Der israelische Historiker und Publizist Moshe Zimmermann findet in Kempen viele Zuhörer.

Bürgermeister Karl Hensel erinnerte vor dem Rathaus auf dem Buttermarkt an das Schicksal der Kempener Juden.
Bürgermeister Karl Hensel erinnerte vor dem Rathaus auf dem Buttermarkt an das Schicksal der Kempener Juden.

Bürgermeister Karl Hensel erinnerte vor dem Rathaus auf dem Buttermarkt an das Schicksal der Kempener Juden.

Der Wissenschaftler Moshe Zimmermann am Dienstagabend in der vollen Paterskirche: Der Autor sprach über das Schicksal der Juden in Deutschland zwischen 1938 bis 1945.

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Bürgermeister Karl Hensel erinnerte vor dem Rathaus auf dem Buttermarkt an das Schicksal der Kempener Juden.

Kempen. Einen solchen Ansturm gab’s noch nie beim Holocaust-Gedenktag! Die Veranstaltung am Dienstagabend, zu der Kreis Viersen, Volkshochschule, Katholisches Bildungsforum und Stadt eingeladen hatten, musste vom Rokokosaal in die benachbarte Paterskirche verlegt werden.

Gastredner war Professor Moshe Zimmermann von der Hebräischen Universität Jerusalem.

Der Historiker Zimmermann ist weltweit anerkannter Forscher zur Geschichte des deutschen Judentums und des Antisemitismus. Bewusst konzentriert er sich in seinem neuen Buch "Deutsche gegen Deutsche" auf die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der in Deutschland lebenden Juden.

"Wie wäre es, wenn wir Auschwitz nicht gehabt hätten?"

Moshe Zimmermann

"Zunächst war das Ziel der Nationalsozialisten, die deutschen Juden zu vertreiben", berichtete Zimmermann. Ihre Lebensbereiche seien immer mehr eingeschränkt worden. Das ging hin bis zu vollkommen grotesk erscheinenden Verboten wie das Halten von Brieftauben.

Zimmermann: "Doch die deutschen Juden hingen an ihrer Heimat." 1941 wurde die so genannte "Endlösung" beschlossen und mit bürokratischer Genauigkeit und unfassbarer Grausamkeit durchgeführt.

Zimmermann wurde 1943 in Jerusalem geboren.

Seit 1986 ist er Direktor des "Richard-Koebner-Center for German History" an der Hebräischen Universität Jerusalem.

Schwerpunkte sind die deutsche Sozialgeschichte sowie die Geschichte der deutschen Juden und des Antisemitismus.

Moshe Zimmermann ist vielfach ausgezeichnet, u.a. Humboldt-Preis (1993), Grimm-Preis DAAD 1997, Lessing-Preis für Kritik 2006 und Dr.-Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen 2002.

"Wie wäre es, wenn wir Auschwitz nicht gehabt hätten? Wo wären wir mit der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus?", fragte Zimmermann in die Runde. "Ein normaler Mensch kommt doch zu dem Schluss, dass es so etwas nicht geben darf."

Der Wissenschaftler forderte dazu auf, darüber nachzudenken und sich damit auseinanderzusetzen, dass offensichtlich viele im Land um die Vertreibung und Verfolgung, sogar die Deportationen der Juden wussten und diese auch akzeptierten.

Interessierte können per E-Mail mit Zimmermann diskutieren

Die Fragen in der Diskussionsrunde zeigten dann auch das Unverständnis bei den heutigen Zeitgenossen, warum es nicht mehr Widerstand gab. Warum nicht mehr europäische Länder den Juden geholfen hätten. Fragen, die der 65-Jährige so gut es ging in der Kürze der Zeit beantwortete.

Darüber hinaus bot Moshe Zimmermann an, dass man sich mit ihm auch per E-Mail in Verbindung setzen könne, um weiter zu diskutieren.

Eine Stellungnahme zum aktuellen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern wollte er allerdings am Dienstag nicht abgeben: Dieses Thema sei für seinen Vortrag "irrelevant" und bestätige nur wieder einmal, dass die Definition der Juden von außen erfolge. Diese Worte wurden von vielen im Publikum mit Beifall bedacht.

Einziger Wermutstropfen: Die Akustik in der Paterskirche ließ zu wünschen übrig. Das lag einerseits an der kurzfristigen Verlegung, aber auch daran, dass diese Kirche besonders schwierig zu beschallen ist.

An der Gedenksäule am Rathaus legen viele Rosen nieder

Traditionell steht vor der Veranstaltung im Kulturforum Franziskanerkloster eine Gedenkstunde am Mahnmal am Rathaus. Bürgermeister Karl Hensel gedachte an der Gedenksäule am Buttermarkt der deportierten und geflohenen Kempener Juden.

Dabei betonte er die "Notwendigkeit des Erinnerns und Bewahrens". Während er die Namen vorlas, legten viele Kempener Bürger Rosen vor dem Mahnmal nieder. bu

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