Der närrische Lindwurm rollte am Sonntag von Schaag nach Breyell.

Schaag/Breyell. Speck, Höhe Hausnummer 50, am Sonntagmittag: Hier war die jecke Ecke für die Schaager Familien Stieger und Kascherus. Alle drei Jahre, wenn der Nettetaler Tulpensonntagszug von Schaag nach Breyell zieht, bauen sie einen Stehtisch auf, an dem Party ist - mit bestem Blick auf den Jeckentreck.

Der startete pünktlich um 13.11 Uhr ab Boisheimer Straße und umfasste 125 Zugnummern, davon 65 Wagen und 60 Fußgruppen. Applaus ernteten die Stelzenläufer aus Belgien, die aus mehreren Metern Höhe den jecken Trubel erlebten. "Winkt doch mal", rief Cowgirl Carina Kascherus ihnen zu - ohne Erfolg. Winnie Pooh und seine Freunde von den Jungschützen Lüttelbracht-Genholt erklärten die "Bärenstellung", während die Lauerbachen als Videospielfiguren à la Nintendo gingen: "Wenn nicht jetzt - wann dann?"

"Muttermilch" mit einem Schuss Korn war der Hit

Kamelle flogen, und Luca (11) hatte alle Hände voll zu tun. Die Erwachsenen wärmten sich mit Kascherus patentierter "Muttermilch", einer süßen Mischung aus Milch, Sahne, Korn und Maracujasaft. Außerdem lohnten Mini-Frikadellen, Käsewürfel und ein frisch gezapftes Helles aus dem Fass einen Griff auf den Stehtisch. "1992 hatten wir das tollste Sonnenwetter. Damals haben wir im T-Shirt gefeiert", erinnert sich Tina Stieger.

Am Sonntag tanzten die Narren dem kalten Wetter einfach auf der Nase herum. Die Eisblumen-Gruppe rief laut "Helau", und der Freundeskreis May hatte das Nummernschild "Eisbären 2010" am Traktor - die Nordpolbewohner hatten "für den Notfall" noch ein wärmendes Bierchen mit an Bord. Aber ist Erdmännchen nicht kalt? "Nein, überhaupt nicht! Das ist ein Wetter für alle Felle", meint Karnevals-Zwergmanguste Mario (27).

Passend zum Motto "40 Jahre Nettetal, mit Herz feiern wir Karneval" begab sich mancher auf Zeitreise. Die "Muurejubbel" erinnerten als Strickliesl mit blauer Perücke und gelben Strumpfhosen als fertige Strickwürste an vergangene Tage, und die Landjugend Hinsbeck gab im Stile der 80er-Jahre als "Police Academy" strenge Anweisungen, zur Seite zu treten. Der sympathische Gameboy-Held Super Mario war im "Level Schnee" der Jetzt-Zeit angekommen.

1. Yvonne Steiner: Schnecke 2. Marianne Tophofen: Sie hat zwei neben sich laufen 3. Melanie Peters: Waldschrat

1. Sindi Harlings: Erbsen und Möhren 2. Steffi Schumacher: Die Wetterwolken 3. Gerti Klinger: Die Sonnen

1. Andreas Pasch: Die Robots 2. Alex Hechler: Die Pinsel 3. Hanna Küppers: Die Schmetterlinge

Nils Wefers: Transformer

Die KG Jeck is net jenoch titelte "So fing vor 20 Jahren alles an" und schlüpfte in blaue und rosa Riesenstrampler. Einen Augenschmaus lieferten die Elferrats-Frauen der Brachter Wasserratten, die "Blumenzauber" versprachen und per Seilzug im Kleid zur roten Blüte aufgehen konnten.

Als Hippies und Blumen war der Freundeskreis "Wir" unterwegs: "Wir sind alle über 40" - ein schöner Wink zum Stadtjubiläum. Die Teefreunde Tohang baten mit Silbertabletts auf dem Kopf zur "teatime".

Vielleicht gab es ja einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und dem Soldaten Leon (8), der an der jecken Ecke Speck die Trommel schlug - war das etwa ein magischer Schneetanz? "Nein, ich trommle nur", kommentierte der Junge.

Höhepunkt in puncto Kostüm war die KG De molveren Dei Lötsch: Sie machte als Struwelpeter die Straßen unsicher. In ihren 93 Schaumstoffperücken waren über 17 Kilometer des leichten Materials verbaut, 750 Schaumstoffhaare pro Kopf.

Das Ende dann bestritt der Prinzenwagen mit Arthur I. (Omland) und Simone II. (Humml) an der Spitze - die Breyeller KG Die Unverwüstlichen bot einen tollen Anblick samt ihrer "Herzdamen".

Was blieb, waren zufriedene Narren, die gleich tütenweise Wurfmaterial gefangen hatten - vor allem natürlich die Kleinen. "Der Zug war groß, gut und hat sich gelohnt", zog Kamellefänger Luca ein Fazit.

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