An der Tönisberger Straße in St. Hubert war der Kreis Viersen im Grünschnitt-Einsatz. Der Pächter einer Weide spricht von einem unbefugtem Betreten und Sachbeschädigung.

An der Tönisberger Straße war der Kreis Viersen im Einsatz. Der Pächter einer Weide spricht von einem unbefugtem Betreten.
Udo Hageschulte (M.) ist empört über das Vorgehen des Kreises. Zum Ortstermin kamen auch die Naturschützer Hans Palm (l.) und Georg Lüdecke.

Udo Hageschulte (M.) ist empört über das Vorgehen des Kreises. Zum Ortstermin kamen auch die Naturschützer Hans Palm (l.) und Georg Lüdecke.

Lübke

Udo Hageschulte (M.) ist empört über das Vorgehen des Kreises. Zum Ortstermin kamen auch die Naturschützer Hans Palm (l.) und Georg Lüdecke.

St. Hubert. Udo Hageschulte war nach den aktuellen Nachrichten aus der Heimat derart aufgebracht, dass er am Freitagnachmittag die rund 160 Kilometer vom Sauerland an den Niederrhein auf sich genommen hat. Grund für die längere Autofahrt war eine aus seiner Sicht völlig zerstörte Vogelschutzhecke – durch eine Arbeitskolonne des Kreises Viersen am Donnerstag. Hageschulte sprach beim Ortstermin mit der Presse und Naturschutzvertretern unter anderem von „Hausfriedensbruch“ und „Sachbeschädigung“.

Der 64-Jährige lebt heute nahe der Möhnetalsperre. Die frühere Wohnadresse des ehemaligen Vorsitzenden der hiesigen BUND-Ortsgruppe befindet sich in St. Hubert, genauer gesagt an der Tönisberger Straße 117, auf halbem Weg nach Tönisberg. Direkt daneben hat Hageschulte seit vielen Jahren eine Pferdeweide. Sie liegt am Rand des Naturschutzgebietes Tote Rahm und ist von der Stadt Kempen gepachtet.

Der Bewuchs, der die Koppel vom Radweg und der Kreisstraße trennt, wurde in der Tat aktuell deutlich ausgedünnt. Das konnte jeder sehen, der am Freitag vor Ort war. Unter anderem lagen noch zersägte Baumstämme herum.

„Vorher war alles total zu“, so der Pächter und zählt unter anderem Weißdorn und Rotdorn sowie einen Apfel- und einen Kirschbaum auf, die nun verschwunden seien. Betroffen von den Arbeiten sind seiner Aussage auch die Mieter seines ehemaligen Wohnhauses. „Es gibt nun keinen Schall- und Sichtschutz mehr zur Kreisstraße hin.“

Besonders verärgert zeigte sich der Wahl-Sauerländer über die Vorgehensweise des Kreises. Dessen Mitarbeiter haben ihm zufolge ohne Absprache und unbefugt das Grundstück betreten. Umzäunt ist es kniehoch mit Stacheldraht, dahinter kommt noch ein Pferdezaun, um die Tiere auf Fress-Abstand zu Bäumen und Sträuchern zu halten.

Die WZ fragte am Freitag beim Kreis Viersen nach. Aus dessen Sicht stellt sich die Lage laut Sprecher Markus Wöhrl so dar: „Die angesprochene Vogelschutzhecke und die Bäume befinden sich zum überwiegenden Teil außerhalb des angesprochenen Weide-Grundstücks auf dem Grundstück des Kreises Viersen, der Baulastträger der Tönisberger Straße ist.“

Die Kolonne des Amtes für Technischen Umweltschutz und Kreisstraßen habe entlang des bepflanzten Streifens zwischen Straße und Weidegrundstück einen Rückschnitt vorgenommen, bei dem das „Lichtraumprofil“ freigeschnitten worden sei. Heißt: Radler sollen nicht durch Bäume und Sträucher behindert werden.

Die Bepflanzung sei gezielt nur zurückgeschnitten und nicht „auf den Stock gesetzt“ worden. „Der Schnitt war auch nach Ende der Baumschnittsaison im Februar möglich, weil die Untere Landschaftsbehörde wegen der Sturmtiefs ,Friederike’ bis zum 9. März eine Sondergenehmigung erteilt hat“, so Wöhrl. Für ihre Aufgabe hätten die Arbeiter den Stacheldrahtzaun überklettert – „der sich auf dem Grundstück des Kreises Viersen befindet“.

Gegenüber der WZ zeigte sich Udo Hageschulte am Freitag Nachmittag zu einer Anzeige entschlossen. Er wollte noch am selben Tag die Wache in Kempen aufsuchen. „Ich will eine Entschädigung haben.“

Zurückhaltender äußerte sich Georg Lüdecke als Vertreter des örtlichen Naturschutzbunds Nabu. Er sprach sich gegen „Schnellschüsse“ aus.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer