Im Hospital ist die Geburtsstation für eine Million Euro saniert worden. Am Sonntag ist offene Tür.

Kempen. Das Hospital zum Heiligen Geist hat dort investiert, wo das Herz eines Krankenhauses schlägt: in der Station, in der die Kinder geboren werden. Und das sind in Kempen immerhin 500 Neugeborene pro Jahr.

Nach viermonatiger Bauzeit ist die Kernsanierung der Geburtshilfe-Abteilung abgeschlossen. Chefarzt Dr.Hajo Wilkens und Geschäftsführer Friedhelm Sicking stellten die Station im ersten Stock des Krankenhauses an der von-Broichhausen-Allee1 gestern der Presse vor. Am Sonntag können die Kempener sich ein Bild machen, in welchem Ambiente künftig ihre Babys zur Welt kommen.

"Es ist ein Ruck durchs Haus gegangen."

Dorothee Linnartz, Pflegedienstleiterin

"Wir haben uns dazu durchgerungen, nicht weiter zu flicken, sondern der Station ein komplett neues und modernes Gesicht zu geben", sagt Sicking. Diese Maßnahme stellt den Auftakt einer über mehrere Jahre gestaffelten Sanierungsfolge dar, in der sämtliche Stationen des Hospitals umgekrempelt werden sollen. In Zeiten von Geburten-Tourismus- in der Region konkurriert Kempen mit den Häusern in Viersen, Krefeld und Moers- habe man mit dieser Abteilung begonnen.

"Wir haben festgestellt, dass ein Ruck durchs Haus gegangen ist", sagt die Pflegedienstleiterin Dorothee Linnartz. Im 279-Betten-Haus mit seiner 500-köpfigen Belegschaft spüre man die Begeisterung durch den Startschuss in der Geburtshilfe.

Chefarzt Dr.Wilkens macht deutlich, dass seine Station nun "nicht mehr den Charme der 80er" ausstrahlt. Vielmehr über den hohen medizinischen Standard hinaus ein "Geburtserlebnis" schafft, in dem Mutter, Kind und natürlich Vater wie Verwandte und Freunde eine Wohlfühl-Oase vorfinden.

Für kritische Fälle gibt es eine Partnerschaft mit Krefeld

Die Kernsanierung der Geburtshilfe-Abteilung hat knapp eine Million Euro gekostet. 318 000 Euro davon stammen aus dem KonjunkturpaketII. Dieses Geld stellt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bereit.

Künftige Sanierungen finanziert das Krankenhaus aus Eigenmitteln sowie über die sogenannte Baupauschale. Das sind Fördermittel des Landes. Seit 2008 werden die 419 Krankenhäuser in NRW aus einem 190-Millionen-Euro-Topf im Jahr gefördert. Vor 2008 mussten die Häuser Anträge stellen, was häufig zu einem Investitionsstau führte. Die Baupauschale funktioniert so: Die Hospitäler werden nach dem Leistungsprinzip gemessen und entsprechend bezuschusst aus Düsseldorf. Heißt: Wer gute Qualität gewährleistet, bekommt mehr Geld. "Das unterstützt die unternehmerische Freiheit", befürwortet der Kempener Hospital-Direktor Friedhelm Sicking diese Umstellung. Für Kempen bedeutet das, dass jährlich im Schnitt eine halbe Millionen Euro aus NRW-Mitteln an die von-Broichhausen-Allee1 fließt.

Dazu gehören frische Farben an den Wänden mit Bildern des Krefelder Künstlers Achim Lehmann ebenso wie Stillzimmer, Spielzimmer und Schwestern-Stützpunkt.

Damit trägt das Hospital Trends Rechnung. Beispielsweise, dass die Mütter reifer und damit anspruchsvoller geworden sind, die Zahl an Unterwasser-Geburten und Kaiserschnitten steigt und Faktoren wie "multifunktionale Gebär-Landschaft" oder Klinik-Nähe wichtiger geworden sind. Zur "Gebär-Landschaft" zählen Dinge wie komfortables Bett, ein Seil zum Ziehen während der Geburt, ein netter Rückzugsbereich oder ein Gebärhocker.

Apropos Kliniknähe: Wenn sich eine Frühgeburt ankündigt oder die Mutter eine Krankheit wie Diabetes mitbringt, hat Kempen eine Partnerschaft mit dem Krefelder Klinikum. Außerdem sind die niedergelassenen Kinderärzte Geuchen/Brenner regelmäßig im Hospital.

Zur Abteilung gehören neben zwei Kreißsälen mehr als ein Dutzend attraktiver Zimmer, so dass bis zu 25 Mütter gut versorgt werden können. "Das dürfte aber bei im Schnitt 1,3 Geburten pro Frau heutzutage die Ausnahme sein", sagt Wilkens.

Im medizinischen Bereich kümmern sich acht Ärzte, ein Hebammen-Team und 18 (Kinder-)Krankenschwestern um das Wohl von Mutter und Kind. Sie haben auch im Blick, dass die Mütter nach der Entbindung immer schneller wieder nach Hause wollen. Wilkens: "Aber mit Augenmaß, das ist von Fall zu Fall anders."

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