In Tönisberg gehen die Narren eine Woche eher in die Vollen. Weil die Bergdörfler fröhlich sein wollten, mussten sie der Kirche ein Schnippchen schlagen.

Wenn die Kinder durch Tönisberg ziehen, ist das ganze Dorf am Nordzipfel von Kempen auf den Beinen und ruft den kostümierten Kleinen „Ferkes Tönn“ zu.
Wenn die Kinder durch Tönisberg ziehen, ist das ganze Dorf am Nordzipfel von Kempen auf den Beinen und ruft den kostümierten Kleinen „Ferkes Tönn“ zu.

Wenn die Kinder durch Tönisberg ziehen, ist das ganze Dorf am Nordzipfel von Kempen auf den Beinen und ruft den kostümierten Kleinen „Ferkes Tönn“ zu.

Kurt Lübke

Wenn die Kinder durch Tönisberg ziehen, ist das ganze Dorf am Nordzipfel von Kempen auf den Beinen und ruft den kostümierten Kleinen „Ferkes Tönn“ zu.

Tönisberg. Alle zwei Jahre stellt die Gruppe der Rebellen der St.Antonius-Isidorus-Bruderschaft einen Kinderkarnevalszug auf die Beine. Der "Kleinkarnevalssonntag" ist diesmal am 7. Feburar. Daran beteiligen sich rund 600 Jecken, die den närrischen Schlachtruf "Ferkes Tönn" ausstoßen werden.

Mit dabei sind auch diesmal die beiden Kindergärten und die Grundschule, das Trommlerkorps und zwei Kapellen. "Und natürlich das Kempener Prinzenpaar mit Gefolge sowie ein Planwagen für Fußkranke", freut sich Rebellen-Sprecher Johannes Hoeps auf den närrischen Lindwurm.

Bereits seit Wochen werkeln die Kinder des nördlichen Kempener Stadtteils an ihren Kostümen. Sie werden sich in Steinzeitmenschen, Froschkönige, Zauberer und Hexen verwandeln. Bewusst wird auf große motorisierte Themenwagen verzichtet- nur in Handkarren dürfen die Kamelle, von Tönisberger Geschäftsleuten gestiftet, mitgeführt werden. "Es soll ja ein richtiger Kinderzug sein", unterstreicht Johannes Hoeps.

Die Tönisberger haben aus der Not eine Tugend gemacht

Doch warum wird in Tönisberg bereits am Wochenende vor Karneval traditionell Kleinkarneval gefeiert? Und warum ist dort Weiberfastnacht bereits am Dienstag vor Altweiber? Dieser Brauch machte vor über 100 Jahren aus der Not eine Tugend. Denn Mitte des 19.Jahrhunderts wollte die Kirche - Tönisberg gehört bekanntlich zum Bistum Münster- mit dem 40-stündigen Gebet gegen die Auswüchse der Karnevalstage angehen. "Diese Tage werden bald die ersten Bettage werden", notierte 1854 ein Pfarrer. Und 1855 befahl sogar ein Geistlicher, man müsse "dem so fest eingewurzelten und verwachsenen Unfug, wie es der tolle Karnevalstrubel ist", entgegentreten.

So erging des auch den Tönisbergern. Die saßen laut Erzählungen noch in den 50er-Jahren brav beim Gebet in der Kirche, während es im übrigen Rheinland, vor allem im benachbarten Hüls, hoch her ging.

Doch die Berger sind ja nicht dumm- und so wurden die karnevalistischen Lustbarkeiten kurzerhand vorverlegt. Deshalb findet auch diesmal der VfL-Sportlerball am Samstag und der Kinderkarnevalszug am Sonntag statt.

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