Eine WZ-Umfrage bei Unternehmen ergibt sehr unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema.

Christian Karpenkiel, Pächter der Albert-Mooren-Halle in Oedt, ist rund um die Uhr erreichbar.
Christian Karpenkiel, Pächter der Albert-Mooren-Halle in Oedt, ist rund um die Uhr erreichbar.

Christian Karpenkiel, Pächter der Albert-Mooren-Halle in Oedt, ist rund um die Uhr erreichbar.

Kurt Lübke

Christian Karpenkiel, Pächter der Albert-Mooren-Halle in Oedt, ist rund um die Uhr erreichbar.

Kreis Viersen. Markus Hergett ist sicherlich ein Sonderfall: Als Angehöriger der Freiwilligen Feuerwehr ist der Tönisvorster Wirtschaftsförderer ohnehin bei echten Notfällen permanent erreichbar. „Ich habe den Piepser immer am Mann“, so Hergett. In seinem Beruf gibt er bei wichtigen Projekten seine private Handynummer weiter. „Und diese nutzen die Unternehmen auch“, berichtet er. Seine beruflichen Mails ruft er allerdings nur am Büro-PC ab. Die Möglichkeiten der modernen Kommunikation bezeichnet der Wirtschaftsförderer als „Fluch und Segen zugleich“. Der Trend in der Berufswelt gehe dahin, dass die Trennung zwischen Beruf und Privat immer schwieriger werde.

In seiner früheren Tätigkeit – Hergett war Personalleiter einer Immobiliengruppe – sei von ihm erwartet worden, dass er Mails auch spätabends oder am Wochenende zeitnah beantworte. „Aus dem Gesundheitssektor ist zu hören, dass sich die Nachteile dieser Erreichbarkeit auch gesundheitlich auswirken können.“

Die Zeiten haben sich geändert. Waren früher Wochenenden oder sogar ganze Urlaube ohne jedwede Beschäftigung mit geschäftlichen Dingen zumindest möglich, droht heute ständig der Klingelton oder das WhatsApp-„Bing“. Hatte der Chef in den 90er-Jahren keine Festnetznummer hinterlegt, unter der er auch auf Baltrum oder Mallorca erreichbar war, lag es ausschließlich in seinen Händen, Kontakt mit dem Büro aufzunehmen. Wie bereits erwähnt: Das war einmal. Das Smartphone hat neben der Freizeit auch die Arbeitswelt umgekrempelt.

“Urlaub und Freizeit werden akzeptiert“

In der Volksbank Kempen-Grefrath mit ihren etwa 75 Mitarbeitern gehen die Ansichten bei diesem Thema auseinander: „Es gibt Kollegen, die beispielsweise keine E-Mail-Weiterleitung in den Urlaub möchten“, sagt Silke Jahn, zuständig für Marketing und Kommunikation. Das verlange das Unternehmen auch nicht. „Urlaub und Freizeit werden respektiert.“

Allerdings gebe es auf der anderen Seite Mitarbeiter, die freiwillig immer auf dem Laufenden sein wollen. Zu dieser Kategorie gehört wohl auch Silke Jahn. „Ich bin viel zu neugierig“, sagt sie. Wenn nachts ihr Handy piepe, schaue sie schon mit einem Auge, was denn los sei. Und wie oft sie am Tag aufs Smartphone schaue, könne sie schon gar nicht mehr sagen, so die 50-Jährige. „Es gehört einfach inzwischen zum Alltag.“

Der Grefrather Buchhändler Karl Gross setzt dagegen auf bewusstes Abschalten. Vor einem Jahr hat er den Montag zum Ruhetag gemacht. „Wenn dann das Telefon geht oder E-Mail-Bestellungen eingehen, lassen wir es in der Regel gut sein“, sagt er. „Sonst könnten wir gleich wieder montags den Laden aufmachen.“ Er erwarte auch von anderen Geschäftsleuten, „dass sie nicht immer gleich springen“. Privat habe er sein Handy allerdings immer bei sich, unter anderem wegen seiner kranken Mutter. „Das hat etwas mit Verlässlichkeit zu tun“, findet Gross.

Siegfried Ferling, Geschäftsführer der Stadtwerke Kempen, sieht unter der Woche schon zu, „dass ich lange erreichbar bin“. Abends schalte er das Handy ab. „Meine Mitarbeiter können mich dann aber übers Festnetz erreichen.“ Auch am Wochenende versuche er, das Smartphone „ruhig zu stellen“. Ferling ist der Meinung: „Freizeit ist Freizeit.“

Über soziale Netzwerke mit der ganzen Welt verbunden

Von einer 24-Stunden-Erreichbarkeit spricht der Pächter der Albert-Mooren-Halle in Oedt: „Wenn es unter der Festnetz-Nummer drei- oder viermal klingelt, wird der Anruf direkt auf mein Handy weitergeleitet“, erklärt Christian Karpenkiel.

Mit der ganzen Welt verbunden ist er zudem via Facebook, E-Mail, Messenger und WhatsApp.

„Auch im Urlaub bin ich erreichbar, ich habe eine EU-Flat“, so Karpenkiel. Das sei nun mal die heutige Zeit. „Da muss man mitgehen.“

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