Aktionswoche: Gemeinde und Volkshochschule leisten Aufklärung und bieten Hilfen für betroffene Erwachsene an.

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Anfangs gehen die Buchstaben nur langsam von der Hand, aber die erwachsenen Schüler haben langfristig Erfolg.

Anfangs gehen die Buchstaben nur langsam von der Hand, aber die erwachsenen Schüler haben langfristig Erfolg.

Anfangs gehen die Buchstaben nur langsam von der Hand, aber die erwachsenen Schüler haben langfristig Erfolg.

Grefrath. Hilflos vor dem Geldautomaten, ratlos vor dem Fahrplan: Rund 800 Menschen über 15 Jahre in Grefrath sind im Alltags oftmals überfordert, weil sie kaum lesen und schreiben können. "Diese Zahl haben wir von den geschätzten vier Millionen Analphabeten in Deutschland heruntergerechnet, und sind so auf 15000 im Kreis Viersen und 800in Grefrath gekommen", sagte Ulrich Steuten vom Bundesverband Alphabetisierung.

"Die Teilnehmer überwinden ihre Hemmungen leicht."

Beatrix Konnen, Dozentin

Als Hilfe für Betroffene werden in der Niersgemeinde Kurse "Lesen und Schreiben lernen" angeboten. Eine Aktionswoche soll ab Montag über das Thema aufklären. Das Projekt wurde im Rathaus vorgestellt.

Rechnungen, Behördenformulare, Wahlzettel - wer nicht lesen kann, ist schnell isoliert und resigniert. "Im Alltag reicht es nicht, dass manche so genannte funktionale Analphabeten einige Wörter entziffern können, zumal es mit dem Schreiben meist völlig hapert", erklärte Steuten. Abhilfe kann da die Aktionswoche schaffen: "Verwandte oder Freunde von Betroffenen sollen so sensibilisiert werden, sie auf die Angebote hinzuweisen."

Wie gut Hilfen funktionieren können, berichtete Beatrix Konnen, Dozentin für Alphabetisierung an der Volkshochschule: "Weil unsere Kurse immer klein sind und das Miteinander im Vordergrund steht, überwinden die Teilnehmer leicht ihre Hemmungen, lernen motiviert und erfolgreich."

Konnen hatte die Idee, die Aktionswoche in ihrer Heimatgemeinde Grefrath durchzuführen - und fand schnell Unterstützung im Rathaus: "Wir werden uns in einer Schulung selbst darauf vorbereiten, auf betroffene Mitbürger eingehen zu können", versprach Annemarie Quick, Gleichstellungs-Beauftragte bei der Gemeindeverwaltung.

Früher Analphabet, heute Kinderbuchautor

So genannte funktionale Analphabeten können, wenn überhaupt, nur wenige Wörter entziffern, meist gar nicht schreiben. Die Gründe liegen laut Fachmann Ulrich Steuten meist in "negativer Lernkarriere": Schulschwierigkeiten oder -abbruch, familiäre Probleme, "außer Bildzeitung und Lottoschein keine Leseanreize im Elternhaus". Betroffen sind Männer und Frauen aus allen Bevölkerungsschichten.

Die Volkshochschule bietet ab 25.Januar in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Grefrath zwei Kurse "Lesen und schreiben lernen" an. In der Aktionswoche ab 18.Januar finden Lesungen und Gespräche zum Thema Alphabetisierung in drei Grundschulen statt. Am 22.Januar um 15Uhr liest und erzählt der Autor Tim-Thilo Fellmer, früher selbst Analphabet, im Hallenbad Grefrath. Er tritt auch in der Stadtbücherei in Breyell (18.Januar), in der Bücherei Brüggen (20. Januar) und in der Bücherei Kempen (21.Januar) auf.

Nähere Infos zur Aktionswoche und zum Thema gibt’s im Rathaus der Gemeinde Grefrath, bei der Volkshochschule (Tel.02162/934814) und im Internet beim Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung:

Mit dabei in Grefrath ist einer, der selbst einmal Analphabet war: Tim-Thilo Fellmer, heute Kinderbuch-Autor, wird in Grundschulen aus seinem Buch "Fuffi der Wusel" lesen und zum Thema Alphabetisierung sprechen. Zudem tritt Fellmer bei Veranstaltungen im Kreis Viersen auf, so am 22.Januar im Hallenbad Grefrath. Und ab 25.Januar starten Gemeinde und Volkshochschule die zwei Kurse "Lesen und Schreiben lernen". Beatrix Konnen: "In die Kurse kann man jederzeit einsteigen."

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