Altweiber: Die Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps will Jugendliche vom Alkoholmissbrauch abhalten. Polizei und Ordnungsamt sind auf Vollrausch und Randale vorbereitet.

Jugendliche sollen feiern dürfen, findet Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps– und setzt auf Aufklärung.
Jugendliche sollen feiern dürfen, findet Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps– und setzt auf Aufklärung.

Jugendliche sollen feiern dürfen, findet Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps– und setzt auf Aufklärung.

dpa

Jugendliche sollen feiern dürfen, findet Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps– und setzt auf Aufklärung.

Lobberich. Schnapsleichen und Schlägereien: Wenn Jugendliche Karneval feiern, droht Randale. Gegen solche Vorurteile wehrt sich Marie-Luise Hellekamps: "Da werden oft Einzelfälle aufgebauscht. Sollen wir etwa den Jugendlichen den Karneval verbieten?" Für Nettetals Streetworkerin "kommen alkoholisierte Menschen leider in jeder Altersgruppe vor". Weil aber solche Vorfälle unter Jugendlichen gerade am Altweiberdonnerstag häufiger passieren, ist Hellekamps beim Rathaussturm in Lobberich im Einsatz. Und nicht nur sie.

Beschönigen möchte Marie-Luise Hellekamps nichts: "Natürlich nutzen Jugendliche zu Karneval die Gelegenheit, sich voll die Kante zu geben, das wird ihnen ja zum Teil auch vorgelebt." Im letzten Jahr allerdings ging’s rund ums Rathaus, wo sich traditionell hunderte Jugendliche treffen, heftig zu: Volltrunkene haben mit Lärm und Randale die Stadt aufgeschreckt.

"Ich bin ein Karnevalsjeck und feiere abends selbst."

Marie-Luise Hellekamps, Streetworkerin

Am Donnerstag beim Möhnen-Sturm sind deshalb Bereitschaftsdienste von Polizei und Ordnungsamt sowie Sanitäter vor Ort. Elternbriefe und Gespräche in Schulen sollen Alkoholmissbrauch vorbeugen helfen; Geschäftsleute wurden ans Jugendschutzgesetz erinnert: Kein Alkohol an Minderjährige!

Mittendrin im Treiben: Streetworkerin Hellekamps und Mitarbeiter der Nettetaler Jugendheime. "Ordnungsbehörden müssen reglementieren, das ist okay, aber wir haben einen anderen Ansatz", erklärt sie. "Gutes Zureden, vorbeugend wirken, darauf kommt es an, wenn Jugendliche, vor allem Minderjährige, zur Flasche greifen wollen."

Hellekamps und ihre Kollegen kennen ihre Pappenheimer, wollen partnerschaftlich helfen, damit Ordnungshüter gar nicht erst eingreifen müssen. "Aber wenn Jugendliche durchs Trinken out of control sind, sollten sie behutsam, mit Respekt versorgt werden. Darauf haben auch junge Menschen Anspruch."

Weil Alkohohl enthemmt, verteilen Hellekamps und ihre Kollegen 1000 Kondome, "damit nicht hinterher noch andere Folgen auftreten". Hellekamps wird an Altweiber von morgens bis abends für die jungen Leute in Lobberich da sein. Ist das selbst für eine erfahrene Streetworkerin ein langer Tag? "Quatsch", lacht sie, "abends geht’s erst richtig los. Ich bin ein Karnevalsjeck und feiere dann selbst, ist doch klar."

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