Nützlich oder sinnlos? Bundesweit werden Straßen für das Programm „Street View“ fotografiert – auch in Oedt.

Rolf-Reiner Kopp wehrt sich gegen Fotos, die Google macht.
Rolf-Reiner Kopp wehrt sich gegen Fotos, die Google macht.

Rolf-Reiner Kopp wehrt sich gegen Fotos, die Google macht.

Kurt Lübke

Rolf-Reiner Kopp wehrt sich gegen Fotos, die Google macht.

Oedt. Stellen Sie sich vor, ein Foto Ihre Hauses ist im Internet gespeichert. Es zeigt alle Eingänge, es zeigt, welches Auto vor Ihrem Haus parkt - also viele sensible Infos. Wenn es nach Google ginge, sollen Internetnutzer künftig sämtliche Straßen Deutschlands auf ihrem Computer betrachten können.

Denn für das Google-Programm "Street View" fahren Aufnahmewagen auf Deutschlands Straßen, um Fotos zu schießen, die später die dreidimensionale Ansicht der Hausfronten ermöglichen sollen.

"Fotos von Wohngebieten machen es Dieben leicht."

Rolf-Reiner Kopp

So einem "Street View"-Fahrzeug ist Rolf-Reiner Kopp begegnet. Mittags entdeckte der Pensionär vor seinem Haus an der Niederstraße 96 einen VW-Golf mit einer seltsamen Apparatur. "Auf dem Fahrzeugdach war ein Gestell mit mehreren Kameras angebracht", erinnert sich Kopp. Er stellte den Fahrer zur Rede und fragte, was er in dem Wohngebiet suche - zumal Kopp in einer Stichstraße wohnt, die an einem Wendeplatz endet.

"Ich habe den Fahrer dann lautstark davon überzeugt, das Fotografieren sein zu lassen", sagt der Oedter. "Vermutlich war ich ihm ein Hindernis im Bild, da ich bewusst versucht habe, die Aufnahmen zu verhindern."

Dass die Fotos von Kopps Haus bald im Internet frei zugänglich sein könnten, bereitet dem Pensionär Bauchschmerzen. "Wenn eine belebte Straße wie der Ostwall in Krefeld aufgenommen wird, ist das verständlich.

Street View ist eine Funktion von Google Maps, die es ermöglicht, 360-Grad-Panorama-Fotos auf Straßenniveau anzusehen und so Städte auf der ganzen Welt im Internet zu besichtigen.

Noch ist "Street View" in Deutschland nicht gestartet. Der Konzern hat versprochen, bei allen Aufnahmen, gegen die Widerspruch eingelegt wird, auch die Rohdaten unkenntlich zu machen - innerhalb einer Frist von höchstens zwei Monaten. Wie auch in anderen Ländern werden zudem alle Gesichter und Autokennzeichen auf veröffentlichten Fotos unkenntlich gemacht.

Man kann Widerspruch gegen die Veröffentlichung eines bestimmten Bildes auf Street View einlegen; E-Mail: streetview- deutschland@google.com

Aber Fotos von einem reinen Wohngebiet wie hier interessieren nur bestimmte Leute - nämlich Kriminelle." "Denen werden mit solchen Sachen Türen geöffnet", fügt Kopp hinzu. "Nicht zuletzt zeigen die Fahrzeuge vor einem Haus doch, ob es sich lohnt, dort einzubrechen."

Rolf-Reiner Kopp ist nun aktiv geworden und hat per E-Mail bei Google Street View Beschwerde eingelegt. Daraufhin erhielt er zwar zunächst nur eine automatische Bestätigung - "wichtig ist aber der Vorgang selbst". Nun ruft der Oedter andere Hausbesitzer auf, es ihm gleichzutun und bei dem amerikanischen Internet-Riesen Einspruch einzulegen. Dies könne auch im Vorfeld geschehen - also auch, wenn das Kamera-Fahrzeug noch nicht gesichtet worden ist.

Auf der Internetseite von Google gibt man sich optimistisch, was den Start von "Street View" in Deutschland angeht: "Anfang dieser Woche sind wir in dem Dialog mit dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit zu einem Ergebnis gelangt.

Wir haben uns verpflichtet, die letzten verbleibenden datenschutzrechtlichen Forderungen zu erfüllen. Auf dieser Grundlage werden wir in nächster Zukunft Street View auch in Deutschland verfügbar machen können. Gegenwärtig ist jedoch noch kein konkretes Datum bekannt."

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