Kempener kamen am Bürgerhaus mit Flüchtlingen ins Gespräch.

Trotz des schlechten Wetters hatten die Besucher des Grillfestes einen schönen Tag.
Trotz des schlechten Wetters hatten die Besucher des Grillfestes einen schönen Tag.

Trotz des schlechten Wetters hatten die Besucher des Grillfestes einen schönen Tag.

Kurt Lübke

Trotz des schlechten Wetters hatten die Besucher des Grillfestes einen schönen Tag.

St. Hubert. Das Multi-kulturelle Forum Kempen hatte eingeladen und die Besucher des Sommergrillfestes am Bürgerhaus Voesch ließen trotz des wenig sommerlichen Wetters nicht lange auf sich warten. Das Schöne an dem zwanglosen Beisammensein: Kempener kamen mit Menschen aus anderen Ländern ins Gespräch. Ein wenig zäher entwickelten sich die Kontakte zwischen den unterschiedlichen Ethnien. Es war eine sehr harmonische Veranstaltung und sie spiegelt die Erfahrungen wider, die die unterschiedlichsten Akteure mit Flüchtlingen machen.

Kinder gehen vorurteilsfrei miteinander um

Stefanie Kiefer vom Kindergarten Tabaluga, der Teil des Familienzentrums St. Hubert ist, kümmerte sich am Sonntagnachmittag vor allem um die Kinder. Ihre Erfahrungen, die sie im Berufsalltag immer wieder macht: „Kinder von Asylbewerberfamilien werden von den anderen Kindern vorurteilsfrei aufgenommen.“ Umgekehrt „versuchen Flüchtlingsfamilien schon, wertschätzend mit der deutschen Kultur umzugehen“.

Aussehen wurde Homa im Iran zum Verhängnis

Homa kommt aus dem Iran. Der 46-Jährigen war ihr Aussehen zum Verhängnis geworden. Sie schminkte sich, trug moderne Kleidung und wurde deshalb immer wieder verhaftet. Die geschiedene Frau, Mutter einer 20-jährigen Tochter und eines 25 Jahre alten Sohnes, hat ihren Schritt, nach Deutschland zu kommen, nicht bereut: „Ich bin sehr glücklich, hier leben zu dürfen.“

Kritik am Regime bedeutet Lebensgefahr

Amin (24), ebenfalls aus dem Iran, hatte sich im Internet negativ über die iranische Regierung geäußert und sich damit in Lebensgefahr begeben. Er spricht schon sehr gut Deutsch und möchte das Erlebte in einem Buch verarbeiten. Arsem kam mit Frau und Kind als Christ aus Armenien. Der 25-Jährige, der Anfang September zum zweiten Mal Vater wird, möchte sein Abitur nachmachen und Wirtschaftswissenschaften studieren. In seiner Heimat hat er als Koch gearbeitet. Mit einer Roma-Familie am selben Tisch in Kontakt zu treten, stellte sich für den kontaktfreudigen Flüchtling aus sprachlichen Gründen als nicht ganz einfach heraus.

Wenn Flüchtlinge wie Homa sagen, die Menschen seien hier sehr nett, dann meinen sie sicher auch die Mitglieder des Arbeitskreises Multi-kulturelles Forum wie Alice Alves Poeira, die einst aus Portugal kam oder Jeyaratnam Caniceus aus Sri Lanka. Das Ratsmitglied der Grünen und seine Familie sind ein Musterbeispiel für gelungene Integration.

Stoffels kritisiert Dauer der Bearbeitung von Asylanträgen

Michael Stoffels, pensionierter Gymnasiallehrer und im Flüchtlingsrat aktiv, fungierte als Chauffeur. Gegenüber der WZ kritisierte er die schleppende Bearbeitung der Asylanträge: „Es gibt Asylbewerber, die warten schon über ein Jahr auf eine Anhörung beim Bundesamt für Flüchtlinge und Integration. Das ist sehr zermürbend und die ursprünglich hohe Motivation, einen Job anzunehmen, sinkt mit der Zeit.“

Die Stunden im Bürgerhaus Voesch waren alles andere als zermürbend: Kinder kreischten vor Begeisterung über die Spielsachen wie die Pedalos vom Kempener Jugendamt. Den Erwachsenen schmeckte das Gegrillte ebenso wie die Salate.

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