Kostenpflichtige Zusatzangebote sind in Kempen vorerst untersagt. Die Stadt setzt Landes-Empfehlungen um.

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In vielen Kindergärten wird den Kindern spielerisch die englische Sprache nähergebracht.

In vielen Kindergärten wird den Kindern spielerisch die englische Sprache nähergebracht.

WZ-Archiv

In vielen Kindergärten wird den Kindern spielerisch die englische Sprache nähergebracht.

Kempen. Eine E-Mail aus dem Jugendamt sorgt bei den Eltern von Kindergartenkindern für Unruhe: „Ab sofort sind keine kostenpflichtigen Angebote während der Öffnungszeit der Kindertagesstätten für Kinder erlaubt, keine Musikschule und keine Englischangebote.“

Diese Mitteilung ist vor einigen Tagen an die Kempener Einrichtungen gegangen. Die Stadt beruft sich auf ein Rundschreiben des Landesjugendamtes, das dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) angehört.

„Es handelt sich dabei nur um eine pädagogische Empfehlung.“

Till Döring, LVR-Sprecher

Die Behörde bemängelt die Englisch-Förderung, die von Honorarkräften – also nicht von hauseigenen „sozialpädagogischen Kräften“ – in den Kindergärten angeboten wird. Dies entspreche nicht dem Bildungsauftrag einer Tageseinrichtung. Außerdem bestehe die Gefahr der Diskriminierung einzelner Kinder. Weil diese Angebote zusätzlich Geld kosten, gebe es Eltern, die sich die Förderung nicht leisten können.

„Wenn diese kostenpflichtigen Angebote während der Öffnungszeiten stattfinden, werden einige Kinder ausgeschlossen“, erklärt LVR-Sprecher Till Döring. Außerhalb der Öffnungszeiten – zum Beispiel am späten Nachmittag – sei gegen die Förderung nichts einzuwenden. „Die Kitas sind nicht an unser Schreiben gebunden“, ergänzt Döring. „Es handelt sich dabei nur um eine pädagogische Empfehlung.“

An die sich Kempen aber hält. „In den städtischen Einrichtungen werden die Vorgaben schon umgesetzt. Da werden die Angebote über die Elternbeiträge finanziert“, sagt Pressesprecher Christoph Dellmans. Die E-Mail an die Tagesstätten sei nur ein „erneuter Hinweis“ gewesen.

Eltern des Hermann-Josef-Kindergartens, die Rückfragen haben, können sich an Jochen Köster wenden: Tel. 02152/ 141 770.

Für einige Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft sind die Vorgaben in der Mail nach WZ-Informationen aber neu. Zum Beispiel für den katholischen Kindergarten Hermann-Josef: „Mein Kind kam mit einer Mitteilung nach Hause, dass der Englischunterricht eingestellt wird. Ich bin aus allen Wolken gefallen“, teilte ein Vater (Name der Redaktion bekannt) mit. In der Einrichtung wird ein Teil der Kinder einmal pro Woche vormittags von einer Honorarkraft in Englisch gefördert. Die Eltern zahlen dafür etwa 25 Euro im Monat.

Die Pfarrgemeinde als Träger bestätigt die Einstellung des Angebots. „Wir mussten die Vorgaben der Stadt jetzt erstmal umsetzen“, sagt Jochen Köster, Koordinations-Beauftragter für die Kitas im Kirchengemeindeverband Kempen-Tönisvorst. „Ich kann den Eltern aber versichern, dass wir uns um Lösungen bemühen.“ Es werde zeitnah Gespräche zwischen Träger, Mitarbeiterteam und den Eltern geben. In einem Schreiben, das im Kindergarten ausgehängt werden soll, würden die Eltern über das Vorgehen informiert.

Auch im St. Huberter Kindergarten herrscht Unruhe

Unruhe herrscht auch bei den Eltern des St. Huberter St. Raphael-Kindergartens. „Das Schreiben hat hier für Aufsehen gesorgt“, erfuhr die WZ aus der Elternschaft. An der Königsstraße bekommen zwei Drittel der Kinder eine Englisch-Förderung. Dort geht der Fremdsprachen-Kurs vorerst mit Mitteln aus dem Förderverein weiter.

Die kostenpflichtigen Kurse außerhalb der Öffnungszeiten durchzuführen, wird von den Eltern abgelehnt: „Das wäre eine Zeit nach 16.30 Uhr. Für Eltern, die ohnehin schon berufstätig sind, wäre das eine zusätzliche Belastung.“

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