Kempen – Land des Kohls. Für die Ernte haben drei Landwirte eine Maschine entwickelt.

Das neue Gerät kommt auf dem Feld mit Chinakohl zum Einsatz. Während die jungen Erntehelfer den prallen Köpfen noch mit dem Messer an den Strunk gehen, setzt Landwirt Peter Josef Coenen auf die neuartige Kappes-Maschine.
Das neue Gerät kommt auf dem Feld mit Chinakohl zum Einsatz. Während die jungen Erntehelfer den prallen Köpfen noch mit dem Messer an den Strunk gehen, setzt Landwirt Peter Josef Coenen auf die neuartige Kappes-Maschine.

Das neue Gerät kommt auf dem Feld mit Chinakohl zum Einsatz. Während die jungen Erntehelfer den prallen Köpfen noch mit dem Messer an den Strunk gehen, setzt Landwirt Peter Josef Coenen auf die neuartige Kappes-Maschine.

Friedhelm Reimann

Das neue Gerät kommt auf dem Feld mit Chinakohl zum Einsatz. Während die jungen Erntehelfer den prallen Köpfen noch mit dem Messer an den Strunk gehen, setzt Landwirt Peter Josef Coenen auf die neuartige Kappes-Maschine.

Kempen. Neun Monate hatte er Zeit zu wachsen, prall und rund zu werden: Nun ist der Kohl reif für die Ernte. Bis in diese späten Novembertage werden die bis zu zehn Kilogramm schweren Rundlinge von den Feldern geschnitten. Knabber-Attacken von Hasen und Vögeln, Hitzestress und Ungeziefer haben sie wohlbehalten überstanden, um in absehbarer Zeit neben dunklem Fleisch und Kartoffelklößen ihren Sinn zu erfüllen: gut zu schmecken.

"Man schafft mit der Maschine 150 Tonnen an einem Tag."

Peter Josef Coenen, Landwirt

Von Aldekerk über Kempen, St.Tönis, Willich bis in den Neusser Raum erstrecken sich auf 500 Hektar die Felder mit Rot- und Weißkohl. Und die werden nun geerntet. Mit einem Messer oder Spachtel werden die Kohlköpfe sonst von Hand abgeschnitten. Das dauert: Für eine Ladung von 20 bis 25 Tonnen braucht man, sagt Landwirt Josef Impelmanns, per Hand zu zweit den ganzen Tag.

Aber es geht auch anders. Impelmanns hat zusammen mit Andreas Wolters und Peter Josef Coenen eine eigene Kappes-Maschine gebaut. Und die erntet 25 Tonnen in 90 Minuten. "Man schafft mit der Maschine 150 Tonnen an einem Tag", sagt Coenen. Ein bis zwei Hilfskräfte kontrollieren die Qualität der Ware, die oben auf dem Verleseband ankommt, werfen beschädigte Kohlköpfe wieder runter und säubern den Rest.

Die Idee, eine Maschine selbst zu basteln, ist im Grunde aus der Angst geboren: "Kohlernte ist sehr schwere körperliche Arbeit. Und es war immer schwer, Leute zu bekommen", sagt Coenen. "Wir hatten Sorge, dass wir das nicht mehr geerntet kriegen." Anders als für die Kartoffel- oder Rübenernte gibt es für Kohl fast keine industriellen Erntemaschinen. Daher haben die drei einen Rüben-Roder mit diversen Aufsätzen und Umbauten zum Kohl-Roder umfunktioniert.

Zehn Jahre Tüftelei und der Gegenwert zweier Oberklasse-Mercedes oder eines kleinen Häuschens, so einer der Bauern, stecken in der Maschine - nun endlich erfüllt sie die Ansprüche ihrer Erbauer. Und die können sie bei der laufenden Kohlernte bis zum Anschlag auf ihren zusammen 60 bis 70 Hektar großen Kohlfeldern einsetzen. Wochenweise wird sie untereinander ausgetauscht.

Fläche: Zwischen Aldekerk und Neuss wird Kohl auf einer Fläche von rund 500 Hektar angebaut.

Boden: Die Kempener Platte ist ein Lößlehmboden, auf dem Kohl besonders gut wächst.

Verwendung: Der Großteil dessen, was an Kohl im Kempener Gebiet angebaut wird, geht an die Industrie.

Verbrauch: Jeder Bürger isst laut Kreislandwirt Tölkes etwa 1,6 bis 1,8 Kilogramm Sauerkraut im Jahr.

Kappes: Der Begriff Kappes geht auf lateinisch "caput", der Kopf, zurück.

Vitamine: Rotkohl ist reich an Vitamin C, Eisen, Mineralstoffen, Zucker und Senfstoffen, Weißkohl hat viele Ballaststoffe. Außerdem regt Kohl die Bildung des Glückshormons Serotonin an.

Wenn der Kohl eingeholt ist, wird der weiß geputzte Kappes noch am selben Tag zur verarbeitenden Fabrik nach Straelen gebracht. Während der Rotkohl als fertiges oder halbfertiges Gemüse ins Glas kommt, wird aus dem Weißkohl der Kempener Landwirte Sauerkraut hergestellt. Und endet, darauf schwört Kreislandwirt Heinz-Josef Tölkes, am besten als im Backofen überbackenes Sauerkraut mit Kartoffelpüree.

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