Nettetal wagt den Blick in andere Kommunen. Im Rathaus diskutieren Experten über Jugendamt und Familienpass.

Lobberich. Zustände sind das, die auch Nettetal gut zu Gesicht ständen: In jedem Stadtteil Kindertreffs in Verbindung mit Offenen Ganztagsschulen. Doch das Modell der Stadt Witten, vorgestellt bei der Veranstaltung "Bündnis für Familie" am Donnerstagabend im Rathaus, kann "für uns in Nettetal, im ländlichen Raum, nur eine Anregung sein", meinte CDU-Ratsherr Axel Witzke.

"Ohne die Eltern ist die ganze Sozialarbeit für die Katz."

Elisabeth Jongmanns, Leiterin Jugendheim Spielecafé Kaldenkirchen

Nicht nur für ihn standen noch andere Fragen im Vordergrund: Die Einrichtung eines eigenen Jugendamtes, die Einbeziehung der Eltern in die Jugendpflege, die Suche nach Sponsoren.

Seit fünf Jahren wächst das Bündnis für Familie in Nettetal, Familienzentren sind bekannte Beispiele. "Kinder und Familie haben in Nettetal einen besonderen Stellenwert, das ist ein zukunftsweisendes Thema", sagte Bürgermeister Christian Wagner bei der Begrüßung der knapp 100 Teilnehmer aus Kindertagesstätten, Sozialverbänden, Schulen und Initiativen. Weshalb man auch nach gelungenen Beispielen in anderen Kommunen suche.

Was hat Nettetal noch nicht, was andere Städte und Gemeinden längst praktizieren? In Vorträgen und Workshops gab’s jede Menge Anregungen und Beispiele. Darunter das Wittener Modell, vorgestellt in einem ausführlichen Referat, das den Zeitplan des Abends durcheinander brachte. Nicht durcheinander bringen ließen sich die Zuhörer, hinterfragten kritisch, was für Nettetal wichtig wäre.

Das Bündnis für Familie wurde in Nettetal 2005 ins Leben gerufen. Einbezogen sind Einrichtungen kommunaler und freier Träger, Verbände, Vereine, Initiativen. Ansprechpartner bei der Stadt ist Familienmanager Heinz-Gerd Schummers.

Beim rund dreistündigen Infoabend wurden Projekte vorgestellt wie "Bündelung der Freizeitangebote" in Langenfeld, "Stärkung des Wirtschaftsstandorts durch Familienfreundlichkeit" in Aachen, "Familienpass" in Schmallenberg, "Familienjobbörse" in Raesfeld, "Gewaltprävention Faustlos" in Nettetal.

Als sinnvolle Maßnahmen für Nettetal schlugen Teilnehmer vor: die Vernetzung der sozialen Angebote und Freizeitmöglichkeiten, Sponsorensuche und vor allem die Einrichtung eines eigenen Jugendamtes. Über die Einführung eines Familienpasses mit Gutscheinen soll ein Arbeitskreis beraten.

"Wir müssen die Eltern mehr mit einbeziehen, damit die Kinder nicht einfach in Einrichtungen abgeschoben werden", forderte Stefan Pläp vom Lobbericher Jugendzentrum Arche. Seine Kollegin Elisabeth Jongmanns, Leiterin des evangelischen Jugendheims Spielecafé Kaldenkirchen, ergänzte: "Ohne die Eltern ist die ganze Sozialarbeit für die Katz."

Doch Nettetal hat "bereits einiges zu bieten, es fehlt vielleicht noch die Bündelung", sagte der Nettetaler Familienmanager Heinz-Gerd Schummers. Das sah auch Renate Dyck (SPD) so, mahnte aber konkrete Hilfen für allein erziehende Mütter an. Axel Witzke zeigte sich beeindruckt, dass in Witten eine große Möbelfirma die Familienarbeit als Sponsor unterstützt: "Wir haben in Nettetal auch große Firmen, sollten intensiv nach Sponsoren suchen." Entscheidend aber sei nun, "endlich das Thema eigenes Jugendamt in Nettetal anzugehen".

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