Historische Bücher aus der Schlossbibliothek, die die West-LB als ehemalige Besitzerin zusammenstellte, sollen versteigert werden.

Historische Bücher aus der Schlossbibliothek, die die West-LB als ehemalige Besitzerin zusammenstellte, sollen versteigert werden.
Das Schloss Krickenbeck wurde bis 2015 von der West-LB und ihren Rechtsnachfolgern genutzt. Archiv

Das Schloss Krickenbeck wurde bis 2015 von der West-LB und ihren Rechtsnachfolgern genutzt. Archiv

Busch

Das Schloss Krickenbeck wurde bis 2015 von der West-LB und ihren Rechtsnachfolgern genutzt. Archiv

Nettetal. Für Empörung sorgt unter Nettetaler Historikern, Heimatforschern und Politikern die Versteigerung von Teilen der Bibliothek von Schloss Krickenbeck. „Der Verkauf ist ein Verlust für das gesamte Rheinland“, sagt Leo Peters, Historiker und CDU-Ratsherr aus Nettetal. Eine vergleichbare Adelsbibliothek gebe es nicht mehr. Sammlungen aus Schloss Dyck und Schloss Neersen seien bereits auseinandergerissen worden.

„Wir können nichts verschenken.“

Marita Lehmkul, Sprecherin des West-LB-Rechtsnachfolgers Portigon

Verantwortlich dafür ist die Portigon AG, die als Rechtsnachfolgerin der Landesbank den Besitz der West-LB verkauft. Schloss Krickenbeck war bis 2015 Akademiehaus der West-LB und ihrer Rechtsnachfolger, wurde dann an eine französische Hotelkette verkauft. Die Bibliothek wurde ausgelagert. „Wir wickeln die gesamten Vermögenswerte der West-LB ab. Dazu zählen auch Kunstwerke oder Bücher“, so Portigon-Sprecherin Marita Lehmkul. Portigon müsse verkaufen, man sei gesetzlich dazu verpflichtet: „Wir können nichts verschenken“, sagte Lemkuhl auf die Frage, ob für die Teile der Schlossbibliothek nicht eine andere Lösung denkbar gewesen wäre.

Kritik an der Kunstvermarktung gibt es nicht zum ersten Mal: 2016 hatte das Land 300 der 360 West-LB-Kunstwerke für rund 30 Millionen Euro erworben, die zunächst auf den freien Markt kommen sollten.

Das aktuelle Vorgehen kritisiert der Nettetaler CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Optendrenk scharf: „Die Versteigerung durch die landeseigene Abwicklungsgesellschaft ist kulturlos und zeigt ein mangelndes Verständnis der Landesregierung für den Wert von Heimat und Landesgeschichte.“ Den Wert der Bücher schätzt Optendrenk insgesamt auf eine Million Euro. „Die Schlossbibliothek ist extra vor der Veräußerung des Gebäudes herausgenommen worden, um ein Verramschen zu verhindern“, sagt er.

Das Kölner Auktionshaus Venator & Lanstein hatte am vergangenen Freitag Teile der Schlossbibliothek versteigert. „Wir haben zwei Werke zurückgezogen, nachdem das Land Interesse daran signalisiert hat“, sagt Karl-Heinz Kunpfer, Geschäftsführer des Auktionshauses. Dabei handelt es sich um Robert Battys „Scenery of the Rhine, Belgium and Holland“ von 1826 und und ein französisches Buch von Johann Ziegler. „Grundsätzlich ist ein Ankauf durch das Land möglich und gewollt. Gegenwärtig prüfen wir die Modalitäten“, sagte eine Sprecherin des NRW-Kulturministeriums.

Die Krickenbecker Schlossbibliothek wurde mit der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf bei der Restaurierung des Schlosses aufgebaut. Dafür wurden bis 1991 rund 1000 Bände aus dem 15. bis 19. Jahrhundert gesammelt. Neben Lexika gehörten Belletristik und Werke unterschiedlicher Wissensgebiete dazu, wie der damalige Bibliotheksleiter Rolf Gilbert im Heimatbuch des Kreises Viersen von 1997 schreibt. Als wertvoll gilt etwa ein Buch über den Trauerzug zur beerdigung von Herzog Johann Wilhelm von 1629.

Für den Landespolitiker Marcus Optendrenk wäre „die Uni- und Landesbibliothek Düsseldorf der richtige Ort gewesen, um die Zeugnisse der niederrheinischen Geschichte für die Menschen am Niederrhein zugänglich zu erhalten“.

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