Sechste Klasse der Gesamtschule macht bei einem Handicap-Training in der Altstadt mit.

Unter anderem in Rollstühlen machten sich die Schüler auf den Weg durch die Altstadt.
Unter anderem in Rollstühlen machten sich die Schüler auf den Weg durch die Altstadt.

Unter anderem in Rollstühlen machten sich die Schüler auf den Weg durch die Altstadt.

Kurt Lübke

Unter anderem in Rollstühlen machten sich die Schüler auf den Weg durch die Altstadt.

Kempen. Es rumpelt und klappert. Der Rollstuhl ist kurz davor umzukippen. In dem Gefährt sitzt aber kein behinderter Mensch, sondern ein Schüler, der versucht, den Rollstuhl mit eigener Kraft über das Pflaster des Buttermarktes zu bewegen.

Das war eine der Erfahrungen, die 28 Schüler der Klasse 6 c der Kempener Gesamtschule am Montag gemacht haben. Sie nahmen an einem HandicapTraining teil, das der Kempener Kinderschutzbund organisiert hat. Rund fünf Stunden lang gingen die Mädchen und Jungen „gehandicapt“ durch die Altstadt. Sie waren entweder mit verbundenen Augen, Gehörschutz oder im Rollstuhl unterwegs, um so nachzuempfinden, welchen Problemen behinderte Menschen ständig ausgesetzt sind.

Vermeintlich leichte Aufgaben werden plötzlich schwer

Angeleitet wurden sie dabei von den Mitarbeitern der Xpad Abenteuer- und Erlebnispädagogik. Sie gaben den Schülern vermeintlich leichte Aufgaben wie Schuhe kaufen, Briefmarken an einem Automaten ziehen oder einfach nur spazieren gehen mit auf den Weg. Mit Handicap merkten die Teilnehmer schnell, wie schwer solche Alltagssituationen plötzlich werden können.

Teil des Konzeptes war dabei, dass die Schüler in Zweier-Teams unterwegs waren und nacheinander alle drei Handicap-Situationen übernahmen. „Die Schüler müssen sich aber erst einmal an die Einschränkungen gewöhnen“, sagt Sara Bäckler von Xpad. Anfangs sind die Kinder auch unsicher. „Was machen wir, wenn uns jemand fragt, was passiert ist?“ – so eine Schülerin, die sich mit einem Rollstuhl auf den Weg durch die Altstadt machen wird.

Nach Meinung des Kinderschutzbundes ist die Altstadt gut dafür geeignet, um verschiedene Hürden für Menschen mit Behinderung aufzuzeigen. Das Straßenpflaster und die verwinkelten Gässchen machen es den Teilnehmern am Handicaptraining schwer, voranzukommen. „Kempen ist aber auf einem guten Weg. Ein Beispiel dafür ist die neue Judenstraße“, sagt Martin Beyel, Schatzmeister beim Kempener Kinderschutzbund.

Es ist kein Zufall, dass die Klasse 6c der Gesamtschule als erste an dem Projekt teilgenommen hat. Denn die Schüler haben sich schon vor einem Jahr mit dem Thema Handicap befasst, als sie im Unterricht das Buch „Vorstadtkrokodile“ gelesen haben, in dem es um einen Jungen geht, der wegen seiner Querschnittslähmung im Rollstuhl sitzt. Auf ihrem Schulhof fanden die Kinder dann viele Unebenheiten, die für Behinderte zum Problem werden könnten, und auch Eingänge, die nicht barrierefrei waren. Sie schrieben daraufhin einen Brief an Bürgermeister Volker Rübo, mit der Bitte um Hilfe, die sie dann auch bekamen. Der Boden des Schulhofes ist jetzt eben und an den Eingängen gibt es für Rollstuhlfahrer Rampen. Im nächsten Sommer soll der Gebäudeteil, in dem sich die Fachräume befinden, einen Aufzug bekommen.

Das erste Training soll übrigens nur der Anfang des Projektes gewesen sein. „Wir planen, die Reihe mit weiteren Schulklassen aus Kempen fortzusetzen“, sagt Beyel. Angedacht ist dafür das Frühjahr des nächsten Jahres.

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