Bolzplatz: Vor Jahren haben Jugendliche für den Erhalt eines Plätzchens gekämpft. Jetzt müssen sie selbst draußen bleiben– zu alt. Das schafft Frust und Wut.

Der Bolzplatz an Pastoratsbenden ist längst zum Politikum geworden.
Der Bolzplatz an Pastoratsbenden ist längst zum Politikum geworden.

Der Bolzplatz an Pastoratsbenden ist längst zum Politikum geworden.

Kurt Lübke

Der Bolzplatz an Pastoratsbenden ist längst zum Politikum geworden.

Tönisberg. Kaum hat das Frühjahr und die neue Spielzeit für jugendliche Fußballer begonnen, da gibt es wieder Probleme mit dem verkleinerten, von der Stadt Kempen mit hohem Aufwand umgestalteten Bolzplatz an Pastoratsbenden. Vier Familien sind als Bolzplatzpaten mittlerweile jeden Tag damit beschäftigt, den Platz zu den festgelegten Spielzeiten auf- und abzuschließen.

Man erinnert sich: Nach einem gerichtlichen Vergleich darf der Platz nur zu bestimmten Zeiten und bis zum 14. Lebensjahr genutzt werden. Das heißt: Morgens schließt eine Familie auf, mittags eine andere wieder zu, nachmittags wieder auf und abends schließt die dritte wieder zu. Eine vierte Familie muss sich zudem als Vertretung bereit halten.

Was ist aber zu tun, wenn der Platz von Schülern ordnungsgemäß in Trikot und mit Fußballschuhen bespielt wird, die älter als 14 Jahre sind? Die sich gut benehmen, kein Papier herumwerfen und auch sonst nette Kerle sind? Wohin mit den Schülern, die vor mehr als vier Jahren, als der alte Bolzplatz wegen der Anwohnerklage geschlossen wurde, als noch nicht Vierzehnjährige mit Unterschriftenlisten letztlich erfolgreich gegen die Schließung protestiert haben? Jungs wie Marvin Zumkley, Lars Behnke, Kevin Zülsdorf, Marcel Iven, Daniel Czarnezky, Steffen Koczelnik oder Max Leyer? Das sind alles Schüler, die in der Nähe des Bolzplatzes wohnen.

"Jugendliche haben hier im Tönisberger Ortskern keinen Sportplatz", klagt Kevin Zülsdorf. Max Leyer bemängelt, dass der Sportplatz an der Vluyner Straße ungepflegt und von Gras überwuchert das Spielen erschwert.

Wo also können junge Leute in Tönisberg hin, wenn sie nicht im Sportverein sind? Wenn sie einmal nicht ins Jugendheim wollen, wenn sie sich einfach nur- wie diese Gruppe- zum lockeren Kick treffen wollen?

Der Bolzplatz Pastoratsbenden ist mehr als 20 Jahre alt. Zwei Jahrzehnte lang gab es keine Probleme.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf urteilt 2004, dass der Platz geschlossen werden muss. Die Stadt legt Berufung ein. 2007 verfügt das Oberverwaltungsgericht Münster einen Vergleich: Unter bestimmten Auflagen darf auf dem Platz wieder gekickt werden.

Im vergangenen Jahr wurde der Platz für 60000 Euro neu gestaltet - die Bolzfläche wurde auf weniger als die Hälfte kleiner- und steht nun Kindern bis 14 Jahren werktags von 7 bis 13 und 15 bis 20 Uhr zur Verfügung, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr.

Der zehnjährige Lars Zimmer hatte diesmal die gute Idee: Er reihte sich in die Mannschaft ein und ließ sich von den "alten Herren" trainieren...

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer