Wie fährt sich eigentlich ein E-Bike? WZ-Redakteur Peter Korall hat den Selbstversuch gemacht.

Peter Korall vor dem Start an der WZ-Redaktion. Er war an drei Tagen jeweils mehrere Stunden unterwegs.
Peter Korall vor dem Start an der WZ-Redaktion. Er war an drei Tagen jeweils mehrere Stunden unterwegs.

Peter Korall vor dem Start an der WZ-Redaktion. Er war an drei Tagen jeweils mehrere Stunden unterwegs.

Auf dem Weg nach Mülhausen.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Peter Korall vor dem Start an der WZ-Redaktion. Er war an drei Tagen jeweils mehrere Stunden unterwegs.

Kempen. „Hier stellt man es an.“ Fahrradhändler Markus Claßen drückt eine Taste an der Anzeige des E-Bikes. Der Sattel hat die richtige Höhe – es kann losgehen. Ich will nicht gemächlich und ohne Krafteinsatz durch die Gegend radeln, sondern habe ein ganz praktisches Anliegen: Macht es Sinn, den Weg zur Arbeit von Lobberich nach Kempen in die Redaktion mit dem Fahrrad zu absolvieren? Wie viel länger dauert die 14 Kilometer weite Fahrt, gemessen am Auto? Komme ich vielleicht so ins Schwitzen, dass ich eigentlich eine Dusche brauche?

Testobjekt ist ein Vorführmodell von Zweirad Claßen. „Sie haben vier Stufen für den Elektro-Motor“, erklärt Markus Claßen: „Eco, Tour, Sport und Turbo.“ Er stellt es auf Eco ein, zur Gewöhnung. „Sie werden so um die 16 bis 17 Stundenkilometer schnell fahren“, prognostiziert er.

Da liegt er verkehrt, wie sich schon bald herausstellen wird. Weil der Test in Kempen beginnt, läuft die Tour quasi rückwärts, beginnt mit Büroschluss. Ich verlasse die Stadt über die Ellenstraße, überquere den Altstadt-Ring und bin auf der Mülhauser Straße. Inzwischen habe ich auf „Turbo“ geschaltet und den siebten Gang eingelegt. Schließlich geht’s nicht darum, dass ich ein Fitness-Training absolviere, sondern dass ich so schnell wie möglich vorwärts komme.

Was funktioniert. Es gelingt mir, Tempo 25 km/h zu halten. Darüber hinaus macht es nicht mehr so viel Sinn, weil der Elektromotor dann abschaltet. Dennoch, der Druck, den ich aufs Pedal gebe, ist so, als würde ich mit einem „normalen“ Rad 14 oder 15 km/h schnell fahren. Das gibt so ein angenehmes Gefühl von körperlicher Betätigung.

In der heimischen Garage den Akku aufladen

Während ich das Tempo gut halten kann, geht’s über Klixdorf und Mülhausen Richtung Grefrath, wo ich nach knapp 20 Minuten eintreffe. Obwohl ich quer durch den Ort muss, verliere ich kaum an Durchschnittsgeschwindigkeit, weil ich nur selten stoppen muss. Das wird auf der gewählten Route bis zur Ankunft so bleiben.

Zwischen Penny und Aldi in Grefrath geht’s auf die frühere Bahntrasse. Die Steigung Richtung Schlibeck meistere ich mit den schon gewohnten 25 km/h. Und ja, ich fange mir den ein oder andere giftigen Blick ein, der mir sagen will: „Was du da nutzt, ist Technik-Doping.“ Das kommt dann von Menschen, die sich mit zwölf oder 13 Stundenkilometer sichtlich angestrengt den Berg hoch quälen.

Nach 36 Minuten ist es geschafft – ich setze das Rad in die heimische Garage und klemme den Akku an die Steckdose. Ich bin ein wenig verschwitzt, aber nicht klatschnass. Wäre die Fahrt in Richtung Büro gegangen, müsste ich trotzdem nicht duschen. Vorsichtshalber würde ich dort ein frisches Unterhemd deponieren.

Wie die Fahrt in die Redaktion funktioniert, teste ich am nächsten Morgen. Es ist kurz nach 9 Uhr, als ich mich auf den Weg mache, eine Zeit, in der die Temperaturen noch sehr moderat sind. Ich verlasse allerdings Lobberich über eine andere Route. Was zur Folge hat, dass ich das ein oder andere Mal an einer Ampel warten muss. Deswegen entscheide ich mich am Schlibecker Berg, auf die alte Bahntrasse Richtung Grefrath zu wechseln.

Problematisch wird’s ab dem Ortsausgang Grefrath Richtung Mülhausen. Hunderte Schüler, gefühlt sogar tausende, kommen mir auf einem Radweg entgegen, für den der Ausdruck „Geländepiste“ noch ein Kompliment ist. Zusätzlich zu den Löchern und Hubbeln, die er aufweist, muss ich permanent Schülern ausweichen und dafür auch ins Gras fahren.

Die Jungs – so scheint es – sind grundsätzlich unaufmerksam und weichen, wenn überhaupt, dann erst sehr spät aus. Die Mädels sind teilweise mit ihren Smartphones beschäftigt, da ist WhatsApp natürlich interessanter als die Kohlenstoff-Realität ringsum. Ich vermute – Achtung: Ironie – dass die Schülerinnen eine App zum automatischen Geradeausfahren haben. Auf diesem Teilstück würde ich in ähnlicher Situation die Fahrbahn benutzen, auch wenn das verboten ist.

Fazit: Das unterstützte Fahren hat einiges für sich

Trotz solcher kleinen Widrigkeiten – auch beim Autofahren gibt’s schließlich schon mal Stress – die Fahrten sind entspannend. Und 14 Kilometer sind so zügig zurückgelegt. 36 Minuten mit dem Rad. Dagegen stehen 21 Minuten mit dem Auto, plus fünf Minuten Gehweg vom Parkplatz. Es gibt keinen Grund, das Rad nicht zu benutzen. Selbst wenn tagsüber Termine anstünden – etwa in Vorst oder Oedt – wären diese gut zu absolvieren.

Und wenn wirklich das Wetter am Abend ungeahnte Kapriolen schlagen würde, gibt’s eine verblüffende Lösung: den Bus. Der bringt mich in 25 Minuten nach Lobberich.

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