König Fußball hat Achim Freitag im Griff: Der 50-Jährige ist Reiseführer des brasilianischen Bundesstaates Bahia. Genau dort, wo am Montag die deutsche Elf antritt.

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Voller Fan-Vorfreude: Der Ex-Kempener Achim Freitag vor der WM-Arena „Fonte Nova“, die für rund 200 Millionen Euro neu erbaut wurde. Er lebt seit 2007 in Salvador da Bahia.

Voller Fan-Vorfreude: Der Ex-Kempener Achim Freitag vor der WM-Arena „Fonte Nova“, die für rund 200 Millionen Euro neu erbaut wurde. Er lebt seit 2007 in Salvador da Bahia.

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Voller Fan-Vorfreude: Der Ex-Kempener Achim Freitag vor der WM-Arena „Fonte Nova“, die für rund 200 Millionen Euro neu erbaut wurde. Er lebt seit 2007 in Salvador da Bahia.

Kempen/Salvador. Er hat sich den Tempel des magischen Balls schon öfter angeschaut – die neu erbaute Arena „Fonte Nova“ in der Millionen-Metropole Salvador da Bahia. Am Montag ab 18 Uhr deutscher Zeit wird dort die Mannschaft von Jogi Löw ihr erstes WM-Gruppenspiel bestreiten, gegen wohl starke Portugiesen, vor der Kulisse von knapp 49 000 Zuschauern.

Zwei von ihnen: Achim Freitag und seine Frau Ana Claudia. Er ist gleichsam doppelt da, als Fan und als hauptberuflicher „guia turistico“ (Reiseführer). „Leider werden Ana Claudia und ich getrennt zum Stadion kommen, da ich mit einer Reisegruppe im Bus dorthin fahre und auch anschließend mit der Gruppe zu einem Event. Während des Spiels haben wir jedoch einen Platz nebeneinander.“

„Letzte Woche kamen schon die ersten Fans und somit auch Arbeit für mich.“
Achim Freitag, Reiseführer

Der 50-Jährige, der im Mai 2007 mit seiner Frau von Kempen in die Metropole an der Nordost-Küste Brasiliens zog, hat während der WM alle Hände voll zu tun. „Letzte Woche kamen schon die ersten Fans und somit auch Arbeit für mich.“ Mitte dieser Woche hat die heiße Phase begonnen. Und das bedeutet für Achim Freitag: Akkordarbeit gleichsam im Samba-Rhythmus.

Doch war im Stadtbild bislang eher wenig Schwarz-Rot-Gold auf den Fahnen und Shirts von Fußball-Touristen zu sehen. Das dürfte sich an diesem Wochenende ändern. Vorherrschend ist das Orange der Niederländer. Kein Wunder, schließlich spielte Freitagabend die Oranje Elftal in der Arena „Fonte Nova“ gegen Weltmeister Spanier.

Der Reiseführer betreut auch eine Fan-Gruppe aus Kempen

Donnerstag nahm Freitag eine Reisegruppe aus der alten Heimat in Empfang: WM-Pilger aus Kempen, Grefrath, Straelen und Kerken, die, hoffentlich, bis zum Letzten gehen werden (die WZ berichtete). „Wenn Deutschland durchkommt“, sagt ihr Reiseführer, „werden sie jedes Spiel vor Ort live sehen.“ In ganz Brasilien. Überhaupt gilt für Fußballgott-Germanen in den Tropen: „Wer bis hierhin reist, ist ein echter Fan – und die glauben an ein Finale mit Deutschland.“

Salvador wird auch „das schwarze Rom“ genannt. Schwarz wegen seiner starken Afro-Latino-Prägung. Rom wegen der zahlreichen, meist barocken Kirchen. Die 2,6-Millionen-Metropole hat viel zu bieten, insbesondere die quirlige Altstadt Pelourinho mit ihren fröhlich-bunten Pflastergassen und allgegenwärtiger Live-Musik (Unesco-Weltkulturerbe) – und den größten Straßenkarneval der Welt.

Der Bundesstaat Bahia ist etwas größer als Frankreich. Dort arbeitet Achim Freitag nach einer Akademie-Ausbildung als staatlicher Reiseführer. Salvador ist die Heimat seiner Frau Ana Maria, die er Anfang der 1990er Jahre am Niederrhein kennenlernte. Sie war damals Au-Pair in Anrath. Bis 2007 wohnte das Paar in Kempen – wo sie zum St. Martin-Fan wurde. Beste Reisezeit für Bahia: von September bis April.

Doch wie ist das mit den Einwohnern von Bahia, den „Baianos“, drücken sie am Montag den einstigen Landesherren, den Portugiesen, in der Partie gegen Neuer, Lahm, Klose & Co. die Daumen? Não. Nein. „Die meisten, mit denen ich hier gesprochen habe, halten zu Deutschland und würden sich über ein weiteres Finale Deutschland : Brasilien freuen“, weiß der Ex-Kempener. Schade ist eigentlich, dass viele Fans aus Europa nur kurz in Freitags neuer Heimat weilen.

Er könnte ihnen allein in Salvador, einer Metropole voller Sehenswürdigkeiten und Attraktionen, fast endlos viel zeigen und schwärmt: „Man kann sich eigentlich nicht satt sehen. Es ist soviel los!“ Und, zum Schluss, was tippen die Freitags für Montagabend? „Ein 2:1 wäre schön.“ Natürlich für Alemanha. yub

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