 Mitglieder des Betreuungsteams“, sagt Simon.

Das Erlebte gebe Kranken und Behinderten viel Kraft

Den meisten Teilnehmern sei ohne Frage bewusst, dass sie durch den Besuch in Lourdes nicht geheilt werden. Das hat Simon seit seiner ersten Fahrt 1987 immer wieder festgestellt. „Einmal war eine Frau dabei, die im Gipsbett die schwere Reise auf sich genommen hat“, schildert Simon. „Ich habe sie gefragt, ob sie Heilungschancen hat. Daraufhin sagte sie, dass sie jedes Jahr in Lourdes geheilt wird.“ Das Erlebte mit den tausenden anderen Gläubigen gebe vielen die Kraft, mit ihrem Schicksal zu leben. Dies sei auch eine Art der Heilung.

Den Anstoß gab Professor Wildmeister

Den Anstoß zur ersten Lourdes-Fahrt hat Walter Simon vom früheren Kempener Chefarzt Professor Peter Wildmeister bekommen. „Er hat die Reisen stets begleitet. Und über ihn bin ich dann auch zum Betreuer geworden“, so Simon. Dies sei nicht selbstverständlich. Freiwillige müssten sich bei den Maltesern bewerben. Man könne nur mitfahren, wenn die Verantwortlichen einen für geeignet halten. Und für die Hilfe müsse man auch noch bezahlen. „Die Kosten trägt jeder Betreuer selbst“, sagt Simon.

Ein Antrieb war auch Walter Simons Job bei der AOK

Aus seiner Sicht ist aber jeder Cent gut angelegt. „Ich möchte helfen. Und so kann ich helfen. Außerdem ziehe ich selbst jedes Jahr viel Kraft aus der Reise“, sagt Walter Simon, den man in Kempen auch als Nikolaus kennt, der vor Weihnachten von Haus zu Haus zieht. „Die Dankbarkeit der Menschen gibt mir sehr viel.“

Ein weiterer Antrieb war vor vielen Jahren sein Beruf bei der Krankenkasse AOK. „Dort war ich für die Umsetzung des Reha-Gesetzes von 1977 verantwortlich“, erinnert sich Simon. Das bedeutete, dass er darüber zu entscheiden hatte, ob Familien von Kranken oder Behinderten dringend gebrauchte Hilfe bekommen oder nicht. Auch damals habe es im Gesundheitssystem einen Kostendruck gegeben. „Das war nicht immer einfach.“ Durch die Arbeit habe er viele persönliche Schicksale kennengelernt. „Das hat mich auch geprägt“, so Simon.

Aus Kempen waren in den vergangenen Jahren Pilger dabei

Auch aus Kempen seien jedes Jahr Gläubige mit auf der Reise, die Walter Simon begleitet. Über Jahre seien einige Freunde mit dabei gewesen. In diesem Jahr hatte Simon eine besondere Reise. „Ich stamme ja aus dem Hunsrück. Und in diesem Jahr sind Schulfreunde aus meiner Kinderzeit mitgefahren. Das war einfach großartig.“

So lange es geht, möchte der 70-Jährige weiterhin die Hilfe für kranke und behinderte Pilger leisten. „Es geht zwar nicht mehr alles so wie früher. Inzwischen ist das Team aber sehr verjüngt – wir unterstützen uns gegenseitig.“

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