Altweiber: Die Narren sind los: Nachdem der Bürgermeister den Schlüssel der Stadt abgab, stürmen mehr als 100 Möhnen das Rathaus.

Lobberich. Dieser Tag gehörte den Frauen. Sie kamen von nah und fern, maskierten sich und übernahmen das Rathaus-Regiment. 103 Möhnen. Ihr Ziel: Die weltliche Macht. Ihre Waffen: Klobürsten, Regenschirme und hölzerne Pritschen. Andere Damen kamen unmaskiert, aber nicht ohne Verkleidung auf den Doerkesplatz und nahmen am jecken Geschehen vor den Amtstoren teil. Sie wollten schön sein, wollten Macht und Anmut beweisen - und griffen dabei zu ungewöhnlichen Mitteln: Da wurden Autoaußenspiegel zu Schminkstübchen und Freunde zu Getränkehaltern umfunktioniert.

"Karneval in Nettetal ist wunderbar. Denn hier feiern alle zusammen und keiner ist allein", waren sich Elfe Dennis (19), Eisbär Philipp (20) und Schmetterling Melina (17) einig. Dennoch gab es Kritik: "Der Spaß auf der Straße ist ja schön und gut, aber besseres Wetter wäre durchaus angesagt."

Tatsächlich entpuppte sich Petrus zum Auftakt des diesjährigen Straßenkarnevals nicht als Freund der Narren. Bei Schneeregen und eisigem Wind erlebten Jung und Alt dennoch eine tolle gemeinsame Zeit.

"Als Möhne kann man alles machen, was man will."

Möhne im Rathaus

Die Möhnen indes ließen sich Zeit. Sie kamen nicht pünktlich um 17.11 Uhr auf den Platz und ins Rathaus gestürmt, sondernhatten fünf Minuten Verspätung. Ihrer Stimmung tat das aber keinen Abbruch: "Man kann alles machen, was man will: Sich hinter Masken verstecken und die Männer ärgern", weiß die zehnköpfige Möhnengruppe, die natürlich unerkannt bleiben will, auf ihrem Weg ins Rathaus.

Bereits vorher hielt Bürgermeister Christian Wagner eine Rede an "sein" Volk, in der er um die Unterstützung seines Hauses gegen die herannahende Meute alter Weiber bat. Doch gerade Männer verhinderten das. Die guten Geister der Nettetaler Feuerwehr machten den Weg zum Rathaus für die Möhnen frei. Letztlich musste Wagner dann doch den Stadtschlüssel aushändigen.

Das Prinzenpaar Thomas II. und Vera I. fuhr traditionell per Drehleiter ans Rathausfenster, wobei der Prinzessin die Beine schlotterten: "Ich habe Höhenangst", verriet sie. Dann regnete es Kamelle und Schneeflocken- und das Narrenvolk war zufrieden.

Darunter waren auch viele junge Leute, die ebenso feiern wollten. Damit dies reibungslos und ohne große Alkohol-Eskapaden über die Bühne ging, waren Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps und Mitarbeiter sämtlicher Nettetaler Jugendheime zusammen mit Polizei und Ordnungsamt im Einsatz.

"Wir helfen da, wo Jugendliche in Not geraten", sagt Erich von Rauchhaupt vom Jugendheim Hinsbeck. Sie unterbanden hohen Alkoholkonsum möglichst schon vorher und griffen bei Bedarf ein. Aber es blieb ruhig - die Präsenz zeigte Wirkung. Und so erlebte auch die Netzgiraffe Melina (8) einen fröhlichen Start in den Straßenkarneval 2009.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer