Einstimmig war das Votum der Politiker für die geplante Produktion von Mineralwasser im Speckerfeld.

Auf diesem Gelände zwischen Dülkener Straße (links) und A61 soll das neue Minerallwasserwerk entstehen.
Auf diesem Gelände zwischen Dülkener Straße (links) und A61 soll das neue Minerallwasserwerk entstehen.

Auf diesem Gelände zwischen Dülkener Straße (links) und A61 soll das neue Minerallwasserwerk entstehen.

Frank Hohnen

Auf diesem Gelände zwischen Dülkener Straße (links) und A61 soll das neue Minerallwasserwerk entstehen.

Lobberich. Erst ein Gerücht, dann Gesprächsthema in der ganzen Stadt - und nun ist es amtlich: In Nettetal könnte die Firma MEG aus Sachsen-Anhalt Europas modernstes Mineralwasser-Werk mit 200 Arbeitsplätzen errichten und jährlich 750 Millionen Kubikmeter Breyeller Grundwasser fördern.

Grünes Licht dafür gab am Donnerstagabendder Haupt- und Finanzausschuss im Rathaus. Die letzte Entscheidung allerdings ist damit noch nicht gefällt.

"Es geht im Kern nur um einen Grundstücksverkauf", stellte Bürgermeister Christian Wagner gleich zu Anfang klar. Und meinte damit: Solch ein Vergabe-Verfahren werde "eigentlich nicht öffentlich" diskutiert.

Doch seit erste Informationen durchsickerten, sorgten sich immer mehr Bürger um die Trinkwasserversorgung. Darum wolle man das Verfahren "transparent machen". Und tatsächlich waren alle Zuschauerplätze im Sitzungssaal besetzt.

Die entscheidende Frage im Ausschuss: Ist die Trinkwasserversorgung in Nettetal gefährdet, wenn solche Wassermengen in Speckerfeld zwischen Autobahn 61 und Bundesstraße 7 gefördert werden?

"Es wird nur so viel Wasser entnommen, wie nachfließen kann."

Hans-Willy Troost, FDP-Ratsherr

Die Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke (MEG) aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt, eine Tochter des Discounters Lidl, ist nach eigenen Angaben mit zwölf Prozent Marktanteil Deutschlands größter Mineralbrunnenverbund. Produktion: 19 Millionen Hektoliter pro Jahr.

MEG möchte im Speckerfeld Europas modernstes Werk für Mineralwasser-Produktion errichten und 750000 Kubikmeter Wasser pro Jahr fördern. 100 Millionen Euro sollen investiert, 200 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Förderrechte für Trinkwasser in Nettetal liegen bei den Stadtwerken. Die Gesamtfördermenge aus den 3,6 Millionen Kubikmetern Wasser liegt bei 2,5 Millionen pro Jahr, davon 811000 Kubikmeter in Breyell.

Eigentümer des Grundstücks ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen. Am Donnerstag wurde in nicht öffentlicher Sitzung die Baukonzession durch die Stadt Nettetal erteilt. Im Planungsverfahren prüft die Verwaltung unter anderem, ob das Vorhaben mit dem Trinkwasserkonzept für Nettetal übereinstimmt. Das Verfahren kann etwa anderthalb Jahre dauern.

Politik und Verwaltung hatten vorab Experten der Stadtwerke und des Geologischen Dienstes Krefeld zurate gezogen. "Es wird nur so viel Wasser entnommen, wie nachfließen kann", fasste Hans-Willy Troost (FDP) das Ergebnis zusammen.

Keine Einbußen bei der Wasserqualität, keine Mehrkosten für die Bürger - nur unter diesen Voraussetzungen "kann der Investor seine Förderung beantragen", erläuterte Wagner.

Letztlich entscheide die Bezirksregierung in Düsseldorf, vertreten durch die Untere Wasserbehörde des Kreises Viersen. Bei einer Ablehnung trage "der Investor alle Kosten des Verfahrens".

Vor allem die Aussicht auf 200 Arbeitsplätze überzeugte den Ausschuss. Guido Gahlings (Grüne) schränkte ein, zwar sei die Lidl-Tochter MEG bislang keine Vorzeigefirma in Sachen Recycling; gebrauchte Kunststoffflaschen würden nach Asien exportiert oder gelagert:

"Aber uns wurde zugesagt, dass langfristig 50 Prozent der Flaschen wieder in den Kreislauf kommen sollen."

Einstimmig empfahl der Ausschuss "dem Rat, die Investitionen durch das Unternehmen aus der Mineralwasserbranche grundsätzlich zu befürworten". Das sei jedoch nur ein erster Schritt, hob Günter Werner (CDU) hervor: "Wir leiten das Verfahren ein, mehr nicht."

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