Lothar Klouten übt Kritik am Stil des ehemaligen SPD-Vorsitzenden.

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Der frühere SPD-Kreisgeschäftsführer Lothar Klouten.

Der frühere SPD-Kreisgeschäftsführer Lothar Klouten.

Der frühere SPD-Kreisgeschäftsführer Lothar Klouten.

Tönisvorst. Über viele Merkwürdigkeiten im Mitglieder-Verzeichnis der Tönisvorster SPD hat die Westdeutsche Zeitung in der letzten Folge über das "System Vauth" berichtet. Ein typischer Fall war der eines Ehepaars mit zwei Kindern von der Willicher Straße. Alle vier waren im Herbst 2003 in die Partei eingetreten, was jedenfalls aus Beitrittserklärungen hervor ging, die in der Viersener Unterbezirks-Geschäftsstelle landeten.

Geworben hatte sie der heutige SPD-Fraktionschef Michael Horst, ein enger Vertrauter Lothar Vauths. Als in Viersen auffiel, dass auf den Formularen drei Unterschriften fehlten, hakte der damalige Kreis-Geschäftsführer Lothar Klouten nach. Er telefonierte mit der Ehefrau, die völlig entgeistert erklärte: "Sie wollen mich wohl veräppeln?!" Von einem Beitritt in die SPD könne bei ihr und ihren Söhnen keine Rede sein. Und auch der Ehemann, dessen Unterschrift vorlag, ließ wissen, "doch nicht" Mitglied werden zu wollen.

Hatten solche Vorfälle Konsequenzen für den verantwortlichen Parteichef Lothar Vauth? Nein - wohl aber für Lothar Klouten. Was er berichtet, klingt auch Jahre später nicht nur verbittert, sondern ganz schön heftig.

Klouten hat Gesprächs-Protokolle angelegt. An eine Gegebenheit erinnert er sich ganz genau: "Ein Vauth-Vertrauter hat zu mir gesagt: Bist Du wahnsinnig, Dich mit dem anzulegen?" Bei einem anderen Gespräch, in Anwesenheit von Michael Horst, sei ihm angeboten worden, man werde ihn in Ruhe lassen, wenn er selbst Ruhe gebe.

Als er sich nicht darauf eingelassen habe, sei er gemobbt worden und habe psychische Probleme bekommen. Mit der Folge, dass er von seinem Arbeitgeber, der Landes-SPD, entlassen wurde. In dem Zusammenhang erhebt Klouten Vorwürfe gegen den heutigen Kreis-SPD-Chef Udo Schiefner. "Der hat mich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Das war für mich die größte Enttäuschung meines Lebens."

Der so Gescholtene nimmt zum "System Vauth" keine Stellung. Er wehrt sich aber gegen die Angriffe Kloutens. "Das war doch kein Bauernopfer." Der damalige Geschäftsführer habe massive Probleme gehabt, es habe finanzielle Unregelmäßigkeiten gegeben. Die habe Klouten nicht klären können. Dessen Verhältnis zum SPD-Landesverband sei zerrüttet gewesen. Eigentlich hätte man sogar Strafantrag stellen müssen. Aber: "Man hat ihm goldene Brücken gebaut, die er nicht gehen konnte." Klouten räumt "irrationales Verhalten", etwa bei der Bestellung unzähliger Fachbücher, durchaus ein, macht dafür das Mobbing verantwortlich.

Zurück zu Lothar Vauth. Kritik an der Arbeit der Tönisvorster SPD unter Vauths Führung äußert auf WZ-Nachfrage auch der frühere Bundestagsabgeordnete Walter Schöler. "Da wurde bei den Versammlungen nicht mehr diskutiert. Es ging nur noch um Organisationsfragen oder Personalien, nicht mehr um Inhalte." Manchmal habe er den Eindruck gehabt, Vauth wolle einen Rekord an Sitzungskürze aufstellen. Er habe mehrfach versucht, dies zu durchbrechen.

Was die Vorwürfe von Lothar Klouten angeht, reagiert der St.Töniser Schöler, selbst langjähriger Vorsitzender des Unterbezirks, ausgesprochen barsch. "Den musste man doch zum Jagen tragen." Er selbst habe, nachdem die merkwürdigen Mitgliederlisten aufgefallen seien, mit Vauth gesprochen und diesen "ultimativ" aufgefordert, das zu bereinigen. Möglicherweise habe eine ganze Reihe der fraglichen Neu-Mitglieder ihren Wohnsitz im damaligen Asylbewerberwohnheim am Lenenweg gehabt...

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