Die frühere „Neue Stadt“ kommt nicht zur Ruhe. Für den größten Einzelhändler ist nächste Woche Schluss.

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Übermorgen öffnet Werner Rennes zum letzten Mal für seine Kunden die Tür des Edeka-Marktes. Dann verabschiedet sich der Einzelhändler nach 38Jahren aus dem Hagelkreuz. Werner Rennes: „Mir wird wehmütig ums Herz, wenn ich an Montag denke.“

Übermorgen öffnet Werner Rennes zum letzten Mal für seine Kunden die Tür des Edeka-Marktes. Dann verabschiedet sich der Einzelhändler nach 38Jahren aus dem Hagelkreuz. Werner Rennes: „Mir wird wehmütig ums Herz, wenn ich an Montag denke.“

Friedhelm Reimann

Übermorgen öffnet Werner Rennes zum letzten Mal für seine Kunden die Tür des Edeka-Marktes. Dann verabschiedet sich der Einzelhändler nach 38Jahren aus dem Hagelkreuz. Werner Rennes: „Mir wird wehmütig ums Herz, wenn ich an Montag denke.“

Kempen. Vor einschneidenden Veränderungen steht das Hagelkreuz. Und zwar auf allen Ebenen! Gravierende Veränderungen stehen an in den Bereichen Einzelhandel, Kirche und Vereinswesen.

Konkret: Werner Rennes verabschiedet sich am Montag von seinem Edeka-Markt. Beim Bürgerverein tritt mit Christiane Czwikla und Bernd Faber die komplette Spitze nicht mehr an. Und die Pfarrgemeinde Christ-König wird aufgelöst, verschmilzt 2010 zu einer Großgemeinde St.Mariae Geburt.

"Für die Verluste meines Marktes muss ich persönlich gerade stehen."

Werner Rennes

Doch der Reihe nach. Nach 38Jahren als Edeka-Kaufmann im Hagelkreuz steht Werner Rennes am Scheideweg. Ab Dezember kehrt der 56-Jährige dem Markt an der Max-Planck-Straße15 den Rücken: Edeka hat seinen Vertrag gekündigt.

Bereits vor drei Monaten hat Rennes für seinen Vollsortimenter mit rund 20.000 Artikeln auf 840 Quadratmetern Insolvenz angemeldet. "In den letzten beiden Jahren habe ich nur Verluste eingefahren. Zusätzlich ist ein Strukturwandel im Hagelkreuz zu verzeichnen."

Immerhin scheint die Zukunft der 16 Mitarbeiter gesichert. "Ab 1. Dezember läuft das Geschäft unter der Leitung der Edeka-Verwaltung erst einmal weiter- alle Mitarbeiter werden übernommen", sagt Rennes. Seitens der Edeka-Verwaltung gab es dazu keine Stellungnahme.

In dem Viertel im Dreieck Straelener, Kerkener Straße und Außenring leben rund 6300 Menschen.

Den Namen hat das Viertel nach dem 1853 aufgestellten Hagelkreuz aus Trachyt an der Ecke Terwelp-/Kerkener Straße.

Entstanden ist das Viertel Mitte der 60er-Jahre nach Plänen des Essener Architekturbüros Slonicky. Die damals "Neue Stadt" sollte in Ergänzung zur Altstadt Wohnraum schaffen.

Die ersten Bewohner waren belgische Soldaten, die in Grefrath stationiert waren.

Zentraler Platz ist der Concordienplatz, der vor vier Jahren für 245.000 Euro saniert wurde. Dort steht auch die 2008 aufgestellte Skulptur.

Als Hauptgrund für den Niedergang verweist Rennes auf die Entscheidung des Stadtrates von 2005, an der Kleinbahnstraße mehr Einzelhandel zuzulassen. Aus seiner Sicht ein Verstoß gegen das Zentrenkonzept. Mit der Folge, dass Lidl aus der Altstadt raus in Bahnhofsnähe zog, der frühere Wirichs-Markt unter der Rewe-Fahne aufgewertet wurde und sich mit MediMax ein Kundenmagnet im Elektrobereich etabliert hat. Folge: Die Kleinbahnstraße brummt, Edeka-Rennes kümmert.

Aus dieser Notlage hat Rennes mittlerweile mit Gleichgesinnten die Freien Wähler Kempen gegründet, die mit drei Sitzen im neuen Stadtrat vertreten sind. "Aber für die Verluste meines Marktes muss ich persönlich gerade stehen- da hilft keine Ratsmehrheit."

Bürgerverein Hagelkreuz: Was kommt nach Czwikla/Faber?

Anderes gelagert ist der Fall Bürgerverein. Bereits im Vorjahr haben die Vorsitzende Christiane Czwikla (50) und der Geschäftsführer Bernd Faber (49) angekündigt, für ein Vorstandsamt nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Persönliche und berufliche Gründe sind hierfür ausschlaggebend. Dabei bleibt es auch, wenn nächste Woche Freitag um 20Uhr im Pfarrheim Christ-König die Jahreshauptversammlung ansteht.

"Beide haben ihre Sache mehr als gut gemacht. Aber wir sind guter Dinge, dass es weitergeht", sagt der stellvertretende Vorsitzende Hans Janßen (72), der den Bürgerverein vor elf Jahren mit aus der Taufe gehoben hat. Wohl wissend, dass diese Lücke schwer zu schließen sein wird.

Unter Czwikla/Faber erlebte der 500 Mitglieder starke Verein eine Blüte. Krönung war die Installation einer Skulptur auf dem Concordienplatz. Aber auch Nikolaus-Aktion, Bürgerfest, Sprechstunden, Integration von Migranten, Maskottchen oder die Herausgabe einer Stadtteil-Postille sind mit den Namen des Duos verbunden.

"Bereits jetzt stehen Nachfolger für die vakant werdenden Positionen zur Verfügung" versichert Bernd Faber: "Der Bürgerverein lebt also weiter." Und es ist nicht so, dass es für die neuen Köpfe nichts mehr zu tun gäbe. Altbürgermeister Karl Hensel beispielsweise hat dem Verein bei der Einweihung der Skulptur im Vorjahr mit auf den Weg gegeben, die architektonische Aufwertung der Ladenzeile am Concordienplatz voranzutreiben.

Pfarrgemeinde Christ-König: Wohin führt die Fusion?

Auch im katholischen Hagelkreuz mit 3800 Christen weiß man noch nicht so recht, wohin die Reise geht. Ende des Jahres wird die erst seit neun Jahren selbstständige Pfarrei aufgelöst und geht in die Fusion mit St.Marien und St.Josef. Seit 1970, als der frühere Seelsorgebezirk der Propsteipfarre als Vikarie eigenständig wurde, hat sich ein reges Gemeindeleben herausgebildet. Besonders die Kolpingjugend fühlt sich am Concordienplatz12 zu Hause.

"Das soll auch so bleiben", hat der scheidende Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Kurt Huintjes unmittelbar nach der Fusions-Verkündung aus Aachen die Marschrichtung vorgegeben. Während in Kamperlings die Protestwellen hochschlugen, suchte man im Hagelkreuz pragmatisch nach Wegen, aus dem Bischofswort das Beste zu machen. Im neuen Pfarrgemeinderat sollen nun die fünf Hagelkreuz-Vertreter Jürgen Giebels, Johanna Meyer, Peter Royen, Günther Stammen und Küster Ralph Hövel dafür sorgen, dass die erst 1993 eingeweihte Kirche kein Geisterhaus wird.

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