Bis Aschermittwoch ist die Beamtenhochburg in der Hand der Jecken. Vor der Kapitulation gab es am Sonntag hitzige Gefechte.

Erbitterte Kämpfe lieferten sich am Sonntagmittag Karnevalisten und Rathaus-Belegschaft. Nach zähem Widerstand mussten die Beamten den Jecken schließlich das Feld räumen.
Erbitterte Kämpfe lieferten sich am Sonntagmittag Karnevalisten und Rathaus-Belegschaft. Nach zähem Widerstand mussten die Beamten den Jecken schließlich das Feld räumen.

Erbitterte Kämpfe lieferten sich am Sonntagmittag Karnevalisten und Rathaus-Belegschaft. Nach zähem Widerstand mussten die Beamten den Jecken schließlich das Feld räumen.

Friedhelm Reimann

Erbitterte Kämpfe lieferten sich am Sonntagmittag Karnevalisten und Rathaus-Belegschaft. Nach zähem Widerstand mussten die Beamten den Jecken schließlich das Feld räumen.

Kempen. "Der Beamtenmief bleibt hier im Haus, drum kommen wir auch nicht raus", war am Sonntag auf dem Buttermarkt zu lesen. Eine weitere Parole, die auf einen hartnäckigen Kampf schließen ließ: "Das Rathaus hat "’nen festen Stand, drum kommt es nicht in Narrenhand."

"Jetzt fällt mir nichts mehr ein."

Otto Birkmann, Vize-Bürgermeister, nach der Kapitulation

Von wegen: Gegen 14.30 Uhr war es nach langen gegenseitigen Verspottungen so weit: Plötzlich zeigten sich Mitglieder der Kempener Prinzengarde am Fenster im 1.Stock des Rathauses - Stadtpressesprecher Christoph Dellmans hatte die "Verräter" eingeschleust.

Heinz Börsch, Präsident des Kempener Karnevalsvereins, sang die Karnevalslieder mit, mit denen sich die Jecken auf die Rathauserstürmung einstimmten. Es war zwar eine stattliche Zahl von Narren gekommen, aber Börsch zeigte sich unzufrieden: "Zum Karnevalszug müssen deutlich mehr kommen."

Mit auf seiner Seite: Der frühere Bürgermeister und Karnevalsprinz Karl-Heinz Hermans genoss es sichtlich, mal nicht auf der Seite der "Kamillenteetrinker" und "Bleistiftanspitzer" im Rathaus zu sehen - für die Bediensten hatte der 80-jährige Ex-Prinz nur Spott übrig, gestand freimütig: "Ich wollte auch mal auf der Seite der Sieger stehen."

Die Karnevalsgesellschaft Weiss & Blau Kamperlings feuerte als erste mit der Konfettikanone auf das Rathaus. Dann brachte die Funkenartillerie des Löschzugs Kempen ihr Geschütz in Stellung. "Aber "ne echte Rohrkrepierer war das", lästerte der Stellvertretende Bürgermeister Otto Birkmann. Und auch Erster Beigeordneter Hans Ferber gab sich siegessicher.

Hermans verspottete sie als "arme Gestalten" und bat Karnevalsprinz Peter I., nach der Stürmung des Rathauses bei diesen Mitleid erregenden Kreaturen Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Die Konfetti-Attacken erwiderten sie mit Nebelschwaden.

"Es wird alles nichts nützen, wir fahren jetzt auf die schweren Haubitzen", drohte Börsch. Doch es war nicht brachiale Waffengewalt, sondern List und Verrat, die den Weg ins Rathaus frei machten. Plötzlich ließen sich am Fenster Mitglieder der Kempener Prinzengarde blicken, hissten die weiße Fahne. Sekunden später jubelten die Tollitäten aus dem Fenster über dem Kempener Stadtwappen (Foto links). Christoph Dellmans, der Verräter, hatte 15 Minuten vorher noch versucht, die anrückenden Narren mit einem einfachen Durchfahrt-verboten-Schild zu stoppen.

Die hohen Herren im Rathaus wurden kleinlaut: "Jetzt fällt mir nichts mehr ein", erklärte Birkmann - eine klassische Kapitulation. Aber er ließ es sich nicht nehmen, den Eroberern den Spaß an dem errungenen Sieg zu nehmen, indem er erklärte: "Wir haben nix, wir geben nix."

Stolz marschierten Prinz Peter mit Ihrer Lieblichkeit Marianne I. samt Gefolge in die Beamtenhochburg am Buttermarkt1 ein.

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