Mehr als 400 Oedter ließen sich über einen Vollversorger mit behinderten Mitarbeitern informieren. Als Betreiber muss nun noch ein sozialer Träger gefunden werden.

Das Interesse übertraf die kühnsten Erwartungen: Mehr als 400 Bürger kamen zum Info-Abend in den ehemaligen Spar-Markt.
Das Interesse übertraf die kühnsten Erwartungen: Mehr als 400 Bürger kamen zum Info-Abend in den ehemaligen Spar-Markt.

Das Interesse übertraf die kühnsten Erwartungen: Mehr als 400 Bürger kamen zum Info-Abend in den ehemaligen Spar-Markt.

Kurt Lübke

Das Interesse übertraf die kühnsten Erwartungen: Mehr als 400 Bürger kamen zum Info-Abend in den ehemaligen Spar-Markt.

Oedt. Tote Hose war gestern, morgen soll’s wieder lebhaft zugehen in Oedt: Schon im Herbst könnte ein Cap-Markt das Versorgungsproblem am Ort lösen und zu einem Treffpunkt werden. Darauf bauen zumindest die mehr als 400 Bürger, die am Donnerstagabend im ehemaligen Spar-Markt große Zustimmung zum geplanten Projekt signalisierten.

„Wir sind ein Vollversorger-Markt, der auf Integration setzt.“

Ralf Lietzmann, Cap-Fachberater

„Die Oedter lassen sich nicht hängen!“, zeigte sich Bürgermeister Manfred Lommetz bei der Begrüßung der vielen Interessenten begeistert. Die Initiative „Perspektiven für Oedt“ hatte geladen, wollte aufklären, was ein Cap-Markt ist und wie realistisch die Aussichten auf eine Ansiedlung sind. „Cap steht für Handicap. Wir sind ein Vollversorger-Markt, der auf Integration setzt“, erklärte Ralf Lietzman, Cap-Fachberater für NRW. 40 Prozent der Mitarbeiter seien Menschen mit Behinderung.

Waren aus der Region zu Discounter-ähnlichen Preisen

Hauptbelieferer ist laut Lietzmann Edeka, auch Waren regionaler Erzeuger sollen ins Sortiment: „Zur Spargelzeit gibt’s natürlich Spargel von Bauern aus der Gegend.“ Die Preise sollen „im üblichen Rahmen eines Discounters“ liegen. Ein Bäcker und ein Metzger aus der Region seien als Untermieter willkommen. Starker Beifall für die vorgestellten Pläne.

Der Knackpunkt: Soziale Träger als Betreiber müssen her. „Es laufen Gespräche mit Interessenten“, verkündete Volkmar Josten, Sprecher von „Perspektiven für Oedt“ und Sozialamtsleiter. Namen wollten weder er noch Lietzmann verraten. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei unter anderem um Arbeiterwohlfahrt, Deutsche Heilpädagogische Gesellschaft und Innere Mission handeln. Die Verhandlungen sollen bis Ende Januar abgeschlossen sein. Etwa sechs Monate später, hieß es, könne Eröffnung sein. Schützenhilfe deutete Manfred Basten an: Der Eigentümer des Gebäudes versprach, er werde „notfalls auch mit der Miete runtergehen“.

Der neue Supermarkt soll auch als Treffpunkt dienen

Ein neuer Markt in Oedt habe aber nur Chancen, wenn er von den Bürgern für die Vollversorgung genutzt werde, so Lietzmann. Die Bereitschaft dafür scheint groß: Von den Bürgern kamen schon konkrete Fragen nach Öffnungszeiten, nach bestimmten Waren wie Getränken und Fisch. „Und ich möchte hier arbeiten“, bot sich ein Bürger an.

Seit der Schließung von Spar im Sommer 2007 gibt es in Oedt keinen Supermarkt mehr. Alle Bemühungen um die Ansiedlung eines neuen Discounters scheiterten bislang.



 

Die Bürgerversammlung im Gebäude des ehemaligen Spar-Marktes an der Ecke Süchtelner Straße/An der Kleinbahn veranstaltete die Initiative „Perspektiven für Oedt“. Sprecher Volkmar Josten schätzte die Besucherzahl auf „rund 450“.

Die Cap-Märkte gehören zur Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (GDW Süd). Betreiber sind jeweils örtliche soziale Träger, zum Beispiel Wohlfahrtsverbände. Hauptbelieferer ist Edeka. Nächster Cap-Markt in der Region: Issum-Sevelen.

Sobald sich soziale Träger als Markt-Betreiber in Oedt gefunden haben, könnte die Planung etwa innerhalb eines halben Jahres umgesetzt werden. Von den bis zu 20 Arbeitsplätzen sollen sechs bis acht für Menschen mit Behinderung sein.

Ralf Lietzmann versprach, der freundlich eingerichtete Cap-Markt diene auch der Kommunikation, solle ein Treffpunkt werden. Das scheint möglich, meinte doch eine Bürgerin hinterher draußen im Gedränge: „Eins haben die jetzt schon geschafft, nämlich dass so viele Menschen in Oedt auf der Straße sind. Sonst ist hier abends um sieben tote Hose.“

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